Gefallener KI-Star im Billionen-Markt: Gibt diese Undercover-Aktie ein Mega-Comeback?
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Gefallener KI-Star im Billionen-Markt: Gibt diese Undercover-Aktie ein Mega-Comeback?

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze

  • KI regelt auf diesem Marktplatz milliardenschwere Werbe-Deals.
  • Nach dem Kurssturz ist die Bewertung deutlich günstiger geworden.
  • The Trade Desk ersetzt Airbnb im Tech33-Paket.

Der globale Werbemarkt ist heute einer der größten und zugleich unsichtbarsten Märkte der Welt. Mehr als eine Billion US-Dollar fließen jedes Jahr in Werbung – und rund zwei Drittel davon inzwischen in digitale Kanäle. Doch nur wenige Anleger kennen das Unternehmen, das im Hintergrund Milliarden von Werbeanzeigen in Sekundenbruchteilen vermittelt: The Trade Desk. Ausgerechnet dieser kaum bekannte KI-Profiteur ist nach seinem massiven Kursrutsch so günstig bewertet wie seit dem Corona-Crash 2020 nicht mehr.

Ab Freitag rückt The Trade Desk für Airbnb ins Tech33-Paket. Der Spezialist für programmatische Werbung verbindet künstliche Intelligenz, Datenanalyse und Echtzeitauktionen für Anzeigen zu einem Geschäftsmodell, das für die digitale Werbeindustrie immer wichtiger wird. Gleichzeitig sorgt ein drastischer Kursverfall (-85 Prozent in 18 Monaten) für Spekulation: Verliert hier ein ehemaliger Wachstumsstar dauerhaft an Strahlkraft? Oder winkt eine historische Turnaround-Story?

Trade Desk: Die KI hinter Milliarden-Werbung auf jedem Handy

Wer heute eine Nachrichtenseite öffnet, eine Streamingserie startet oder eine App nutzt, sieht meist Werbung. Was viele nicht wissen: Hinter einer einzigen Anzeige läuft oft innerhalb weniger Millisekunden eine automatisierte Auktion ab. Verschiedene Werbetreibende bieten gleichzeitig auf den verfügbaren Platz, Algorithmen bewerten den Nutzer, dessen Interessen und die Erfolgsaussichten – anschließend gewinnt das höchste beziehungsweise effizienteste Gebot.


Das Geschäftsmodell von Trade Desk: Werbekunden können über die Plattform digitale Werbefläche kaufen und werden an ein offenes Medienökosystem verteilt.


Genau an dieser Stelle setzt The Trade Desk an. Das Unternehmen betreibt eine der weltweit größten unabhängigen Demand-Side-Plattformen (DSP). Vereinfacht gesagt liefert es Werbekunden die technische Infrastruktur, um Werbeflächen automatisiert einzukaufen und mithilfe künstlicher Intelligenz möglichst zielgenau auszusteuern. Die Software entscheidet praktisch in Echtzeit, welche Anzeige welchem Nutzer gezeigt werden soll.

Das ist ein Milliardenmarkt. Rund 65 Prozent aller weltweiten Werbeausgaben entfallen inzwischen auf digitale Kanäle wie Suchmaschinen, Streamingdienste, Apps oder soziale Netzwerke. Gleichzeitig dominieren Plattformen wie Google, Meta, Amazon oder ByteDance große Teile dieses Geschäfts. The Trade Desk positioniert sich bewusst als unabhängige Alternative außerhalb dieser geschlossenen Ökosysteme und arbeitet stattdessen mit Hunderten Medienpartnern zusammen.

Besonders stark wächst dabei das Geschäft rund um Connected TV. Werbung auf Streamingplattformen und Smart-TVs wird zunehmend programmatisch gehandelt. Partner wie Disney, Roku, Spotify oder NBCUniversal nutzen entsprechende Technologien, wodurch The Trade Desk an einem der dynamischsten Segmente des Werbemarktes partizipiert.

Die Werbung von morgen: KI wird für Trade Desk zum Gamechanger

Im Kern verkauft The Trade Desk keine Werbung, sondern bessere Entscheidungen. Je präziser die Algorithmen erkennen, welche Anzeige bei welchem Nutzer funktioniert, desto effizienter werden die Werbebudgets eingesetzt. Deshalb investiert das Unternehmen seit Jahren massiv in KI-Systeme wie Koa und die neue Plattform Kokai, die Gebotsstrategien, Kampagnenplanung und Erfolgsmessung automatisieren.


Eigene KI-Plattform für Werbe-Auktionen, Optimierung von Kampagnen und ein neues Cookie-Format: Trade Desk will das Werbe-Erlebnis für Kunden und Zielgruppen weiter optimieren.


Hinzu kommt die Entwicklung von Unified ID 2.0 (UID2). Während klassische Browser-Cookies zunehmend verschwinden, versucht The Trade Desk einen neuen Identitätsstandard für das offene Internet zu etablieren. Gelingt diese Umstellung, könnte das Unternehmen eine zentrale Rolle in der künftigen digitalen Werbeinfrastruktur einnehmen.

Während viele KI-Unternehmen vor allem Rechenleistung verkaufen, nutzt The Trade Desk künstliche Intelligenz unmittelbar zur Optimierung wirtschaftlicher Entscheidungen. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen davon, dass Werbung immer stärker messbar werden muss. Marken wollen nicht mehr möglichst viele Menschen erreichen, sondern möglichst die richtigen.

Absturz an der Börse – aber operativ weiter profitabel

An der Börse verlief die Entwicklung zuletzt allerdings deutlich schwächer. Nachdem die Aktie Ende 2024 noch bei rund 140 US-Dollar notierte, fiel sie zeitweise auf unter 20 US-Dollar zurück und erreichte damit inmitten der SaaS-Krise Bewertungsniveaus, die zuletzt während des Corona-Crashs 2020 zu sehen waren.

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Parallel dazu kühlte sich das Wachstum spürbar ab. Nach vielen Jahren mit hohen zweistelligen Zuwachsraten rechnen Investoren inzwischen mit deutlich moderateren Steigerungen. Schwächere Prognosen, zunehmender Wettbewerb durch Amazon, Google und Meta sowie Diskussionen um große Agenturpartner belasteten zusätzlich die Stimmung am Markt.


Die Trade-Desk-Aktie hat einen harten Absturz hinter sich. Vor nur 18 Monaten erreichte sie ein Allzeithoch, nun ist sie auf Corona-Niveaus angekommen. 


Mit dem Kursrückgang schrumpfte zugleich die Bewertung erheblich. Während Anleger früher vielfach Bewertungskennzahlen von deutlich über dem 50-fachen Jahresgewinn akzeptierten, wird The Trade Desk heute wesentlich konservativer bewertet. Die frühere Wachstumsprämie ist zu großen Teilen verschwunden, obwohl das Unternehmen weiterhin profitabel arbeitet und hohe Cashflows erwirtschaftet.

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Für langfristig orientierte Anleger entsteht dadurch ein interessantes Spannungsfeld: Operativ bleibt The Trade Desk ein führender Anbieter im Bereich programmatischer Werbung und KI-gestützter Kampagnensteuerung. Gleichzeitig muss das Unternehmen beweisen, dass es sich gegen die immer mächtigeren Werbeplattformen der großen Technologiekonzerne behaupten kann.

Gefallener KI-Star oder unterschätzte Chance?

Trotz der spannenden Marktposition ist The Trade Desk kein Selbstläufer. Das Unternehmen konkurriert mit Schwergewichten wie Google, Meta und Amazon, die ihre eigenen Werbeplattformen kontinuierlich ausbauen und über riesige Mengen an Nutzerdaten verfügen. Gleichzeitig hat sich das Umsatzwachstum zuletzt spürbar verlangsamt, während Streitigkeiten mit großen Werbeagenturen zeitweise die Unsicherheit erhöhten.


Nach ServiceNow rückt auch The Trade Desk ins Tech33-Paket auf. Die erste TTD-Analyse kommt am morgigen Freitag. 


Hinzu kommen regulatorische Veränderungen rund um Datenschutz und das Ende klassischer Cookies, die das Geschäftsmodell zwar langfristig stärken, kurzfristig aber auch Risiken bei der Umsetzung neuer Standards wie Unified ID 2.0 mit sich bringen. Für Anleger bleibt die Aktie damit eine Wette darauf, dass The Trade Desk seine technologische Führungsrolle im offenen Werbeökosystem behaupten kann.

Mit der Aufnahme in unser Tech33-Paket rückt ein Unternehmen in den Fokus, das außerhalb der Tech-Szene oft übersehen wird, obwohl es einen zentralen Teil der digitalen Werbewirtschaft mitgestaltet. Wer an den langfristigen Trend zu KI, datengetriebener Werbung und Streaming glaubt, findet hier einen Spezialisten mit etablierter Marktposition – allerdings auch mit erheblichen Wettbewerbs- und Wachstumsrisiken, die Anleger nicht unterschätzen sollten.

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Simeon Koch

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