Finanzmeteorologie: Geldregen bei Sonnenschein?
#Finanzbildung

Finanzmeteorologie: Geldregen bei Sonnenschein?

Author

Patrick May

Während sich Anleger stets bemühen, die Finanzmärkte mit komplexen Algorithmen und kryptischen Formeln zu entschlüsseln, scheinen Kurse einer anderen, eher ungewöhnlichen Logik zu folgen ­– nämlich der des Wetters. Ja, Sie haben richtig gelesen: Wissenschaftler auf der ganzen Welt haben sich schon vor etlichen Jahren eingehend mit der Korrelation zwischen Wetterphänomenen und Aktienkursen befasst. Das Ergebnis: Es konnte eine positive Korrelation zwischen sonnigem Wetter und Aktienrenditen festgestellt werden. Schieben Sie also Ihre Charts beiseite und öffnen Sie die Wetter-App. Willkommen in der Welt der Finanzmeteorologie!

Bevor wir ins Detail gehen und das Phänomen näher untersuchen, starten wir einmal mit der sogenannten Korrelation. Mit ihr kann man nämlich unter anderem die Beziehung zwischen zwei oder mehreren Vermögenswerten messen und in diesem Kontext untersuchen, wie Finanzinstrumente zueinander agieren. Im Trading ist es essenziell, Korrelationen zu verstehen, weil sie dabei helfen können, das Risiko zu verteilen und bessere Handelsentscheidungen zu treffen. Dargestellt wird jene durch einen Korrelationskoeffizienten, der auf einen Wert zwischen -1 und +1 normiert ist. Ein Wert von +1 bedeutet eine perfekte positive Korrelation (wenn A steigt, steigt auch B) während -1 eine perfekte negative Korrelation bedeutet – wenn A steigt, fällt B. Ein Wert von 0 wiederum bedeutet, dass es keine erkennbare Beziehung zwischen den Bewegungen der Vermögenswerte gibt. Deutlich ausführlicher sind wir dabei im nachfolgenden Artikel geworden: Effizientes Portfolio: Die Korrelation.

Halten wir also fest, dass ein diversifiziertes Portfolio Asset-Allokationen mit unterschiedlichen Korrelationen enthalten sollte, um das Risiko schlank zu halten. Was hat es aber nun mit den wetterfühligen Aktien auf sich?

Aktienrenditen und das Wetter

In einer Studie, die 2003 von David Hirshleifer und Tyler Shumway durchgeführt und im Journal of Finance veröffentlicht wurde, wurde eine positive Korrelation zwischen sonnigem Wetter und Aktienrenditen in 26 verschiedenen Ländern festgestellt. Die Autoren fanden dabei heraus, dass an Tagen mit Sonnenschein die Aktienkurse um durchschnittlich 0.26% höher waren als an bewölkten Tagen. Obwohl dies auf den ersten Blick vielleicht wie eine marginale Veränderung erscheint, kann es auf jährlicher Basis erhebliche Auswirkungen auf das Anlageergebnis haben.

Eine weitere Studie, publiziert von Edward M. Saunders im Jahr 1993, untersuchte die Korrelation zwischen Wetter und Aktienkursen in fünf großen internationalen Aktienmärkten. Diese Studie fand eine signifikante Korrelation zwischen dem Wetter in der Stadt, in der der jeweilige Aktienmarkt ansässig ist, und den Aktienrenditen. An sonnigen Tagen stiegen die Aktienkurse tendenziell stärker als an bewölkten Tagen. Ein Erklärungsansatz für diese Korrelation basiert auf der so bezeichneten Stimmungstheorie, die besagt, dass sonniges Wetter eine positive Stimmung fördert, die sich wiederum auf das Investorenverhalten auswirkt. Sonnenschein kann also das allgemeine Wohlbefinden und somit die Risikobereitschaft erhöhen, was zu erhöhten Investitionen und infolgedessen zu höheren Aktienkursen führen kann.

Nun ist es sicherlich faszinierend, wenn Sonnenschein unsere Aktienkurse aufhellt, aber lassen Sie uns realistisch bleiben. In der Welt der Finanzen ist eine strahlende Sonne nicht immer gleichbedeutend mit finanzieller Sonnenbräune. Unsere Analysen jedoch werden Sie auch durch die bewölktesten Tage führen und Ihnen helfen, den finanziellen Sturm zu überstehen, selbst wenn das Wetter unvorhersehbar bleibt. Also, während Sie den strahlenden Himmel genießen, denken Sie daran: Finanzmeteorologie ist ein nettes Gesprächsthema, aber nichts geht über fundierte, professionelle und präzise Analysen.

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Patrick May

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