Die wichtigsten Erkenntnisse des Artikels auf einen Blick:
Die überraschende Feuerpause zwischen Iran und Israel, verkündet von Donald Trump, hat an den Finanzmärkten für Erleichterung gesorgt. Der Iran hatte zuvor US-Stützpunkte in Katar mit Raketen angegriffen – laut Trump jedoch nur symbolisch und ohne Schäden. Diese kalkulierte Vergeltung erlaubte beiden Seiten einen gesichtswahrenden Rückzug aus der Eskalation. Kurz darauf stiegen Aktien- und Kryptomärkte deutlich, während Rohöl und Gold einbrachen – ein Signal für die Rückkehr in den Risiko-Modus und eine baldige Altcoin-Season? Ob die Rallye anhält, hängt davon ab, ob der vereinbarte Waffenstillstand tatsächlich hält.
Donald Trump ruft Frieden aus
Jetzt soll also Frieden sein zwischen Iran und Israel. Vor wenigen Stunden gab Donald Trump mit dem gewohnten Pathos über seine Social-Media-Plattform Truth Social bekannt: „Es besteht vollkommene Übereinkunft zwischen Israel und Iran, dass in sechs Stunden eine vollständige Waffenruhe eintritt“. Zunächst solle diese Feuerpause zwölf Stunden dauern, danach aber „wird der Krieg beendet sein!“. Noch gestern Abend hatte es nicht ansatzweise nach einer friedlichen Lösung ausgesehen: In einer – wie sich im Nachhinein herausstellte, angekündigten – Vergeltungsaktion beschoss der Iran US-Basen in Katar. Ursprünglich hatte Trump angekündigt, jede Gegenaggression mit weitaus größerer Härte zu beantworten, kurzzeitig also war eine Eskalation zu befürchten. Dass diese Eskalation ausbleiben würde, zeichnete sich dann aber schnell ab. Der Finanzmarkt ahnte das zuallererst.
Warum der iranische Angriff nur Show war
Die Bilanz des iranischen Vergeltungsschlags auf US-Militärstützpunkte in Katar las sich am Ende nicht ansatzweise so verheerend wie anfangs befürchtet. Gegen 18 Uhr deutscher Zeit hatte der Iran Raketen auf den kleinen Golfstaat Katar abgefeuert, wo sich die größte US-Militärbasis der Region befindet. Rund 8000 bis 10 000 US-amerikanische Soldaten sollen dort stationiert sein, im gesamten Nahen Osten sind es rund 30 000. Die Nachricht der iranischen Attacke sorgte für einen Schreckmoment in der internationalen Presse und am Finanzmarkt. Schließlich handelte es sich um den ersten offiziellen Angriff auf US-Einrichtungen in diesem Konflikt – ein möglicher Katalysator für einen voll entfalteten Krieg mit Beteiligung der Vereinigten Staaten.
Bitcoin befindet sich laut unserer Analyse in einer korrektiven Rallye, die sich noch über 120 000 Dollar erstrecken kann. Anschließend droht eine längere Korrektur.
Rasch aber kam Entwarnung: „Der Iran hat auf unsere Zerstörung ihrer nuklearen Anlagen mit einer sehr schwachen Vergeltungsaktion geantwortet, die wir erwartet und effektiv bekämpft haben“, resümierte Donald Trump noch am Abend auf Truth Social. Demnach schoss der Iran „14 Raketen“ auf Katar ab, wovon „13 abgefangen wurden, während eine auf ungefährlichem Gebiet niederging“. Laut Trump wurden „keine Amerikaner verletzt und kaum Schäden angerichtet“. Was zunächst wie eine offene Provokation in Richtung der USA erschien, entpuppte sich schnell als Symbolpolitik seitens der iranischen Staatsspitze: „Ich möchte dem Iran danken, dass sie uns frühzeitig benachrichtigt haben, wodurch keine Leben gefährdet und niemand verletzt wurde.“
Ähnliches Bild bei Ethereum: Die türkise Welle B dürfte sich dem letzten Allzeithoch annähern, vorerst aber nicht darüber ausbrechen.
Auch auf den zweiten Blick zeigte sich, dass die begrenzte iranische Attacke nicht viel mehr war als symbolträchtiges Säbelrasseln. Denn die Anzahl der auf Katar abgefeuerten Raketen kam nicht von ungefähr: Auch die USA hatten am Wochenende exakt 14 bunkerbrechende Bomben auf die iranischen Nuklear-Anlagen abgeworfen, woraufhin das iranische Regime Vergeltung geschworen hatte. Der Angriff auf Katar ermöglichte nun sowohl der iranischen Regierung als auch Trump, den Konflikt ohne Gesichtsverlust beizulegen: Der Iran bekam seinen Gegenschlag und kann nun behaupten, den USA ihre Aggression mit gleicher Münze zurückgezahlt zu haben. Trump profitiert davon, dass durch die Angriffe – auch dank der Vorwarnung durch den Iran selbst – keine US-Bürger zu Schaden kamen und kann nun als Friedensstifter auftreten.
Der Markt hat's gerochen: Gold und Öl fallen
Bemerkenswert war das Verhalten der Finanzmärkte während des iranischen Angriffs auf Katar. Die US-amerikanischen Aktienmärkte zuckten kaum mit der Wimper, Bitcoin stolperte kurz, rappelte sich dann aber rasch wieder auf. Die überraschende Robustheit der Börsen, die – vor allem im Kryptomarkt – von den jüngsten Ereignissen in Nahost teils heftig durchgerüttelt worden waren, lag vor allem an einer kleinen Überraschung im Energiesektor: Kaum wurde die Nachricht vom iranischen Vergeltungsangriff auf US-Basen publik, da setzte der Rohöl-Preis zu einer deutlichen Korrektur an. Mehr als zehn Prozent an Kurswert verlor etwa der Referenzölwert Brent innerhalb weniger Minuten und stürzte damit vorübergehend auf ein niedrigeres Kursniveau als vor der Eskalation im Israel-Iran-Konflikt vor rund zwei Wochen.
Der Goldpreis fiel in den vergangenen Stunden deutlich, sollte vor der nächsten langen Korrektur aber noch ein neues Allzeithoch erreichen.
Kurz zuvor hatte Trump auf Truth Social gefördert: „An alle: Haltet den Ölpreis niedrig, ich beobachte euch! Ihr spielt direkt in die Hände des Feindes. Tut es nicht!“ Diese Intervention aus dem Weißen Haus mag ungewöhnlich gewesen sein, die Ursache für die Korrektur im Rohöl-Markt war sie aber nicht. Vielmehr witterte die Börsenwelt, wie schon Anfang vergangener Woche, eine baldige Regelung des Konflikts.
Dieser Rückschluss mochte angesichts der Vergeltungsschläge des Iran unlogisch wirken, wurde aber bei genauerem Hinsehen rasch plausibel: Nicht nur folgte prompt die Deeskalation durch Trumps Ankündigung einer Waffenruhe, auch machte der iranische Vergeltungsschlag eine Blockade der Straße von Hormus unwahrscheinlicher. Der Iran bekam die symbolische Rache, die er wollte und brauchte deshalb keine weiteren Sanktionen.
Der Rohölpreis der Referenzsorte Brent stürzte gestern schlagarti unter die Unterstützung bei gut 68 Dollar zurück und dürfte mittelfristig weiter fallen.
Mit der scharfen Korrektur der Rohöl-Preise ging in der vergangenen Nacht ein deutlicher Anstieg von Aktien und Kryptowährungen einher. Nach dem zwischenzeitlichen Tief bei gut 5940 Punkten kletterte der US-Leitindex S&P500 wieder über die 6000-Punkte-Marke, Bitcoin schoss nach dem Wochenend-Tief bei rund 98 000 US-Dollar kurzzeitig zurück über 106 000 Dollar. Dass die Angst vor einem voll entfalteten Krieg in Nahost unter aktiver Beteiligung der USA erstmal abgeklungen ist, zeigt auch der Goldpreis: Mehr als zwei Prozent ging es für das Edelmetall über Nacht bergab, der Preis für eine Unze rutschte dabei von knapp 3400 auf nur noch rund 3300 Dollar.
Bitcoin-Korrektur vorbei – oder doch nicht?
Die kleine Rallye bei Bitcoin und Aktien bei gleichzeitiger Korrektur der defensiven Assets Gold und Rohöl signalisiert verhaltenen Optimismus und eine vorsichtige Rückkehr des Marktes in den Risiko-Modus. Die akuten Inflationsängste klingen durch die Korrektur im Energiesektor vorerst wieder ab, volatilere Assets wie etwa Altcoins erleben neuerlichen Aufwind. Ob dieser Trend anhält und die Bitcoin-Korrektur damit abgeschlossen ist, wird in den nächsten Tagen davon abhängigen, ob Israel und Iran ihren Waffenstillstand einhalten und tatsächlich Einigung erlangen.
Hält der Frieden zwischen Iran und Israel? Am Dienstag sah es vorübergehend nicht so aus. Eine weitere Korrektur der US-Märkte (hier der S&P500) ist gut möglich.
Denn wie schnell die aktuell fragile Situation wieder umschlagen kann, zeigte sich bereits kurz nach Trumps Ankündigung einer Waffenruhe. Am Dienstagnachmittag, kurz nachdem die Feuerpause hätte beginnen sollen, wurden neuerliche Luftangriffe zwischen Israel und dem Iran gemeldet. Trump trat im Garten des Weißen Hauses vor die Presse und sagte genervt: "Das sind zwei Staaten, die so lange gekämpft haben, dass sie keine Ahnung mehr haben, was zum Teufel sie da eigentlich tun."
Richtig deutlich wurde Trump bei dieser Gelegenheit erstmals auch in Richtung Israels: "HÖRT AUF, BOMBEN ABZUWERFEN", schrieb Trump in Großbuchstaben auf Truth Social und sprach von einem "groben Verstoß" gegen die Vereinbarung. Friede scheint also alles andere als selbstverständlich in Nahost. Und dennoch: Glaubt man Donald Trump, darf man bei der Lösung des Konflikts auf den Zuspruch des Allmächtigen hoffen: „Gott schütze Israel, Gott schütze Iran, Gott schütze den Mittleren Osten“, hatte er noch kurz zuvor gepostet und gleich noch angefügt: „Gott schütze die USA, Gott schütze die Welt!“ Was soll da noch schiefgehen?




