Die Macht des Kapitals
#Finanzbildung

Die Macht des Kapitals

Author

Patrick May

„Und die Moral von der Geschicht, ich hab Rendite und du nicht“. Tabak, Cannabis, Rüstungsindustrien oder auch Monopolisten stehen auf der dunkelschwarzen Liste der Investitionen und sorgen für Zwiespalt in unserer Gesellschaft. Öfter sollte jedoch thematisiert werden, welche Tragweite das Thema Finanzen hat und welche Kraft diesem mächtigen Instrument innewohnt. Muss man heutzutage auf Gewinne verzichten, um im Einklang mit den eigenen Werten und seine Investitionsentscheidung zu stehen? Hier ist es wie so oft im Leben: Jeder ist in der Lage seine eigenen Entscheidungen zu fällen. Treffender beschreiben es die Worte von Eric, Lange: „Eine Entscheidung ist nur so gut, wie der Kompromiss, auf dem sie beruht.“

Finanzen sind ein mächtiges Instrument, das viel mehr bewirken kann als Proteste allein. Obwohl Proteste essenziell sind, um politische Akteure auf Probleme aufmerksam zu machen und eine öffentliche Debatte anzustoßen, ist es oft schwierig, tatsächliche Veränderungen durch Demonstrationen allein zu erreichen. Finanzen können jedoch direkt auf die Ursachen von Problemen einwirken. Zum Beispiel kann die Entscheidung, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die umweltschädigend agieren oder grundsätzliche Ethik missachten, dazu beitragen, für ein Umdenken zur sorgen. Ebenso können Finanzen verwendet werden, um politische Akteure zu bekräftigen, die die Förderung von Rechten für Minderheitengruppen und sozialen Gerechtigkeit unterstützen. Darüber hinaus können Finanzen dazu beitragen, die wirtschaftliche Machtbalance zu verändern. Verbraucher werden dazu angeregt, ihr Kaufverhalten zu überdenken und Unternehmern werden dazu angehalten, sich an soziale und umweltfreundliche Praktiken zu halten. Insgesamt zeigt sich, dass Finanzen ein mächtiger Hebel für Veränderungen sind. Obwohl auch Proteste wichtig sind, um öffentliche Meinungen zu beeinflussen, kann die Verwendung von Finanzen direkt auf die Ursache von Problemen einwirken und dazu beitragen, die Welt zur Veränderung anzuregen – praktisch durch einfache Incentivierung.

Indem Investoren in Alternative Anlagen investieren, signalisieren sie den Unternehmen und den Regierungen, dass es eine Nachfrage nach verantwortungsvollen Geschäftspraktiken gibt. Dies kann außerdem dazu beitragen, um den Bedürfnissen und Werten der Gesellschaft gerecht zu werden. Vor allem im Bereich der Corporate Governance machen gerade institutionelle Anleger bei den Hauptversammlungen immer mehr Druck auf die Emittenten, ihre Unternehmenspolitik auf verschiedenen Ebenen nachhaltiger zu gestalten.

Alternativen 

Das Spektrum an Alternativen für das eigene Wertpapierportfolio ist sehr groß. Es gibt spezialisierte Investmentfonds, die sich auf moralische Investitionsentscheidungen konzentrieren und eine breite Diversifikation von Unternehmen bieten, die ethische und soziale Verantwortung übernehmen. Diese Fonds können für Anleger eine gute Möglichkeit sein, ihr Portfolio auf moralische Überlegungen abzustimmen, ohne sich selbst um die Auswahl einzelner Unternehmen kümmern zu müssen. Auch sind – so der Umkehrschluss – moralische Investitionsentscheidungen nicht unbedingt mit höheren Renditen gleichzusetzen. Es kann sogar sein, dass moralische Überlegungen manchmal zu geringeren finanziellen Gewinnen führen. Daher sollte man bei sittlichen Investitionsentscheidungen immer auch eine gründliche finanzielle Überprüfung durchführen, um sicherzustellen, dass das Investment auch auf lange Sicht finanziell tragfähig ist. Empirische Daten aber untermalen, dass durch das geringere Risiko auf der Unterseite, nachhaltig orientiere Wertanlagen unterm Strich performanter sind.

Ein prominentes Beispiel zum Thema ist die Coca-Cola Aktie, welche wir für Sie in unserem DOW30- Aktienpaket analysieren. Der Getränkehersteller machte während der Apartheid-Ära in Südafrika Geschäfte. Die Apartheid-Ära war eine Zeit der rassistischen Diskriminierung und Unterdrückung, die von 1948 bis 1994 andauerte, jedoch immer noch in den Knochen der Südafrikaner sitzt. Zu dieser Zeit waren die Bürgerrechte stark eingeschränkt und es herrschte eine strenge Kontrolle über die Bewegungen und Aktivitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Apartheid-Ära endete schließlich mit der Freilassung Nelson Mandelas und den ersten multiethnischen Wahlen im Jahr 1994. Die Anleger der Aktie zogen damals die Aufmerksamkeit auf sich und boykottierten das Unternehmen, weil es in Südafrika präsent war. Der Konzern wurde unter Druck gesetzt, woraufhin zur damaligen Zeit auch viele andere Unternehmen sich aus Südafrika zurückzogen.

Nachhaltig investieren mit dem ESG-Rahmenwerk

Die ESG-Analyse ist ein wichtiger Teil von nachhaltigen Investitionen. Jene kann Anleger dabei unterstützen, bessere Entscheidungen über ihre Investitionen zu treffen, indem sie den Fokus auf Unternehmen legen, die eine positive soziale und ökologische Auswirkung haben und verantwortungsvoll geführt werden. E-S-G steht für Environmental, Social und Governance. Es handelt sich dabei um einen Begriff, der in der Finanzbranche verwendet wird, um den Fokus auf drei wichtige Aspekte von Unternehmen und Investitionen zu legen. Dabei beziehen sich die ökologisch, sozialen und governance-bezogene Faktoren in die Anlageentscheidungen ein. Governance betitelt dabei verantwortungsvolle Unternehmensführung. Diese Art des Investierens zielt darauf ab, ökonomische Erträge zu erzielen und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und die Umwelt zu haben. Es umfasst die Überprüfung von Faktoren wie Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Unternehmensführung, bevor in ein Unternehmen investiert wird. Nachhaltige Anlagen können in Form von Aktien, Anleihen, Fonds oder anderen Finanzinstrumenten erfolgen. Ziel ist es, eine stabile Rendite für Anleger zu erzielen und gleichzeitig eine positive Auswirkung zu haben.

Das Handelsvolumen von ESG-konformen Anlagen hat in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet. Laut einer Studie des Global Sustainable Investment Alliance stieg das weltweite Vermögen, das in ESG-konforme Anlagen investiert ist, von 2018 bis 2020 von $31 Billionen auf $59 Billionen. Dies zeigt eine deutliche Zunahme des Interesses der Investoren. Eine weitere Studie von Morgan Stanley Research hat gezeigt, dass das Handelsvolumen von ESG-ETFs, Exchange Traded Funds von 2018 bis 2022 um mehr als das Zehnfache gestiegen ist.

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Patrick May

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