Erster Audi ohne Ringe: China-Hype dank Billig-Preis
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Erster Audi ohne Ringe: China-Hype dank Billig-Preis

Author

Carlo Schmid

Die wichtigsten Punkte

Audi bringt in China ein völlig neues Elektroauto auf den Markt, den E5 Sportback. Er wird unter dem Label AUDI verkauft, allerdings ohne die bekannten vier Ringe am Kühlergrill. Der Wagen startet zu einem überraschend niedrigen Einstiegspreis von umgerechnet 28 000 Euro. Technisch bietet er eine Reichweite von bis zu 773 Kilometern (nach dem in China üblichen CLTC-Messverfahren), eine Ladegeschwindigkeit von 370 Kilometern in 10 Minuten und eine Leistung von bis zu 579 Kilowatt. Gefertigt wird der Wagen in einem Werk in Shanghai, gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC. Schon kurz nach dem Vorverkaufsstart brach ein regelrechter Ansturm los: Innerhalb von 30 Minuten gingen mehr als 10 000 Reservierungen ein.

Warum Audi in China ein neues Label ohne Ringe startet

Audi kämpft seit Jahren damit, in China mit seiner E-Auto-Strategie an Fahrt zu gewinnen. Der Markt ist hart umkämpft, lokale Hersteller wie BYD oder Nio dominieren die Schlagzeilen, und die Preise sind sehr wettbewerbsorientiert. Um hier wieder attraktiver zu werden, hat Audi ein neues Label gegründet: AUDI (in Versalien). Bewusst verzichtet die Marke auf das klassische Logo mit den vier Ringen. Damit will man sich moderner und eigenständiger präsentieren und gezielt jüngere Käufer ansprechen, die weniger Wert auf Tradition, dafür aber umso mehr auf Preis und Technik legen.

Preis-Schock: Einstieg bei rund 28.000 Euro

Der Einstiegspreis des E5 Sportback liegt bei umgerechnet etwa 28 000 Euro. Zum Vergleich: In Europa sind vergleichbare Elektroautos von Audi deutlich teurer. Dieser Preis soll sicherstellen, dass Audi im preissensiblen Massenmarkt Chinas bestehen kann. Möglich wurde dieser Kampfpreis, weil Audi die Entwicklungszeit und die Kosten für das Projekt laut eigenen Angaben um 30 Prozent gesenkt hat. Dabei spielte die enge Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller SAIC eine entscheidende Rolle. Für viele Beobachter ist das ein klares Signal: Audi will nicht mehr nur im Premium-Segment auftreten, sondern auch breite Käuferschichten erreichen.

Technik im Detail: Plattform, Reichweite, Laden

Unter der Haube steckt moderne Technik. Der E5 basiert auf einer neuen Plattform namens Advanced Digitized Platform (ADP), die zusammen mit SAIC entwickelt wurde. Diese Architektur erlaubt regelmäßige Software-Updates, ähnlich wie man es vom Smartphone kennt. Käufer können zwischen Varianten mit Heck- oder Allradantrieb wählen, die eine Leistung von 220 bis 579 Kilowatt bieten. Das ist mehr als bei vielen Sportwagen mit Verbrennungsmotor. Bei der Batterie gibt es drei Größen: 76, 83 und 100 Kilowattstunden. Je nach Modell reicht die Reichweite damit bis zu 773 Kilometer – wobei dieser Wert nach dem chinesischen CLTC-Standard ermittelt wird, der meist höhere Werte ausweist als die in Europa üblichen WLTP-Angaben. Besonders eindrucksvoll ist das Schnellladen: Dank der 800-Volt-Technik lassen sich in nur 10 Minuten bis zu 370 Kilometer Reichweite nachladen.

Digital-Features nach China-Geschmack

Auch bei der Innenausstattung hat Audi stark auf die Wünsche chinesischer Kunden geachtet. Im Mittelpunkt stehen riesige Displays. Bis zu 59 Zoll Bildschirmfläche ziehen sich über die gesamte Armaturentafel. Ein 27-Zoll-Display dient dabei als Hauptanzeige. Gesteuert wird das Ganze über ein neues Betriebssystem, das den Namen AUDI OS trägt. Es läuft auf einem besonders leistungsstarken Chip von Qualcomm, dem Snapdragon 8295. Zusätzlich gibt es einen digitalen Assistenten, der per Sprache gesteuert werden kann und mithilfe von künstlicher Intelligenz Befehle versteht. Auch optische Spielereien fehlen nicht: Die Scheinwerfer können kleine Lichtshows abspielen, und statt klassischer Außenspiegel gibt es Kameras. Für die Sicherheit sind 29 Sensoren an Bord, darunter ein Lidar-Sensor, der die Umgebung in 3D scannen kann und so autonomes Fahren erleichtert.

Produktion, Marktstart und erster Andrang

Gefertigt wird der E5 im SAIC-VW-Werk Anting in Shanghai. Der offizielle Marktstart ist für September 2025 angekündigt. Dass das Auto großes Interesse weckt, zeigte sich bereits beim Vorverkaufsstart: Innerhalb einer halben Stunde wurden über 10 000 Bestellungen registriert. Ein Nutzer auf der Plattform Weibo nannte sogar die genaue Zahl von 10 153 Reservierungen. Damit hat Audi in China anscheinend einen Nerv getroffen.

Nur für China und was als Nächstes kommt

Europäische Kunden müssen sich allerdings keine Hoffnung machen: Der E5 Sportback ist ausschließlich für den chinesischen Markt gedacht. Audi hat nach Berichten bereits zwei weitere Modelle unter dem neuen Label geplant, die ebenfalls in China gebaut werden sollen. In dem Werk in Anting sind dafür Kapazitäten von bis zu 360 000 Fahrzeugen pro Jahr vorgesehen. Audi will damit seine Präsenz in China deutlich ausbauen und verlorenen Boden gegenüber den starken lokalen Marken zurückgewinnen.

Einordnung: China-Hype vs. Europa-Flaute

Während Audi in China auf Expansion setzt, läuft es in Europa deutlich schwieriger. Der Mutterkonzern Volkswagen musste zuletzt sogar Teile der Produktion seiner Elektroautos zurückfahren. In Zwickau wurde die Fertigung des Audi Q4 e-tron pausiert, im Werk Emden wurden die Schichten beim VW ID.7 reduziert. Grund sind schwächere Verkaufszahlen und hohe Kosten. Auch politische Faktoren spielen eine Rolle, etwa die angekündigten US-Zölle auf europäische Elektroautos. Das verdeutlicht, wie unterschiedlich die Strategien ausfallen: Während in Europa gebremst wird, versucht Audi in China mit einem neuen Ansatz, das Wachstum wieder anzukurbeln.

Design: Bekannte Gene, neue Akzente

Optisch bleibt der E5 Sportback den sportlichen Linien treu, die man von Audi kennt. Gleichzeitig setzt er neue Akzente, die den chinesischen Geschmack treffen sollen. Dazu gehören auffällige Lichtsignaturen, die animiert dargestellt werden können, sowie der Verzicht auf klassische Außenspiegel zugunsten von Kameras. Fahrwerks-Extras wie eine Luftfederung und eine Allradlenkung sollen außerdem den Fahrkomfort erhöhen und das Handling verbessern. Damit versucht Audi laut eigenen Angaben, sowohl technisch als auch optisch ein Gesamtpaket zu schnüren, das sich von den zahlreichen Konkurrenzmodellen abhebt.

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Carlo Schmid

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