Der Erdgaspreis lässt nicht locker. Trotz einer doch schon signifikanten Korrektur in diesem Markt, kommt der Kurs nun wieder langsam, aber sicher, zu seiner alten bullischen Stärke und konnte gerade in den letzten Tagen signifikante Anstiege verbuchen. Weiterhin ist die internationale Staatengemeinde davon überzeugt, sich vom russischen Gas unabhängig zu machen. Dabei suchen Staaten nach Alternativen. Neben Qatar, wo das weltgrößte Gasfeld ausgebaut wird, ist auch Aserbaidschan für sein Gas bekannt und somit auch ein attraktiver Geschäftspartner. Das hat die EU erkannt und nun ein Kooperationsabkommen mit Aserbaidschan abgeschlossen.
An der Westküste des kaspischen Meeres bietet die Lage von Aserbaidschan nicht nur schöne Landschaften und eine einzigartige Kultur, sondern ist auch auf Platz 25 mit den größten Erdgasreserven. Für seine Größe ist das durchaus beachtlich und auch eines der Standbeine der Azeri-Wirtschaft. Politisch ist das Land stabil und entwickelt sich nach einer in 2014 begonnenen Rezession wieder sehr gut. Bis auf seinen Konflikt mit Armenien konnte Aserbaidschan gerade mit seiner Lage zwischen Russland und dem Iran eine außenpolitische Balance halten, die aber nicht die Beziehungen zu Europa und den USA belastet hat. Von den Rahmenbedingungen her eignet sich dieses Land also für eine langfristige Kooperation.
Die EU hat gestern eine solche Kooperation mit Aserbaidschan unterzeichnet. Dabei sollen die jährlichen Liefermengen von Erdgas an die EU von rund 8 Milliarden Kubikmetern auf 20 Milliarden Kubikmeter im Jahre 2027 erhöht werden. Bereits nächstes Jahr soll die Liefermenge auf 12 Milliarden Kubikmeter ansteigen. Das Gas kommt quer durch die Türkei in der Transadriatischen Pipeline bis nach Griechenland, von wo es dann über Albanien nach Italien verteilt wird. Damit erhofft man sich, dass das Energieportfolio der EU breiter aufgestellt ist. Zwar ist das schon ein weit entfernter Partner, aber damit wird sich die EU wohl zufriedengeben müssen.
Von Aserbaidschan aus soll das Erdgas über die Türkei, Griechenland und Albanien nach Italien transportiert werden.
Das Land, welches direkt in der Nachbarschaft ist, nämlich Norwegen, wird den Erdgasbedarf Europas nicht decken können. Somit muss nach neuen Partnern gesucht werden, wenn man sich von Russland entfernen möchte. Auch Libyen und Qatar sind nicht gerade um die Ecke, auch wenn zwischen Libyen und Italien „nur“ das Mittelmeer liegt, so wird Libyen immer noch von politischen Unruhen verfolgt und hat im Vergleich ohnehin weniger Reserven als die anderen beiden Länder.
Was aber die europäischen Staaten wissen, wissen auch andere Staaten, die ebenfalls auf verlässliche Partner, wie Aserbaidschan oder Qatar, setzen dürften. Mit der Nachfrage könnten auch mittelfristig die Preise in diesen Ländern ansteigen.




