Chinesische Technologiegiganten wie Huawei und Baidu sowie zahlreiche Start-ups haben in den letzten Monaten ihre Bestände an Samsung-Halbleitern mit hoher Bandbreite (engl.: High Bandwidth Memory; kurz: HBM) stark erhöht. Diese Maßnahmen erfolgen in Erwartung neuer Exportbeschränkungen aus den USA. Laut Informationen von Reuters haben die Unternehmen ihre Einkäufe der Technologie seit Anfang des Jahres massiv ausgeweitet. Im ersten Halbjahr 2024 entfielen rund 30 Prozent des Umsatzes von Samsungs HBM-Chips auf China. Samsungs Speicherverkäufe legten im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 142 Prozent auf 21.7 Billionen KRW (etwa $15.8 Milliarden) zu. Diese Entwicklungen spiegeln die Bemühungen der chinesischen Unternehmen wider, ihre technologischen Ambitionen trotz wachsender Handelsspannungen mit den USA und anderen westlichen Ländern aufrechtzuerhalten. Die nordamerikanischen Behörden planen, noch in diesem Monat ein neues Exportkontrollpaket vorzulegen, das strengere Beschränkungen für die Lieferungen an die chinesische Halbleiterindustrie vorsieht. Das Paket soll offenbar Parameter zur Beschränkung des Zugriffs auf Speicherchips mit hoher Bandbreite enthalten, die insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz eine Schlüsselrolle spielen.
Es ist schwierig, präzise Zahlen oder Werte der in China gelagerten HBM-Chips zu bestimmen, doch die Nachfrage ist enorm. Sowohl Satellitenhersteller als auch große Technologieunternehmen wie Tencent haben diese Chips in großem Umfang erworben, wie die Quellen Reuters mitteilen. Huawei setzt Samsungs HBM2E-Halbleiter für die Produktion seiner fortschrittlichen Ascend AI-Chips ein. Und auch chinesische Start-ups wie der Chipdesigner Haawking haben kürzlich HBM-Chips bei Samsung bestellt. HBM-Chips sind hochspezialisierte Speicherbausteine, die sich durch ihre außergewöhnlich hohe Datenübertragungsrate auszeichnen. Ihre stapelbare Architektur ermöglicht eine direkte Montage auf Prozessoren und reduziert die Datenübertragungswege erheblich. Dies optimiert die Datenflüsse und ermöglicht einen extrem schnellen Zugriff auf große Datenmengen. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig für leistungsintensive Anwendungen wie Künstliche Intelligenz und Grafikverarbeitung, bei denen eine schnelle und effiziente Datenverarbeitung entscheidend ist. Die global führenden Hersteller von HBM-Chips sind Micron, Samsung und SK Hynix.
USA planen verschärfte Exportkontrollen
Das nordamerikanische Handelsministerium kündigte letzte Woche an, im August ein neues Exportkontrollpaket vorzulegen, das strengere Beschränkungen für Lieferungen an die chinesische Halbleiterindustrie enthalten wird. „Wir passen unsere Exportkontrollen kontinuierlich an die sich verändernde Bedrohungslage an, um die nationale Sicherheit der USA zu schützen und unser technologisches Ökosystem zu sichern“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Wir bleiben entschlossen, eng mit unseren Verbündeten zusammenzuarbeiten, die unsere Werte teilen.“ Diese Ankündigung folgt bereits bestehenden Maßnahmen. Seit zwei Jahren befinden sich die USA und China in einem regelrechten Chip-Krieg, der durch die zunehmende Bedeutung Künstlicher Intelligenz weiter verschärft wurde. Um technologische Fortschritte im Supercomputing und der Künstlichen Intelligenz in China zu verhindern, die potenziell dem chinesischen Militär zugutekommen könnten, haben die USA seit 2022 Exportkontrollen für fortschrittliche Chips und Herstellungsausrüstung eingeführt, wovon Unternehmen wie Nvidia und Lam Research betroffen sind. Das kommende Paket wird voraussichtlich auch HBM-Chips gezielt ins Visier nehmen. Die anstehenden Sanktionen verdeutlichen, warum die Nachfrage nach Samsungs HBM-Chips in China so stark angestiegen ist.
Warum Samsung?
„Da die einheimische Technologieentwicklung in China noch nicht vollständig ausgereift ist, ist die Nachfrage nach Samsungs HBM-Chips besonders hoch“, sagt Nori Chiou, Investment Director bei White Oak Capital Partners in Singapur. „Die Kapazitäten anderer Anbieter sind bereits durch amerikanische KI-Unternehmen ausgelastet.“ SK Hynix kündigte Anfang des Jahres an, seine Produktion auf HBM3E auszudehnen. Allerdings sind die HBM-Chips dieses Herstellers für das laufende Jahr und auch für das Jahr 2025 fast vollständig ausverkauft. Das nordamerikanische Unternehmen Micron hat aufgrund geopolitischer Risiken seine HBM-Produkte seit dem letzten Jahr nicht mehr nach China verkauft. Vor diesem Hintergrund sind chinesische Unternehmen auf HBM-Chips von Samsung angewiesen. Während Unternehmen wie Huawei und CXMT Fortschritte bei der Entwicklung eigener HBM-Chips erzielt haben, bleiben ihre Produkte leistungsmäßig bislang noch hinter der internationalen Konkurrenz zurück. Momentan konzentrieren sich diese Firmen auf HBM2-Modelle, die technologisch drei Generationen hinter dem neuesten HBM3E-Modell von Samsung zurückliegen.
Die Einzelheiten der geplanten HBM-Beschränkungen und ihre Auswirkungen auf China sind noch nicht bekannt. Wir analysieren übrigens Tencent, Baidu und achtzehn weitere ausgewählte chinesische Spitzenunternehmen im Rahmen unseres China Titans-Pakets, nordamerikanische Chip-Unternehmen wie Nvidia und Lam Research finden sich in unserem TECH33-Paket wieder.



