Gerüchte am Ölmarkt: Saudi-Arabien könnte ab Dezember mehr Öl fördern
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Gerüchte am Ölmarkt: Saudi-Arabien könnte ab Dezember mehr Öl fördern

Ein Bericht der Financial Times dürfte gestern auf den Schreibtischen vieler Ölanalysten weltweit gelandet sein. Die britische Tageszeitung berichtete mit Berufung auf Insider, dass Saudi-Arabien ab Dezember seine Ölförderung ankurbeln wird. Der weltgrößte Ölexporteur und sieben weitere Mitglieder der Produzentengruppe Opec+ hätten eigentlich bereits seit Anfang Oktober die lange bestehenden Produktionskürzungen aufheben sollen. Eine von der Gruppe beschlossene zweimonatige Verzögerung löste jedoch Spekulationen darüber aus, ob sie überhaupt in der Lage sein würde, die Produktion zu erhöhen – insbesondere wegen der niedrigen Ölpreise derzeit. Die britische Ölnotierung Brent steht aktuell bei etwa $71, nachdem der Preis vor zwei Wochen auf das tiefste Niveau seit 2021 gefallen war. Die Förderung soll nun ab Dezember bis Ende 2025 schrittweise erhöht werden. Dieser Kurswechsel überrascht, denn Saudi-Arabien hatte seit November 2022 regelmäßig auf Kürzungen gedrängt, um das globale Angebot knapp zu halten, was Marktbeobachter stets als bullisch für den Ölmarkt bewerteten. Doch das zusätzliche Angebot aus den USA und die schwache Nachfrage aus China haben die Wirkung dieser Kürzungen verwässert. Die Opec steht vor einem Dilemma, das an die Jahre 2014 und 2015 erinnert.

Saudi-Arabien in der Zwickmühle: $100-Preisziel verworfen?

Um die Produktion zu steigern und Marktanteile zu gewinnen, will Saudi-Arabien sein inoffizielles Preisziel von $100 pro Fass fallen lassen, wie die FT berichtete. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigt Saudi-Arabien einen Ölpreis von fast $96 pro Barrel, um seinen Haushalt auszugleichen. Gleichzeitig versucht Kronprinz Mohammed bin Salman, eine Reihe von Megaprojekten im Rahmen eines ehrgeizigen Wirtschaftsreformprogramms zu finanzieren. Der IWF weist jedoch darauf hin, dass ein Ölpreis über $100 negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben könnte – und daran hat Saudi-Arabien kein Interesse. Öffentlich haben die OPEC und Saudi-Arabien wiederholt erklärt, dass sie keinen bestimmten Preis anstreben und ihre Entscheidungen auf der Grundlage von Marktentwicklungen treffen. Dennoch wirkte sich der Bericht negativ auf die Stimmung der Marktbeobachter aus, da derzeit ein allgemeiner Pessimismus auf dem Ölmarkt herrscht. Insbesondere die schwache Nachfrage aus China dämpfte zuletzt die Prognosen vieler Analysehäuser.

Opec+ steht vor einem Dilemma

Die Opec+ sieht sich angesichts der aktuellen Situation einem Dilemma ausgesetzt: Erhöhen die Länder ihre Produktion nicht wie geplant, verlieren sie wichtige Marktanteile und Einnahmen an Nicht-Mitgliedstaaten wie die USA oder Kanada, deren Ölförderung zuletzt deutlich angestiegen war. Eine höhere Förderung könnte andererseits das globale Angebot stark erhöhen, während die Nachfrage aus China schwach ist – was sich bärisch auf den Ölmarkt auswirkt. „Es ist unsere klare Einschätzung, dass kein Platz für mehr Opec-Öl auf dem Markt ist, wenn das Kartell 2025 einen Ölpreis von nahe $80 halten möchte“, kommentierten etwa die Analysten von Global Risk Management (GRM), einem Anbieter von Absicherungslösungen am Finanzmarkt. Die Situation erinnert stark an die Jahre 2014 und 2015, als die Opec ihre Ölförderung erhöhte, um Marktanteile von den nordamerikanischen Ölproduzenten zurückzugewinnen. Der Ölpreis fiel in diesem Zeitraum von über $100 auf zeitweise unter $30 pro Barrel.

Wichtig ist jedoch anzumerken, dass solche Entwicklungen auf dem Ölmarkt lediglich technisch bereits absehbare Preisentwicklungen auslösen oder beschleunigen. Während viele Ölmarktanalysten den jüngsten Rückgang der Ölnotierungen für Brent und WTI nun darauf zurückführen, dass die Investoren die Angebotsausweitung eskomptieren, haben wir diese Entwicklung im Rahmen unseres Rohöl-Pakets auf Basis der Elliott-Wellen-Theorie bereits vorher prognostiziert.

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