Großaufträge von AWS und der Regierung: Ist das die Kehrtwende für Intel?
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Großaufträge von AWS und der Regierung: Ist das die Kehrtwende für Intel?

Author

Manuel Gottschalk

Der angeschlagene einstige Branchenprimus Intel kann derzeit zwei Erfolge feiern. Zum einen wäre da die strategische Partnerschaft mit Amazon zu nennen, genauer gesagt mit Amazon Web Services (AWS). Intel entwickelt für AWS zukünftig maßgeschneiderte KI- und ML-Chips (Machine Learning-Chips), die in Amazon-Rechenzentren eingesetzt werden, um die Effizienz und Geschwindigkeit von Cloud-basierten KI-Diensten zu steigern. Durch die Verwendung der neuen Intel-Chips können AWS-Kunden schnellere Rechenzeiten für KI-Modelle und ML-Algorithmen erwarten, was besonders für datenintensive Branchen wie das Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen und E-Commerce entscheidend ist.

Darüber hinaus soll sich Intel verschiedener Medienberichten zufolge für einen Großauftrag des US-Militärs und der Geheimdienste in Stellung gebracht haben. So soll der Produzent von Halbleitern dazu angehalten sein, modernste Chips für militärische und geheimdienstliche Zwecke zu fertigen. Im Rahmen des Chips and Science Acts wurden dem Unternehmen bereits $20 Milliarden zugesagt, nun geht es um weitere $3.5 Milliarden. Indes wurde das in Magdeburg geplante Werk, an dem sich die deutsche Bundesregierung mit $10 Milliarden beteiligen sollte, vorerst für die nächsten zwei Jahre auf Eis gelegt. Ob es überhaupt jemals realisiert werden wird, ist derzeit äußerst ungewiss.

In den letzten Jahren hat der Chiphersteller Intel einige strategische Fehlentscheidungen getroffen, die die eigene Wettbewerbsfähigkeit zum Teil enorm beeinträchtigten. Zum einen wären da der verspätete Einstieg in die Produktion von Grafikprozessoren (GPUs) und spezialisierter Chips für KI-Anwendungen zu nennen. Nvidia und AMD hatten das Potenzial solcher Technologien hingegen früh erkannt, dementsprechend investiert und bereits Marktanteile gewonnen, als sich Intel noch auf sein damaliges Kerngeschäft zentraler Prozessoren (CPUs) konzentrierte. Auch bei der Umstellung auf fortschrittlichere Fertigungstechnologien hinkt Intel hinterher. Während TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) und Samsung bereits auf 7-nm- und 5-nm-Prozesstechnologien umgestiegen sind, tat sich Intel noch schwer mit der Entwicklung der 10-nm- respektive 7-nm-Technlogie. Im neuen Werk in Magdeburg sollten 1.5-nm-Prozesstechnologien zum Einsatz kommen, daraus wird aber vorerst wohl nichts. Auch die Entscheidung, sich vorübergehend aus dem Bereich der mobilen Chips für Handys und Tablets zurückzuziehen, führte dazu, dass das Unternehmen im schnell wachsenden Markt den Anschluss verlor. Gleichzeitig verpasste man die Chance, frühzeitig in den KI-Sektor zu investieren.

Um sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Halbleitermarkt behaupten zu können, hat Intel unter CEO Pat Gelsinger nun ein Restrukturierungsprogramm aufgesetzt, welches sowohl Sparmaßnahmen als auch Effizienzsteigerungen in der Produktion beinhaltet. So wird die weltweite Belegschaft um 15 000 Stellen verkleinert – was immerhin 16 Prozent der Gesamtmitarbeiterzahl entspricht –, insgesamt soll die Ausgaben bis 2025 um bis zu $10 Milliarden gedrückt werden. Zudem soll das Produktportfolio gestrafft werden, damit sich der Konzern auf die Kernbereiche wie die Entwicklung von Chips für Rechenzentren, Künstliche Intelligenz und Cloud-Computing konzentrieren kann.

Zunutze machen möchte sich Gelsinger auch die Angst vor weiteren Engpässen im Halbleiter und Chipsektor, wie sie beispielsweise während der Corona-Krise auftraten. Heuer steht hierbei der drohende Taiwan-Konflikt im Vordergrund. Sollte im Zuge einer militärischen Auseinandersetzung zwischen China und Taiwan eine Knappheit bei diesen High-Tech-Produkten eintreten, will Intel in Zukunft mit seiner Intel Foundry-Sparte diese Lücke schließen. TSMC produziert mindestens 60 Produzent aller weltweiten Halbleiter, so auch für Apple, Qualcomm und Nvidia. Bei den modernsten Varianten sollen es sogar 90 Prozent sein. Die geostrategische Relevanz von TSMC wird somit deutlich, entsprechend nachvollziehbar ist der Plan der Regierung in den USA, diese Abhängigkeit zukünftig zu reduzieren. Dieses Anliegen könnte nun Intel in die Karten spielen. Vorausgesetzt natürlich, der einstige Technologie-Pionier schafft es, seine Fertigung so weit zu optimieren, dass nicht nur qualitativ hochmoderne Chips produziert werden können, sondern diese auch in einer ausreichend großen Menge vom Band laufen. Wie es mit der Intel-Aktie weitergeht, nachdem diese zuletzt nach langer Zeit mal wieder einen prozentual betrachtet zweistelligen Sprung nach oben machte, erfahren die Abonnenten unseres US-Titans-Pakets in den täglichen Marktupdates. Verraten können wir an dieser Stelle, dass wir bei diesem Titel mit einer baldigen Bodenbildung rechnen – und hierfür bereits eine Long-Zielzone skizziert haben.

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Manuel Gottschalk

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