In Nigeria sind die meisten Häfen zur Zeit der britischen Kolonialbesatzung erbaut worden. Seitdem wurden diese Häfen kaum weiter ausgebaut und operieren somit weit unter der benötigten Kapazität – viele von ihnen wurden bereits geschlossen. Infrastruktur fehlte diesbezüglich also und damit versickerten auch wichtige Gewinne im Sand. Nun wurde ein neuer Hafen in der nigerianischen Großstadt Lagos eröffnet. Der Kostenpunkt des abgeschlossenen Großprojekts mit dem Namen Lekki Deep Sea Port liegt bei etwa $1.5 Milliarden.
Mit diesem Großprojekt soll Lagos zu einem wichtigen Angelpunkt im westafrikanischen Golf und damit Anlaufstelle für den atlantischen Handel werden. Geografisch ideal platziert und nun mit tragbarer Kapazität stehen die Chancen auch sehr gut, dass sich der Hafen als Katalysator für die nigerianische Wirtschaft entwickelt. Der chinesische Botschafter in Nigeria bezeichnet den Hafen als „Game Changer“ und stellt die Entstehung von mindestens 200 000 Arbeitsstellen in Aussicht. Prächtige Aussichten für das westafrikanische Land, aber was hat der chinesische Botschafter damit zu tun?
Nun der Hafen gehört zu 52.5% China. Die China Harbour Engineering Company ist ein staatliches Bauunternehmen, welches sich auf den Bau von Häfen konzentriert und besitzt im Rahmen eines Joint-Ventures mit der singapurischen Tolaram Group zusammen insgesamt 75% des Lekki Ports. Auf Tolaram fallen somit 22.5% Anteil am Hafen. Weitere 20% gehören dem Lagos State Government, also der Provinzialregierung von Lagos, und 5% sind in der Hand der Nigerian Ports Authority. Mit diesen großen Anteilen an einem wichtigen Infrastrukturprojekt erweitert China seine Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent. Im Rahmen der Road & Belt Initiative will China ohnehin weltweit ein tragender Geldgeber und somit auch Begünstigter dieser Investitionen sein. Bereits im Bereich der Minen und Rohstoffversorgung ist China ein Vorreiter in Afrika. Inwiefern sich Nigeria im Kontext des neuen Hafens dadurch langfristig kompromittiert, bleibt abzuwarten. Absehbar ist zumindest, dass China seinen Einfluss wenigstens nur auf die wirtschaftlichen Aspekte beschränkt und sich wahrscheinlich normativ aus den Ländern, in denen es aktiv ist, heraushält.




