Goldpreis im Höhenflug – Zölle und Fed-Personalie treiben den Markt
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Goldpreis im Höhenflug – Zölle und Fed-Personalie treiben den Markt

Author

Esma Sakalli

Der Goldpreis hat in dieser Woche spürbar angezogen und notierte zuletzt bei knapp 3.400 US-Dollar je Unze. Damit steuert das Edelmetall auf den größten Wochengewinn seit rund einem Monat zu.

Zwei politische Entscheidungen aus Washington wirken dabei wie ein Doppelschub: Zum einen verhängt die US-Regierung hohe Zölle auf standardisierte Goldbarren aus der Schweiz, zum anderen setzt Präsident Donald Trump mit einer Personalie bei der Federal Reserve geldpolitische Signale.

US-Zölle auf Schweizer Goldbarren setzen den Markt unter Druck

Die Zölle von 39 Prozent betreffen vor allem ein Kilo schwere Barren – genau jene Form, die am New Yorker Terminmarkt COMEX als Standard gilt. Sie stammen in großer Zahl aus Schweizer Raffinerien, die als Herzstück der globalen Goldverarbeitung gelten.

Mit Inkrafttreten der Maßnahme verteuerten sich diese Lieferungen schlagartig, was die Prämie für in New York gehandelte Gold-Futures nach oben trieb. Händler sprechen von einer abrupten Marktstörung, wie man sie zuletzt in der Corona-Pandemie bei Lieferketten erlebt hatte.

COMEX-Futures reagieren mit sprunghaften Prämien

An der COMEX, dem wichtigsten Terminmarkt für Gold in den USA, war die Reaktion unmittelbar spürbar. Die Preise für Gold-Futures – also für Lieferungen zu einem späteren Zeitpunkt – stiegen deutlich schneller als die Kassapreise (Spotpreise), die den sofortigen Handel widerspiegeln. Die Folge: Die Prämie, die Händler für in New York gehandelte Kontrakte zahlen, weitete sich spürbar aus.

Für Marktteilnehmer ist eine solche Entwicklung mehr als nur eine technische Randnotiz. Ein starkes Auseinanderlaufen von Spot- und Terminpreisen signalisiert, dass sich die Balance zwischen physischem Angebot und papierbasierten Handelskontrakten verschiebt. In der Praxis bedeutet das: Wer sich normalerweise über Futures gegen Preisschwankungen absichert, sieht seine Kalkulation durcheinandergebracht.

Solche Preisverzerrungen können zudem Kettenreaktionen auslösen. Arbitragegeschäfte – bei denen Händler Preisunterschiede zwischen Spot- und Terminmärkten ausnutzen – werden schwieriger, das Vertrauen in die Preistransparenz sinkt, und im Extremfall kann es zu Liquiditätsengpässen kommen. Gerade in einem Markt wie Gold, der stark auf die Rolle als globaler Benchmark setzt, wirken sich solche Spannungen schnell international aus.

Handelspolitische Spannungen reichen über die Schweiz hinaus

Betroffen ist nicht nur die Schweiz. Die Zölle fügen sich ein in eine Reihe handelspolitischer Spannungen, die auch Partner wie Indien und Brasilien in den Blick rücken. Für die Goldbranche stellt sich damit die Frage, wie sich die Handelsströme neu sortieren. Mögliche Gewinner könnten Raffinerien in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Asien sein, die von günstigeren Handelsbedingungen profitieren.

Trump besetzt Fed-Posten mit Zinssenkungsbefürworter

Während der Zollschock vor allem die physische Versorgungskette des Goldhandels belastet, zielt Trumps Personalentscheidung bei der Federal Reserve direkt auf die geldpolitische Ausrichtung der Notenbank. Mit Stephen Miran zieht ein Ökonom ins Board of Governors ein, der sich in der Vergangenheit immer wieder als scharfer Kritiker der aktuellen Fed-Politik positioniert hat.

Miran, bislang Vorsitzender des Council of Economic Advisers im Weißen Haus, gilt als Verfechter einer expansiveren Geldpolitik – sprich: niedrigere Zinsen, weniger restriktive Maßnahmen, mehr Liquidität im System.

Für die Märkte hat Mirans Einstieg vor allem symbolische Bedeutung. Investoren lesen darin ein klares Signal, dass das Weiße Haus bereit ist, den Druck auf die Zentralbank zu erhöhen, um vor den Präsidentschaftswahlen im November ein günstigeres wirtschaftliches Umfeld zu schaffen. Da niedrigere Zinsen tendenziell den US-Dollar schwächen und die Attraktivität von zinslosen Anlagen wie Gold erhöhen, könnte Mirans Position im Board den Aufwärtstrend beim Goldpreis weiter verstärken.

Schwächerer Dollar verstärkt die Goldnachfrage

Die Märkte reagierten prompt: Der Dollar Index gab seine Tagesgewinne nach Bekanntgabe der Ernennung wieder ab. Für Gold ist das Rückenwind, denn ein schwächerer Dollar macht das Edelmetall für Käufer außerhalb der USA günstiger.

Hinzu kommt, dass niedrigere Zinsen die Opportunitätskosten des Goldhaltens reduzieren – ein entscheidender Faktor für ein Asset, das selbst keine laufenden Erträge erwirtschaftet.

Anleger zwischen Volatilität und sicherem Hafen

Kurzfristig sorgt diese Mischung aus protektionistischer Handelspolitik und potenzieller geldpolitischer Lockerung für eine erhöhte Volatilität am Goldmarkt. Preisspitzen und abrupte Korrekturen bleiben weiterhin möglich, insbesondere wenn sich die politischen Rahmenbedingungen rasch ändern.

Dennoch sprechen die aktuellen Signale dafür, dass Gold seine Rolle als sicherer Hafen behaupten und möglicherweise weiter ausbauen kann. Für Anleger heißt das: Die Preisentwicklung hängt derzeit weniger von Fördermengen und Schmucknachfrage ab, sondern vor allem davon, welche Schlagzeilen aus Washington den nächsten Impuls geben.

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Esma Sakalli

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