Das hört man doch mal gerne, wenn jemand eine Einschätzung zu einem Unternehmen abgibt. Vor allem, wenn Experten sich tiefgehend mit einem Unternehmen beschäftigen, sich Metriken anschauen, Charts durchgehen, Konzepte entwerfen und dann, nach dem Durchlesen etlicher Berichte, zum Entschluss kommen, dass das Business stabil läuft! Welch tolle Nachrichten! Und dann sagt es auch noch der Aufsichtsratsvorsitzende einer internationalen Großbank – wow! Einziges Problem: Er sagt das über seine eigene Bank. Axel Lehmann hat in einem gestrigen Interview mit dem SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) seine objektive Einschätzung zur Lage der Credit Suisse abgegeben, und das als Aufsichtsratsvorsitzender der Credit Suisse.
Nach einer langen Odyssee von negativen Ereignissen, die Kapitalprobleme, Skandale, Strafen, Verfahren und Korruptionsaffären umfassen, hat eine Vielzahl von Kunden der Bank den Rücken gekehrt. Gerade in dem nochmals betuchteren Pool an Kunden kam es zu größeren Abzügen von Kapital, was dem Flaggschiff-Segment der Bank, dem Privatkundengeschäft, einen schweren Schlag versetzte. Diese Abnahme würde sich wohl aktuell stabilisieren und ein weiteres wichtiges Zeichen sein, nachdem sich auch die CDS-Preise der Bank erholt haben (wenn Sie mehr zum Thema CDS-Preise bei der Credit Suisse erfahren möchten, klicken Sie hier).
Aber irgendwo muss es ja mit der Talfahrt aufhören, wenn die Bank überleben will. Klar, dass aus den hohen Riegen der Bank beruhigende Worte kommen müssen, ist selbstverständlich – schließlich nahm das Wertpapier der Credit Suisse in diesem Jahr allein über 66% an Wert ab. Seit der Wirtschaftskrise 2007 ging der Wert der Credit Suisse insgesamt 95% auf Tauchstation. Das wird sich alles sicherlich nicht sonderlich schnell bessern. Auch Lehmann gab zu verstehen, dass es etwas brauchen wird. Dazu räumt man sich nicht nur das kommende, sondern auch noch das übernächste Jahr als Transformationszeit ein. Danach aber soll es bergauf gehen – viel mehr Luft nach unten gibt es schließlich nicht mehr.




