Fed-Furcht und Trumps Bomben-Witz: „Jetzt hat er völlig den Verstand verloren“
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Fed-Furcht und Trumps Bomben-Witz: „Jetzt hat er völlig den Verstand verloren“

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Trump sorgt mit Aussagen über Angriffe auf US-Städte für Empörung.

  • USA bereiten offenbar neue Angriffe auf iranische Ziele vor.

  • Fed-Minutes zeigen Sorgen über mögliche Turbulenzen am Anleihemarkt.

Guten Morgen!

„Sie können eine ganze Stadt von uns zerstören. Lasst sie Los Angeles oder San Diego zerstören“ – mit diesen Aussagen über mögliche Nuklear-Gefahr aus dem Iran sorgte Donald Trump zu Wochenbeginn auf einer Werbeveranstaltung für die nahenden Midterm-Wahlen für Aufsehen. Die verbale Attacke gegen die beiden größten Städte seines Lieblingsgegners Kalifornien (die beide von den Demokraten regiert werden) ist kein Zufall. Für zusätzliche Unruhe sorgen mögliche neue Angriffspläne auf den Iran und jüngst veröffentlichte Fed-Protokolle: Demnach wappnet sich die US-Notenbank für den absoluten Ernstfall.

Trump schockiert mit Bomben-Witzen – und plant neue Iran-Attacke?

„Jetzt hat er völlig den Verstand verloren“: Mit diesen Worten reagierte Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom am Donnerstagmorgen bei X auf Donald Trumps jüngste Äußerungen zum Iran-Krieg. Der US-Präsident hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung davon gesprochen, Iran könne Los Angeles oder San Diego „ausschalten“. Während Politiker und Bürgermeister die Aussagen scharf verurteilten und das Weiße Haus beteuerte, man werde jede US-Stadt verteidigen, sorgen Berichte über mögliche weitere US-Angriffe auf den Iran für Unruhe an den Märkten.

Kevin Newsom, Gouverneur von Kalifornien und einer von Trumps innenpolitischen Lieblingsgegnern, kritisierte die Bomben-Witze des Präsidenten scharf.

Kevin Newsom, Gouverneur von Kalifornien und einer von Trumps innenpolitischen Lieblingsgegnern, kritisierte die Bomben-Witze des Präsidenten scharf und bezeichnete sie als "verrückt".

Nach Informationen des für gewöhnlich gut informierten US-Mediums Axios wurden die Planstellen des US-Militärs bereits angewiesen, Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen gegen den Iran abzuschließen. Einen konkreten Termin für neue Angriffe gibt es demnach zwar nicht. US-amerikanische und israelische Quellen halten jedoch eine Eskalation noch vor den US-Midterms Anfang November für möglich. Im Raum stehen massive Angriffe auf iranische Energie-, Infrastruktur- und Nuklearziele.

Besonders brisant ist dabei die mögliche Wirkung auf die Energiepreise. Axios zufolge könnte eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen bereits innerhalb der kommenden drei bis vier Wochen erfolgen und damit unmittelbar vor den Midterm-Wahlen liegen. Steigende Ölpreise wären dabei ein zusätzlicher politischer Faktor. Brent-Rohöl hat seit vorgestern bereits rund sieben Prozent zugelegt und kostet knapp 107 Dollar je Barrel. WTI stieg binnen 24 Stunden um 3.5 Prozent auf über 91 Dollar.

Die Märkte reagieren entsprechend nervös. Gleichzeitig mit dem Ölpreisanstieg erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gestern ein neues 24-Jahreshoch. Der US-Dollar-Index DXY hält sich mit 102.3 Punkten ebenfalls auf Jahreshoch. Damit treffen gleich mehrere Belastungsfaktoren aufeinander: Ein neuer Energieschock könnte die Inflation weiter anheizen, während steigende Anleiherenditen und ein starker Dollar die finanziellen Bedingungen für Unternehmen und Anleger verschärfen.

„Marktstörung“: Die Fed wappnet sich für den Schock

Für zusätzlichen Druck sorgen die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle der September-Sitzung der Federal Reserve. Einige Notenbanker hielten es demnach für notwendig, sich auf mögliche Turbulenzen am US-Staatsanleihemarkt vorzubereiten. Sie diskutierten laut den sogenannten Minutes darüber, Strategie, Kommunikation und Instrumente der Fed für den Fall einer „Marktstörung“ zu stärken – gleichzeitig will die Notenbank am Treasury-Markt präsent bleiben, aber nur minimalen Einfluss nehmen.

Hohe Inflation, Anleihezinsen auf 24-Jahreshoch und eine weitere Eskalation im Iran? Der neue Fed-Chef Kevin Warsh steht weiter unter Druck. Bereitet die Notenbank den Ernstfall vor?

Hohe Inflation, Anleihezinsen auf 24-Jahreshoch und eine weitere Eskalation im Iran? Der neue Fed-Chef Kevin Warsh steht weiter unter Druck. Bereitet die Notenbank den Ernstfall vor?

Außerdem will die Fed an einem straffen geldpolitischen Kurs festhalten. Im September hob sie den Leitzins um 0.25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3.75 bis 4.0 Prozent an und stellte in ihren Projektionen eine weitere Anhebung bis Jahresende in Aussicht. Der starke Anstieg der Anleiherenditen wird dabei unter anderem mit der robusten Konjunktur, hohen Investitionen, geopolitischen Risiken und anhaltenden Inflationssorgen erklärt.

Für die Märkte ist das eine unangenehme Kombination. Weiter steigende Ölpreise können den Inflationsdruck erhöhen, während hohe Anleiherenditen die Finanzierungskosten für Unternehmen und Verbraucher nach oben treiben. Gleichzeitig werden US-Staatsanleihen als Anlageklasse attraktiver. Dadurch und durch den weiterhin starken US-Dollar steigt der Druck auf die Börsen, besonders wenn Anleger gleichzeitig eine weitere Zinserhöhung der Fed einpreisen.

Am Finanzmarkt ist dieser Druck allerdings kaum zu spüren. Der Nasdaq-100 liegt am Donnerstagmorgen leicht im Minus bei rund 31 160 Punkten, der S&P 500 hält sich bei etwa 7800 Punkten. Bitcoin korrigiert deutlich in Richtung 82 000 Dollar, nachdem die Kryptowährung zuletzt wiederholt an der Marke von 87 000 Dollar gescheitert war. Ethereum fällt unter 2600 Dollar. Gleichzeitig bleibt der Ölpreis hoch, während Dollar und Anleiherenditen ihre Stärke behaupten – ein Umfeld, das Risikoanlagen derzeit gleich von mehreren Seiten belasten kann.

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Q&A: Iran, Fed und Märkte

Warum reagieren die Ölpreise so stark auf die neuen Iran-Pläne?

Iran ist ein wichtiger Akteur am globalen Energiemarkt. Eine erneute Eskalation könnte die Förderung, den Transport und insbesondere den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigen. Steigende Ölpreise erhöhen wiederum die Kosten für Unternehmen und Verbraucher und können dadurch den Inflationsdruck verstärken.

Warum sind steigende Ölpreise schlecht für Aktien?

Höhere Energiepreise verteuern Produktion, Transport und viele andere Dienstleistungen. Unternehmen müssen dadurch entweder höhere Kosten akzeptieren oder diese an ihre Kunden weitergeben. Gleichzeitig bleibt den Verbrauchern weniger Geld für andere Ausgaben. Steigt der Ölpreis stark genug, kann das deshalb sowohl die Unternehmensgewinne als auch das Wirtschaftswachstum belasten.

Warum sind steigende US-Anleiherenditen ein Problem für Aktien und Bitcoin?

Wenn die Renditen von US-Staatsanleihen steigen, werden sichere Dollar-Anlagen attraktiver. Gleichzeitig verteuern sich Kredite für Unternehmen und Verbraucher. Das kann Investitionen und Konsum bremsen und die Bewertung von Aktien belasten. Bitcoin und andere Kryptowährungen leiden häufig zusätzlich, wenn Anleger angesichts höherer Renditen weniger Risiko eingehen wollen.

Was bedeutet es, wenn die Fed von möglichen „Marktstörungen“ spricht?

Die Fed meint damit mögliche Situationen, in denen der Handel am US-Staatsanleihemarkt nicht mehr reibungslos funktioniert. Die Minutes zeigen, dass einige Notenbanker für einen solchen Fall Strategien und Instrumente vorbereiten wollen. Das bedeutet nicht, dass aktuell eine schwere Krise am Anleihemarkt besteht – es zeigt aber, dass die starken Bewegungen bei den Renditen aufmerksam beobachtet werden.

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Simeon Koch

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