Die Europäische Kommission hat am Dienstag endgültige Zölle auf importierte, in China hergestellte Elektrofahrzeuge vorgelegt. Dies ist das Resultat der abschließenden Prüfung, die Anfang Juli erstmals angekündigte Zölle untersucht hat. Die Kommission wirft der chinesischen Regierung vor, durch übermäßige Subventionen unfaire Marktanteile im E-Mobilitätssektor zu erlangen und beabsichtigt mit den Zöllen, unlauteren Wettbewerb und Marktverzerrungen zu verhindern. Chinesische E-Autos sind in der Regel 20 Prozent günstiger als europäische Modelle, was in den letzten Jahren zu einem signifikanten Anstieg ihres Marktanteils führte. Die neuen Zölle, die zusätzlich zu den bereits bestehenden 10 Prozent auf Autoimporte erhoben werden, könnten laut der gestrigen Mitteilung der Kommission bereits Ende Oktober in Kraft treten und für fünf Jahre gelten. Die Höhe der Zölle variiert je nach Hersteller und reicht bis zu 36.3 Prozent. Dabei spielte die Kooperation der Unternehmen während der Untersuchung eine entscheidende Rolle. Tesla, das am unteren Ende der Skala liegt, wird nur mit etwa neun Prozent zusätzlich belastet.
Hohe Zölle für BYD, Geely und SAIC
Die EU hat für den chinesischen Hersteller BYD einen endgültigen Zollsatz von 17 Prozent, für Geely 19.3 Prozent und für SAIC den Höchstsatz von 36.3 Prozent festgelegt – etwas weniger als ursprünglich geplant, aber immer noch am oberen Ende der Spanne. BYD, das aktuell mit Tesla um die Marktführerschaft bei E-Autos konkurriert, dürfte diese Zölle verkraften, da die Produktionskosten in China weit unter den Preisen in Europa liegen. Gregor Sebastian, Senior Analyst bei der Rhodium Group, schätzt, dass BYD sogar einen zusätzlichen Zoll von bis zu 45 Prozent kompensieren könnte. Geely, der Mutterkonzern vom schwedischen Hersteller Volvo, produziert unter anderem die elektrischen Smart-Modelle #1 und #3 sowie den Volvo EX30. SAIC hingegen stellt den in Deutschland beliebten MG4 her, der im Mai knapp hinter dem VW ID.3 auf Platz zwei der Zulassungsstatistik lag. Dieser könnte nun durch den von der EU-Kommission verhängten Höchstzoll, der aufgrund von Nicht-Kooperation begründet wurde, deutlich teurer werden. „SAIC ist wirklich in Schwierigkeiten,“ kommentiert Sebastian.
Tesla kommt glimpflich davon
Tesla wird von den neuen EU-Zöllen am wenigsten betroffen sein. Die EU-Kommission hat einen ermäßigten Zollsatz von 9 Prozent für Tesla festgelegt, der unter den ursprünglich im Juli angekündigten 20.8 Prozent liegt. Tesla hatte eine Neubewertung seines Satzes beantragt, die auf den spezifischen Subventionen basierte, die das Unternehmen erhalten hat. Im Rahmen einer umfassenden Untersuchung, die auch eine Überprüfung der Subventionen vor Ort in Teslas chinesischen Fabriken umfasste, kam die Kommission zu dem Schluss, dass Tesla weniger Unterstützung aus China erhält als andere chinesische E-Auto-Hersteller. Gregor Sebastian von der Rhodium Group äußerte sich überrascht über den niedrigen Zusatzzoll von nur 9 Prozent. Er verwies auf die Darlehen der lokalen Regierung in Shanghai und die subventionierten Batterien des chinesischen Herstellers CATL, die Tesla erhalten hat. „Es ist jedoch schwierig, die Entscheidung ohne vollständige Kenntnis aller Daten und Methoden der Kommission zu bewerten“, so Sebastian. Auch wenn die zusätzlichen Zölle für Tesla „immer noch negativ“ sind, könnten sie dem Unternehmen im Vergleich zu seinem größten europäischen Konkurrenten, SAIC, „etwas Luft verschaffen“, erklärte er gegenüber CNN.
Die geplanten Strafzölle der EU-Kommission
Strafzölle der EU-Kommission auf Elektroauto-Importe aus China nach Herstellern
Zweifellos werden die neuen Strafzölle die Preise der chinesischen Hersteller und damit die Marktdynamik auf dem europäischen E-Automarkt beeinflussen. Wie genau, bleibt jedoch zunächst abzuwarten. Wir analysieren die Tesla-Aktie in unserem TECH33-Paket und die Aktien von Geely und BYD in unserem China-Titans-Paket.




