Gold, Weihrauch und Myrrhe: Was das Geschenk der Heiligen Drei Könige heute wert wäre
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Gold, Weihrauch und Myrrhe: Was das Geschenk der Heiligen Drei Könige heute wert wäre

Author

Muriel Ayari

Kaum eine Weihnachtsgeschichte ist so bekannt wie die der Heiligen Drei Könige. Laut dem Matthäus-Evangelium folgten sie einem Stern aus dem Osten nach Bethlehem, um dem neugeborenen Jesus Gold, Myrrhe und Weihrauch zu überreichen. Ok – ungewöhnlich. Wäre ein Teddybär oder eine warme Decke für ein neugeborenes Kind nicht sinnvoller gewesen?

Die Auswahl war kein Zufall: Jedes Geschenk trug eine klare symbolische Bedeutung und hatte bereits damals einen erheblichen materiellen Wert. Gold stand für Königtum und weltliche Macht. Weihrauch galt als Opfergabe für das Göttliche, Myrrhe wiederum war ein kostbares Heil- und Salbungsmittel, das zugleich auf Leid und Sterblichkeit verwies.

Links Gold, in der Mitte Myrrhe, rechts Weihrauch: die drei traditionellen Gaben der Heiligen Drei Könige.

Die Geschenke waren nicht nur religiös aufgeladen, sondern auch ökonomisch relevant. In einer Zeit ohne Papiergeld, Kapitalmärkte oder Börsenindizes stellten sie eine Form von Sachwert-Vermögen dar.  Gewissermaßen das antike Pendant zu einem gut bestückten Tresor. Doch wie würde dieses Weihnachts-Portfolio heute aussehen? Und vor allem: Was wäre es im Jahr 2025 eigentlich wert? Um das zu verstehen, muss man sich zunächst die sehr unterschiedlichen Märkte ansehen, auf denen diese Waren heute gehandelt werden.

Gold: Der Klassiker unter den Sachwerten

Gold ist der einzige der drei Stoffe, dessen Rolle sich über Jahrtausende kaum verändert hat. Bereits in der Antike diente es als Zahlungsmittel, Wertspeicher und Statussymbol. Heute wird Gold weltweit an Terminbörsen gehandelt, ist Bestandteil von ETFs, Zentralbankreserven und privaten Vermögensstrategien. Kurz gesagt: Gold ist der Senior im Portfolio, ruhig, wertstabil und selten für Überraschungen gut.

Reines Gold in Nuggetform: seit der Antike ein begehrter Wertspeicher und Symbol für Macht, Reichtum und Beständigkeit.

Seine Funktion ist klar definiert: Inflationsschutz, Krisenabsicherung, Fundament der Diversifikation. Anders als Aktien oder Anleihen ist Gold kein produktiver Vermögenswert, der Dividenden abwirft. Aber gerade darin liegt sein Reiz. Gold steht außerhalb des wachstumsorientierten Fiatwährungs- und Finanzsystems und gewinnt typischerweise dann an Attraktivität, wenn das Vertrauen in Währungen oder politische Stabilität nachlässt. Also meist genau dann, wenn Anleger nervös werden.

Der Markt ist transparent, liquide und global. Der Preis bildet sich täglich neu und macht Gold zum am leichtesten bewertbaren Bestandteil der königlichen Gaben. Schon damals war Gold Zeichen für Wohlstand und wirtschaftliche Stabilität. Auch heute wird Neugeborenen gerne symbolisch eine kleine Menge Gold geschenkt. Insofern ist dieses Geschenk ans Jesuskind überraschend gut gealtert.

Weihrauch: Nischenrohstoff mit begrenztem Markt

Deutlich weniger bekannt ist die ökonomische Rolle von Weihrauch. Dabei handelt es sich um das Harz bestimmter Boswellia-Bäume, die vor allem in Oman, Äthiopien und Somalia wachsen. Bereits in der Antike war Weihrauch sehr begehrt, unter anderem für religiöse Rituale, Parfüms und medizinische Anwendungen. Wer ihn besaß, verfügte über ein Gut mit hoher Nachfrage und begrenztem Angebot. Als Geschenk eines Königs an den neugeborenen Jesus war es ein eindeutiges Zeichen der Ehrerbietung, die damals für normale Kinder nicht üblich war.

Weihrauch im Einsatz während einer Messe: verbranntes Harz, das vor allem im Christentum genutzt wird, aber religionsübergreifend rituelle Bedeutung hat.

Heute wird Weihrauch nicht an großen Rohstoffbörsen gehandelt. Der Markt ist klein, fragmentiert und stark von Herkunft, Qualität und Erntemethoden abhängig. Dennoch findet das Harz weiterhin Verwendung, etwa in der Naturmedizin, der Parfümindustrie und zunehmend auch in der pharmazeutischen Forschung, wo entzündungshemmende Eigenschaften untersucht werden.

Mit klassischen Börsenmechanismen hat Weihrauch wenig zu tun. Es gibt keinen täglichen Kurs, keine Charts und keinen Handel per Klick. Der Wert entsteht dort, wo Nachfrage besteht – in kleinen, spezialisierten Märkten. Ein Kilo des duftenden Harzes bekommt man heute schon für weniger als 50 Euro – je nach Qualität. Weihrauch ist damit eher etwas für Liebhaber als für schnelle Geschäfte.

Myrrhe: Luxusgut und Heilmittel

Ähnlich verhält es sich mit Myrrhe. Das Harz stammt von sogenannten Commiphora-Sträuchern, die zu den Balsambaum-Gewächsen gehören. Myrrhe-Pflanzen wachsen vor allem in Afrika, etwa in Äthiopien oder Kenia. Das Harz war in der Antike eines der kostbarsten Handelsgüter überhaupt. Es wurde für Salböle, Parfüms, Wundbehandlung und religiöse Rituale verwendet und war entsprechend teuer.

Auch heute spielt Myrrhe noch eine Rolle, etwa in der Naturkosmetik, der traditionellen Medizin und in bestimmten pharmazeutischen Präparaten. Wie beim Weihrauch existiert jedoch kein zentraler Handelsplatz. Die Preise schwanken stark, abhängig von Qualität, Reinheit und Herkunft.

Myrrhe als Heilharz: traditionell genutzt in Medizin und Salbungen, bekannt für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften.

In moderner Terminologie ließe sich Myrrhe als Luxus-Nischenrohstoff einordnen: geringe Marktgröße, hohe Preissensibilität, kaum Skaleneffekte. Ein Investment im klassischen Sinne ist sie nicht, eher ein exklusives Sammlerstück mit funktionalem Nutzen und überschaubarer Liquidität. Für ein Kilo Myrrhe zahlt man heute ein paar Hundert Euro – teurer als Weihrauch, aber weit unter Gold, das heute rund 120 000 Euro pro Kilo kostet.

Was wäre das heute wert?

Die entscheidende Frage bleibt: Welchen Gegenwert hätten die Geschenke der Heiligen Drei Könige heute?

Die Bibel nennt keine Mengenangaben. Historiker gehen jedoch davon aus, dass es sich nicht um symbolische Kleinstmengen handelte, sondern um Gaben von erheblichem Wert. Schließlich waren die Überbringer Könige und keine Gelegenheitsbesucher. Für eine symbolische Kleinigkeit hätte sich kaum jemand ihres Ranges wochenlang an einem Stern orientiert und die Strapazen einer Fernreise auf sich genommen. Sparsamkeit stand hier offenbar nicht im Lastenheft.

Zur groben Einordnung nehmen Ökonomen häufig an, dass jede Gabe dem Gegenwert mehrerer Monats- oder sogar Jahreslöhne entsprach. Übertragen auf heutige Maßstäbe ergibt sich ein spannendes Bild:

  • Gold: Je nach angenommener Menge könnte der heutige Wert leicht im Bereich von mehreren Zehntausend Euro liegen. Dass einer der Könige damals ein Kilo mitbrachte, scheint unter Berückstigung historischer Einschätzungen nicht abwegig.
  • Weihrauch: Sehr hochwertiger Weihrauch, wie er eines Königs damals würdig wäre, erzielt heute Preise von mehreren hundert Euro pro Kilogramm. In größeren Mengen gerechnet, wäre auch hier ein vierstelliger Wert realistisch.
  • Myrrhe: Vergleichbar mit Weihrauch, teilweise sogar teurer, abhängig von Qualität und Reinheit. Erneut kann man hier wohl mit einer vierstelligen Summe im heutigen Gegenwert rechnen, den einer der Könige damals mitbrachte.

In Summe käme das Geburtsgeschenk der drei Könige nach heutiger Kaufkraft vermutlich auf einen mittleren bis hohen fünfstelligen Betrag, konservativ geschätzt. In Relation zur damaligen Wirtschaftsleistung entsprach es eher einer großzügigen Vermögensübertragung als einem symbolischen Präsent. Aus heutiger Sicht würde man vermutlich von einer sehr frühen Form der Vermögensvorsorge sprechen.

Ein erstaunlich defensives Weihnachts-Portfolio

Ganz unabhängig von aller Symbolik hatten diese Geschenke vor allem eines: Substanz. Gold, Weihrauch und Myrrhe waren bares Vermögen. Und mit diesem Vermögen ließ sich einiges anfangen. Das Portfolio war defensiv, inflationsresistent und erstaunlich krisenfest.

Und ganz praktisch betrachtet dürften diese Gaben das Leben der jungen Familie spürbar verändert haben. Vom Stall in eine bessere Unterkunft, vom Provisorium zu etwas mehr Sicherheit. Vielleicht wurde der berühmte Esel schon früher in den wohlverdienten Ruhestand geschickt und gegen ein etwas komfortableres Gefährt eingetauscht. Etwas mehr Pferdestärke? Nicht ausgeschlossen.

In heutiger Sprache würde man wohl sagen: Die Heiligen Drei Könige brachten dem Kind Gottes eine Reihe von Gütern, die einer Gottheit würdig waren und zugleich ein solides Startkapital darstellten. Damit schenkten sie nicht nur das erste, sondern gleich auch eines der nachhaltigsten Weihnachtsgeschenke der Geschichte.

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Muriel Ayari

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