Dieses Mal ist alles anders? Warum sich Zyklen immer wiederholen
#Finanzbildung

Dieses Mal ist alles anders? Warum sich Zyklen immer wiederholen

Author

Simeon Koch

Finanzmärkte – egal ob Aktien oder Kryptowährungen – spiegeln menschliche Emotionen wider. Angst und Gier beeinflussen Entscheidungen der Anleger und prägen die Preisentwicklung. In Bullenmärkten entsteht die Illusion, dass der Markt endlos steigt, was unerfahrene Anleger anlockt und die Kurse weiter antreibt. Doch wenn der Markt fällt, schlägt Euphorie abrupt in Panik um, und viele verkaufen aus Angst vor Verlusten.

Diese emotionalen Extreme – Euphorie und Panik – sind typisch für Marktzyklen und führen dazu, dass Boom- und Crash-Phasen sich wiederholen. Warum machen wir immer wieder dieselben Fehler? Der Grund: Die Masse verhält sich in Zyklen stets gleich. Wer sich jedoch von dieser Dynamik befreien will, muss vier grundlegende psychologische Mechanismen verstehen. Denn unsere Psyche steht oft dem langfristigen Vermögensaufbau im Weg.

1. Der Herdentrieb: Warum alle dasselbe tun

Warum schwimmen Fische im Schwarm? Weil Raubtiere dadurch verwirrt werden und das Überleben des Einzelnen wahrscheinlicher wird. Auch Menschen folgen seit jeher Gruppen, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen – früher sicherte gemeinsames Handeln das Überleben in der Wildnis. Obwohl sich die Welt weiterentwickelt hat, reagiert unser Gehirn in unsicheren Situationen immer noch nach diesem Muster.

Der Wallstreet Cheat Sheet illustriert die unterschiedlichen Marktphasen anhand der zugehörigen Emotionen. Letztlich bewegen sich die Märkte in Wellen (rechts oben).

In Finanzmärkten führt dieser Herdentrieb dazu, dass Anleger blind den Entscheidungen der Masse folgen – ob beim Kauf während eines Hypes oder beim panischen Verkauf im Crash. Diese kollektiven Handlungen verstärken Kursbewegungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Recency Bias: Menschen bewerten jüngste Ereignisse stärker als vergangene. Nach einem Crash wird das Potenzial eines Investments unterschätzt, während in Boom-Phasen die Risiken ignoriert werden.

Das lässt sich kaum abtrainieren und wird erst mit wachsender Erfahrung schwächer. Langjährige Anleger sind ebenfalls anfällig für den Recency Bias, da neue Emotionen ihre Urteilsfähigkeit beeinflussen. Auch institutionelle Investoren unterliegen diesem Mechanismus, da sie oft unter kurzfristigem Erfolgsdruck stehen. So bleibt jeder Marktzyklus eine Mischung aus alten Fehlern und neuen Illusionen.

2. Verlustaversion: Warum wir im Minus schwach werden

Im Kryptomarkt nennt man Anleger, die bei den ersten Anzeichen von Turbulenzen verkaufen, „Weak Hands“. Sie haben nicht den Mut, in schwierigen Phasen an ihren Positionen festzuhalten und verpassen langfristig Chancen. Dieses Verhalten erklärt sich durch Verlustaversion: Verluste werden psychologisch stärker empfunden als gleich hohe Gewinne.

Große Investoren orientieren sich an den Marktemotionen: Smart Money und Institutionelle steigen früh ein, Retail-Investoren meistens erst nahe dem Top.

Deshalb verkaufen viele Anleger in Bärenmärkten ihre Positionen, um weiteren Schmerz zu vermeiden, obwohl es rationaler wäre, geduldig zu bleiben. Dieser Mechanismus erklärt, warum die anhaltenden Abverkäufe im Kryptomarkt emotional schwerer wiegen als kurze Erholungsphasen. Das beste Beispiel haben wir im vergangenen halben Jahr erlebt: Bitcoin lief monatelang seitwärts, die Altcoins bluteten aus und Kleinanleger flohen in Scharen aus dem Markt.

Marktteilnehmer, die gegen den emotionalen Trend handeln, können jedoch profitieren. Panikverkäufe und Unterbewertungen bieten optimale Einstiegsmöglichkeiten. Der Unterschied zwischen Preis und Wert ist hier entscheidend: Ein stark gefallener Preis spiegelt nicht immer den tatsächlichen Wert wider. Paradoxerweise ist die Masse umso euphorischer, je stärker überbewertet ein Asset ist. Wer in der Panik kauft und in der Euphorie verkauft, kann langfristig Gewinne erzielen.

3. Kurzzeitgedächtnis: Warum wir Fehler wiederholen

Warum wiederholt Bitcoin alle vier Jahre seine Zyklen und überrascht damit unerfahrene Anleger? Der wichtigste Grund ist, dass wir kurzfristig stärker auf unsere Emotionen vertrauen als auf Erinnerungen. Nach einem Crash verhalten sich viele zunächst vorsichtig, doch sobald sich die Märkte erholen, kehrt das Vertrauen zurück. Über die Zeit verblassen negative Erfahrungen, und die Risikobereitschaft steigt wieder.

Dies führt regelmäßig zu neuen Spekulationsblasen, die irgendwann platzen. Ein Beispiel ist der Dotcom-Crash um 2000. Obwohl viele Investoren danach vorsichtiger werden wollten, entstand nur wenige Jahre später die Immobilienblase, die zur Finanzkrise 2008 führte. Der Ablauf bleibt stets ähnlich: Im Bullenmarkt steigen viele Anleger spät ein, aus Angst, den Anschluss zu verpassen. Wenn der Markt dann fällt, verkaufen sie mit Verlust und ziehen sich zurück – bis der nächste Boom sie wieder anlockt.

In Boom-Phasen steigen die Preise, was eine Rückkopplungsschleife auslöst: Höhere Kurse ziehen noch mehr Anleger an, wodurch die Preise weiter steigen. In Bärenmärkten kehrt sich der Prozess um, und fallende Kurse führen zu weiterem Verkaufsdruck. Diese Dynamik erschwert es, rationale Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel ist die besagte Immobilienblase vor der Finanzkrise 2008: Die steigenden Preise schürten den Glauben, dass sie weiter anwachsen würden – bis die Blase platzte.

4. Nehmen Sie sich vor Social Media in Acht!

Digitale Medien und soziale Netzwerke verstärken die Marktzyklen heutzutage zusätzlich. In Krisenzeiten dominieren negative Schlagzeilen, die Panik auslösen. In Boom-Phasen hingegen erwecken Erfolgsgeschichten auf Social Media den Eindruck, dass es keine Risiken gibt. Diese ständige Informationsflut führt dazu, dass Anleger impulsiv handeln und Märkte noch volatiler werden.

Die wiederkehrenden Muster in den Finanzmärkten sind eine Kombination aus Psychologie und Marktmechanismen. Emotionen wie Angst und Gier, der Herdentrieb, Verlustaversion und das Vergessen vergangener Fehler treiben die Zyklen immer wieder an. Social Media und Nachrichtenkanäle verstärken diese Dynamik zusätzlich, indem sie Emotionen schüren und rationale Entscheidungen erschweren.

Die sich wiederholenden Muster in den Märkten sind das Ergebnis einer Kombination aus Psychologie und Marktmechanismen. Emotionen wie Gier, Angst, der uns angeborene Herdentrieb und die übermächtige Verlustaversion treiben die Zyklen an, während Medien und soziale Netzwerke die Dynamik verstärken. Obwohl die Muster bekannt sind, fällt es Anlegern schwer, sich von der Masse zu lösen. Geduldige Investoren, die antizyklisch handeln, können von den emotionalen Übertreibungen profitieren. Wer in der Angst kauft und in der Euphorie verkauft, nutzt den Zyklus zu seinem Vorteil.

Wir bei der HKCM verwenden die Elliott-Wellen-Analyse. Auch diese Analyseform basiert auf der Idee, dass Kursbewegungen an den Finanzmärkten die kollektiven Emotionen der Marktteilnehmer widerspiegeln. Sie unterteilt die Preisbewegungen ebenfalls in sich wiederholende Muster. In aufwärts gerichteten Wellen dominieren Optimismus und Gier, was zu steigenden Kursen führt. In Abwärtswellen gewinnen Pessimismus und Angst die Oberhand. Diese zyklischen Kursmuster liegen in wechselnden Emotionen der Marktteilnehmer begründet und bieten einen strukturierten Ansatz, um potenzielle Trendwenden zu erkennen. Mit unseren Analysen finden Sie stets passende Ein- und Ausstiegspunkte.

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Simeon Koch

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