Die Macht der Innovation: Das sind die Wirtschafts-Nobelpreisträger 2025
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Die Macht der Innovation: Das sind die Wirtschafts-Nobelpreisträger 2025

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Arcan Askin

Die wichtigsten Punkte

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften hat den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2025 an drei Pioniere der Innovationsforschung vergeben. Joel Mokyr (79), Philippe Aghion (69) und Peter Howitt (79) erhalten die Auszeichnung für ihre bahnbrechende Forschung zu innovationsgetriebenem Wirtschaftswachstum. Ihre Arbeiten erklären, warum sich die Welt seit der Industriellen Revolution in einer zweihundertjährigen Wachstumsphase befindet und wie "schöpferische Zerstörung" zum Motor des Fortschritts wird. Im KI-Zeitalter sind ihre Erkenntnisse aktueller denn je.

Schumpeter lebt: Die Theorie der schöpferischen Zerstörung

Das Herzstück der preisgekrönten Forschung ist die mathematische Formalisierung der "schöpferischen Zerstörung", einem Konzept des österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter (1883-1950). Philippe Aghion und Peter Howitt entwickelten 1992 in ihrem Econometrica-Klassiker das bis heute maßgebliche Modell für innovationsgetriebenes Wachstum. Ihre Theorie zeigt, wie Innovationen alte Geschäftsmodelle zerstören und dabei Ressourcen für neue Technologien freisetzen. Der Mechanismus ist so elegant wie brutal: Vertikale Innovationen, also Qualitätssprünge in Produkten und Verfahren, verdrängen veraltete Technologien vom Markt. Was heute als "Disruption" im Silicon Valley gefeiert wird, haben Aghion und Howitt bereits vor über drei Jahrzehnten mathematisch durchdrungen. Ihr Modell offenbart ein faszinierendes Paradox: Die Aussicht auf zukünftige Innovationen kann aktuelle Investitionen dämpfen, weil neue Fortschritte bestehende Erträge entwerten.

Mokyr entschlüsselt das Geheimnis der Industriellen Revolution

Während Aghion und Howitt die Mechanismen des Wachstums formalisierten, lieferte Joel Mokyr die historische Tiefenschärfe. Der Wirtschaftshistoriker von der Northwestern University untersuchte, warum die Industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts der Menschheit erstmals anhaltendes Wirtschaftswachstum bescherte. Seine Erkenntnis ist verblüffend: Allein das praktische Wissen, dass etwas funktioniert, reicht nicht für nachhaltigen Fortschritt.

Mokyr zeigt am Beispiel der Dampfkraft, wie entscheidend wissenschaftliche Erklärungen sind. Bereits in der Antike kannten Gelehrte dampfbetriebene Apparaturen für sich drehende Kugeln oder Tempeltüren. Doch ohne Verständnis der physikalischen Grundlagen blieben diese Wunderapparate Spielereien. Erst als die Wissenschaft des späten 18. Jahrhunderts die enormen Energiefreisetzung erklären konnte, entstanden die leistungsfähigen Dampfmaschinen der Industriellen Revolution.

Die Gesellschaft als Innovationsmotor

Mokyrs Forschung offenbart eine weitere entscheidende Dimension: die gesellschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen für Innovation. Eine Gesellschaft muss offen für neue Ideen sein und Veränderungen zulassen. Der 79-jährige Forscher identifizierte Wissensflüsse, Individualismus und die gesellschaftliche Belohnung von Anstrengung als Schlüsselfaktoren. Im von weltlich-religiösen Machtstrukturen geprägten Mittelalter waren diese Voraussetzungen häufig nicht gegeben, was Innovation hemmte.

Die Unterscheidung zwischen Kultur und Institutionen ist dabei zentral. Wo beide Innovation begünstigen, entsteht ein beständiger Strom neuer Ideen, der ganze Volkswirtschaften transformiert. Diese Erkenntnis erklärt, warum manche Gesellschaften Innovationen schneller hervorbringen, übernehmen und verbreiten als andere. Sie bestimmen damit den Takt des Strukturwandels und ihren eigenen Wohlstand.

Zwei Drittel des Wohlstands durch Innovation

Die Bedeutung technologischen Fortschritts für unseren Wohlstand ist kaum zu überschätzen. Wachstumstheoretiker beziffern den Anteil technologischer Innovationen am Wirtschaftswachstum auf etwa zwei Drittel bis drei Viertel. Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig es für eine Gesellschaft ist, für ein innovationsfreundliches Umfeld zu sorgen. Die Forschung der drei Nobelpreisträger liefert den Kompass dafür.

John Hassler, Vorsitzender des Nobelkomitees, brachte die Bedeutung auf den Punkt: "Die Arbeit der Preisträger zeigt, dass Wirtschaftswachstum keine Selbstverständlichkeit ist. Wir müssen die Mechanismen aufrechterhalten, die der schöpferischen Zerstörung zugrunde liegen, damit wir nicht in die Stagnation zurückfallen." Vor der Industriellen Revolution war Stagnation tatsächlich die Norm. Die Innovationen der letzten zwei Jahrhunderte haben viele Menschen aus der Armut geholt und der Welt erstmals anhaltendes Wachstum beschert.

Europa muss von USA und China lernen

Die Aktualität der Forschung zeigt sich besonders deutlich in den politischen Implikationen. Philippe Aghion, Sohn der Chloé-Gründerin Gaby Aghion und Professor am Collège de France, appelliert an Europa, im Streben nach Wirtschaftswachstum von den USA und China zu lernen. Diese hätten Wege gefunden, "Wettbewerb und Industriepolitik in Einklang zu bringen." Eine Lektion, die Europa dringend beherzigen sollte.

Sascha Steffen von der Frankfurt School of Finance & Management sieht den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis als Unterstützung für "Europas Agenda für Wachstum und Wandel." Volkswirtschaften würden reicher, wenn Unternehmen kontinuierlich innovativ seien und kreative Zerstörung zuließen, um Kapital und Talente von alten auf neue Technologien umzuverteilen. Dies sei heute besonders wichtig, da sich das Produktivitätswachstum verlangsame und Europa massive Umstellungen bei Energie, Digitalisierung und Verteidigung finanzieren müsse.

KI als neue Welle der schöpferischen Zerstörung

Im Jahr 2025, angesichts der dynamischen KI-Entwicklung, ist die Forschung der drei Ökonomen von globaler Bedeutung. Sie liefert den politischen Kompass für Technologien, die Branchen und Produktivitätsmuster tiefgreifend verändern. Künstliche Intelligenz setzt neue technologische Maßstäbe und könnte die nächste große Welle schöpferischer Zerstörung auslösen. Die Theorie gibt Aufschluss darüber, welche Leitlinien für Kultur und Institutionen wichtig sind für eine breite, sichere und inklusive Nutzung von KI.

Die Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zu finden. Einerseits müssen Rahmenbedingungen Unternehmertum fördern und Übergänge abfedern - etwa durch Bildung, Mobilität der Arbeitskräfte und Wettbewerb. Andererseits darf Marktmacht nicht so begrenzt werden, dass der Erfindergeist erstickt wird. Auf diese Weise wird technologischer Fortschritt zur Quelle dauerhafter Produktivitätszuwächse statt bloß kurzfristiger Effekte.

FAQ

Wer hat den Nobelpreis für Wirtschaft gewonnen?

Den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2025 erhielten drei Forscher: Joel Mokyr (79), Wirtschaftshistoriker an der Northwestern University, sowie die Wachstumsforscher Philippe Aghion (69) vom Collège de France und Peter Howitt (79) von der Brown University. Sie wurden für ihre Forschung zu innovationsgetriebenem Wirtschaftswachstum ausgezeichnet. Mokyr erhält die Hälfte des Preises, Aghion und Howitt teilen sich die andere Hälfte.

Welche Nobelpreise gibt es?

Es gibt sechs Nobelpreise: Physik, Chemie, Medizin oder Physiologie, Literatur und den Friedensnobelpreis - diese fünf wurden von Alfred Nobel gestiftet. Der sechste ist der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, der 1968 von der schwedischen Reichsbank zum 300-jährigen Bestehen gestiftet wurde. Obwohl er oft als "Wirtschaftsnobelpreis" bezeichnet wird, ist er streng genommen kein echter Nobelpreis, sondern wird nur "in Erinnerung an Alfred Nobel" verliehen.

Wer hat den Nobelpreis abgelehnt?

Nur wenige Personen haben Nobelpreise abgelehnt. Die bekanntesten Fälle sind der französische Philosoph Jean-Paul Sartre, der 1964 den Literaturnobelpreis ablehnte, und der vietnamesische Politiker Lê Đức Thọ, der 1973 den Friedensnobelpreis zurückwies. Bei den Wirtschaftswissenschaften sind bisher keine Ablehnungen bekannt. Die meisten Laureaten betrachten die Auszeichnung als höchste Ehre ihres Fachgebiets und nehmen sie dankbar an.

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