Das Wichtigste auf einen Blick
Die SEC hat generische Listing-Standards für Krypto-ETFs genehmigt, wodurch der bisherige 240-Tage-Prüfungsprozess auf 75 Tage verkürzt wird. ETFs, deren Token mindestens sechs Monate auf einem regulierten Futures-Markt gehandelt werden, können nun schneller starten. Erste Produkte sind der Grayscale Digital Large Cap Fund und ein Dogecoin-ETF, weitere zehn Token sollen folgen. Experten erwarten über 100 neue Krypto-ETFs innerhalb der nächsten zwölf Monate. Vorteile liegen in schnellerem Marktzugang, größerer Produktvielfalt und höherer Innovationskraft. Kritiker warnen vor unzureichender Aufsicht und Risiken für Anleger.
SEC öffnet Tore für Altcoin-ETFs
Die US-Börsenaufsicht SEC hat einen wichtigen Schritt für den Markt digitaler Vermögenswerte vollzogen: Am Mittwoch genehmigte die Kommission die generischen Listing-Standards für sogenannte Commodity-Based Exchange-Traded Products (ETPs), darunter Krypto-ETFs, die Spot-Assets abbilden. Damit entfällt für neue Produkte die bisher notwendige und langwierige Einzelprüfung nach Section 19(b) des Securities Exchange Act. SEC-Vorsitzender Paul Atkins erklärte: „Durch die Genehmigung dieser generischen Listing-Standards stellen wir sicher, dass unsere Kapitalmärkte der beste Ort der Welt bleiben, um die Spitzeninnovation im Bereich digitaler Vermögenswerte zu betreiben.“ Die Entscheidung ermöglicht den Börsen NYSE, Nasdaq und Cboe BZX, Krypto-ETFs deutlich schneller auf den Markt zu bringen.
„Die Tore sind geöffnet“ – der neue Weg für Krypto-ETFs
Bisher mussten Spot-Krypto-ETFs für jede Listung mehrere Genehmigungsstufen durchlaufen, einschließlich einer bis zu 240 Tage dauernden Prüfung durch die SEC, die auch Bitcoin und Ethereum vor der jeweiligen ETF-Zulassung durchliefen. Mit den neuen generischen Standards kann die Genehmigung innerhalb von nur 75 Tagen erfolgen. Das gilt für Produkte, deren zugrunde liegender Token über einen Futures-Markt auf einer regulierten Börse, etwa Coinbase, mindestens sechs Monate gehandelt wird.
Futures-ETFs bilden die Preisentwicklung eines Krypto-Tokens über standardisierte Terminkontrakte ab, ohne dass der Fonds die Kryptowährung direkt halten muss. Im Gegensatz dazu halten Spot-ETFs die zugrunde liegenden Coins physisch, was zu stärkerer Nachfrage an den Spot-Märkten führt. Zu den ersten Produkten, die unter den neuen Regeln starten könnten, gehört der Grayscale Digital Large Cap Fund (GLDC), ein Multi-Krypto-ETF mit Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana und Cardano. Ein Dogecoin-ETF soll unmittelbar folgen. Laut Galaxy erfüllen derzeit zehn Token die Kriterien für eine schnelle Listung: Bitcoin, Dogecoin, Solana, Litecoin, Chainlink, Stellar, Avalanche, Shiba Inu, Polkadot und Hedera, bald sollen auch ADA und XRP folgen.
„Ende einer Ära“ – Historische Bedeutung der SEC-Entscheidung
Die generischen Listing-Standards gelten als Wendepunkt für Krypto-Investments in den USA. Jake Chervinsky vom Variant Fund schrieb in einem Statement: „Ein riesiger Schritt“ und „Ende einer Ära, in der die SEC angeblich Investoren schützte, indem sie ihnen den Zugang zu Produkten verweigerte, die sie auf den bevorzugten Handelsplätzen wollten.“ Analysten erwarten eine Welle neuer Krypto-ETFs in den kommenden Wochen und Monaten. Der renommierte ETF-Analyst Eric Balchunas von Bloomberg prognostiziert: „Es besteht eine gute Chance, dass in den nächsten zwölf Monaten mehr als 100 Krypto-ETFs gestartet werden.“
Bitwise-CIO Matt Hougan erinnerte darüber hinaus an die historische Wirkung ähnlicher Standards bei traditionellen ETFs: „Die Zahl der ETF-Starts stieg von etwa 117 pro Jahr auf 370 pro Jahr.“ Wenig überraschend unterstützt auch die Trump-Regierung die Initiative, nachdem die SEC unter Präsident Biden bisher eher vorsichtig mit Krypto-Produkten umging. SEC-Chef Atkins betonte: „Diese Genehmigung hilft, die Wahlmöglichkeiten der Investoren zu maximieren und Innovation zu fördern, indem der Listungsprozess vereinfacht wird.“ Die neuen Regeln schaffen klare Rahmenbedingungen, erhöhen Vorhersehbarkeit und senken regulatorische Hürden für Fondsanbieter.
Chancen und Bedenken: Innovation trifft Vorsicht
Nicht alle Stimmen sind euphorisch: SEC-Kommissarin Caroline Crenshaw, die einzige Demokratin in der Kommission, warnte: „Die Kommission schiebt die Verantwortung ab, diese Vorschläge zu prüfen und die erforderlichen Feststellungen zum Anlegerschutz zu treffen, zugunsten der schnellen Markteinführung dieser neuen und möglicherweise unerprobten Produkte.“ Sie betonte, dass ETPs weniger Aufsicht als klassische ETFs genießen und die Produkte daher risikoreicher sein könnten. Außerdem könnten die Begriffe ETP versus ETF bei Anlegern Verwirrung stiften.
Für Investoren bedeutet die Entscheidung vor allem eventuellen Zugang zu einer Vielzahl neuer Krypto-Produkte, die bisher nicht in regulierten Vehikeln erhältlich waren. Themen- und Multi-Asset-ETFs, etwa unter dem Schlagwort Tokenisierung, könnten ein neues Marktsegment eröffnen. Teddy Fusaro von Bitwise Asset Management bezeichnete den Schritt als „einen Wendepunkt in Amerikas regulatorischem Ansatz für digitale Vermögenswerte.“ Steve McClurg, CEO von Canary Capital, warnte jedoch: „Die Tore sind geöffnet, aber es gibt noch viel zu tun. Marketingpläne, rechtliche Unterlagen und die Zusammenarbeit mit Dienstleistern müssen noch umgesetzt werden, basierend auf dem neuen Fahrplan.“
FAQ
Was ist die Abkürzung SEC?
SEC steht für Securities and Exchange Commission, die US-Börsenaufsicht. Sie ist für die Regulierung der Wertpapiermärkte in den USA zuständig und überwacht unter anderem Aktien, Fonds und neuerdings auch Krypto-ETFs.
Was ist die SEC in Deutschland?
Eine direkte Entsprechung zur SEC gibt es in Deutschland nicht. Am ehesten vergleichbar sind die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und teilweise die Deutsche Börse, die für Regulierung, Marktaufsicht und Handel zuständig sind.
Was ist SEC in den USA?
Die SEC ist die wichtigste Finanzaufsichtsbehörde der Vereinigten Staaten. Sie schützt Investoren, sorgt für faire Märkte und gibt Regeln vor, nach denen neue Finanzprodukte – von klassischen Aktienfonds bis zu Krypto-ETFs – eingeführt werden dürfen.
Welche Krypto-ETFs gibt es?
Die ersten Krypto-ETFs in den USA bildeten Bitcoin und Ethereum ab. Mit den neuen Regeln kommen jetzt weitere Fonds hinzu, etwa der Grayscale Digital Large Cap Fund (GLDC) oder ETFs auf Dogecoin, Solana und XRP.
Welche Coin-ETFs gibt es?
Coin-ETFs sind Fonds, die sich auf einzelne Kryptowährungen spezialisieren. Neben Bitcoin- und Ethereum-ETFs entstehen nun auch Produkte auf populäre Altcoins wie Cardano, Polkadot, Avalanche oder Shiba Inu.
Was ist ein Altcoin?
Als Altcoin werden alle Kryptowährungen bezeichnet, die nicht Bitcoin sind. Dazu gehören große Projekte wie Ethereum, Solana oder XRP, aber auch kleinere Token wie Dogecoin oder Shiba Inu.




