Aktuell stehen die Märkte unter hoher Spannung. Anfang letzter Woche erreichte die Rezessions-Angst einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Eine mögliche Ursache sind die immensen Geldmengen, die als Reaktion auf die jüngste globale Krise durch die Corona-Pandemie von den Zentralbanken in Umlauf gebracht wurden. Die Politik des Gelddruckens zur Stabilisierung der angeschlagenen Weltwirtschaft hat dazu geführt, dass in den USA in den letzten drei Jahren mehr als die Hälfte aller im Umlauf befindlichen Dollar seit der Einführung durch den Coinage Act von 1792 gedruckt wurde. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen.
Die Dollar Milkshake-Theorie
Die "Dollar Milkshake Theory", aufgestellt von Brent Johnson, Finanzstratege und CEO von Santiago Capital, sieht die potenzielle Stärke des Dollars als Problem und entwickelte ein Konzept, dass in der Finanzwelt zunehmend an Beachtung gewinnt. Kern der Theorie ist, dass der US-Dollar trotz der quantitativen Lockerungsmaßnahmen der US-Zentralbank (Fed) gegenüber anderen Währungen aufwertet und die globalen Währungsmärkte dominiert. Dies setzt Länder mit Dollar-denominierten Schulden unter Druck. Ein weltweiter Mangel an Dollarnoten würde eine enorme Knappheit an US-Dollar erzeugen, die viele Staaten in die Krise stürzen könnte.
Laut Johnsons Theorie werden bei geopolitischen Krisensituationen zahlreiche Länder zu geldpolitischen Lockerungen greifen, ihre Währungen abwerten und vermehrt Geld drucken. Anleger suchen dann Zuflucht im stabileren US-Dollar, was große Kapitalströme in den Dollarraum lenkt und dessen Nachfrage immens steigert. Da der Dollar jedoch begrenzt verfügbar ist, entsteht eine extreme Angebotslücke. Während andere Länder durch ihre expansive Geldpolitik weitere Liquidität ins System pumpen, wird der Dollar durch die steigende Nachfrage nur noch weiter aufgewertet.
Strohhalm statt Spritze
Johnson veranschaulicht seine Theorie mit einem Bild: Stellen Sie sich vor, alle Länder der Welt füllen mit ihren finanziellen Stimuli einen metaphorischen Becher, der einem Milchshake gleicht. Die USA tauschen ihre Finanzspritze gegen einen Strohhalm aus und saugen damit sämtliche Liquidität aus dem globalen Finanzsystem heraus. Die Folge: Während die USA überdurchschnittlich aufgebläht werden, trocknen die anderen Länder aus und verlieren ihren finanziellen Halt.
Zentralbanken fluteten die Finanzsysteme während der Pandemie mit Geld.
Jetzt sind sie dabei, sich dieses Geld langsam zurückzuholen.
Die zunehmende Stärke des US-Dollars könnte so weit gehen, dass sie schließlich nicht mehr tragbar ist. Hoch verschuldete Länder würden weiter in die Schuldenfalle getrieben, was potenziell verheerende Folgen für die Weltwirtschaft hätte und in einer globalen Staatsverschuldungskrise münden könnte. Einige Experten spekulieren sogar, dass dies den Übergang zu einem neuen globalen Währungssystem beschleunigen könnte, möglicherweise hin zu einer globalen Digitalwährung. Diese Theorie ist ein warnendes Signal für Politiker und Finanzexperten weltweit und wirft fundamentale Fragen über die Nachhaltigkeit der globalen Finanzpolitik und die Rolle des Dollars als Weltwährung auf. Die Nachfrage nach dem US-Dollar ist aus mehreren Gründen hoch. Erstens müssen sowohl die USA als auch andere Länder Zinsen auf ihre bestehenden Schulden zahlen, die in US-Dollar denominiert sind. Dies führt zu einem kontinuierlichen Bedarf an US-Dollar.
Zudem fungiert der US-Dollar als Weltreservewährung, was bedeutet, dass viele Länder ihre Währungsreserven in Dollar halten und internationale Transaktionen in dieser Währung abwickeln. Dies verstärkt die globale Nachfrage nach dem Dollar zusätzlich. Ein weiterer Faktor ist der Bedarf an neuen Schulden. Die Renditen auf US-Staatsanleihen machen diese Anleihen attraktiv für Investoren weltweit. Dies zieht weiteres Kapital in den US-Dollar-Raum und erhöht die Nachfrage nach der Währung. Viele Länder finanzieren ihre Leistungsbilanzdefizite durch die Aufnahme von Dollar-Krediten und sind dadurch in US-Dollar verschuldet. Die Kombination dieser Faktoren führt zu einer starken und anhaltenden Nachfrage nach dem US-Dollar auf den globalen Märkten.
... und was macht die Fed?
Die nordamerikanische Zentralbank (Fed) hat als Hüterin der Weltreservewährung einen besonderen Status. Dies erlaubt der Fed, ihre Geldpolitik und die Stabilität des US-Finanzsystems zu wahren, was massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat. Wenn die Fed die Geldpolitik strafft und die Zinsen anhebt, entzieht sie Fremdwährungen die Liquidität, was globale Kapitalströme in die USA lenkt und den US-Dollar aufwertet. Besonders Schwellenländer mit hoher Dollarverschuldung geraten dadurch unter Druck. Ihre Schuldenlast in der abgewerteten Heimatwährung steigt, was zu Zahlungsausfällen führen könnte. Die Kernidee der Dollar Milkshake Theory basiert auf der Annahme einer überproportional steigenden Stärke des US-Dollars, die alle anderen Währungen in die Knie zwingt. Diese Theorie beruht jedoch auf spekulativen Annahmen und es gibt keine evidenten Forschungsarbeiten oder empirische Studien dazu.
Johnson stützt sich stark auf die Geldpolitik der Fed und stellt diese in den Mittelpunkt. Dennoch gibt es Anhaltspunkte, dass einzelne Währungspolitiken eine Kettenreaktion auslösen können, die die Weltwirtschaft beeinflusst. Sollte sich die Theorie bewahrheiten, könnte die USA eine verheerende weltweite Krise verursachen. Dies könnte zu einer enormen Rally in Sachwerten wie Rohstoffen führen, die normalerweise negativ mit der Stärke des US-Dollar korreliert sind. Wir behalten die Entwicklungen im Auge und informieren Sie über aktuelle Situationen in diesem Bereich. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter, um wöchentliche Analysen des Dollar-Index (DXY) und des Währungspaars EUR/USD zu erhalten.





