Der Goldpreis durchläuft einen historischen Bullenmarkt, eilte 2024 von einem Rekord zum nächsten und scheint auch im neuen Jahr kaum zu schwächeln. Trotz der sprunghaften Wertsteigerung kommen die Aktien von Goldminen-Unternehmen nicht so richtig hinterher. Die Margen sind gering, Produktionskosten hoch. Klimatische und natürliche Herausforderungen sorgen ebenso für Unsicherheit wie politische Spannungen an südamerikanischen oder afrikanischen Förder-Standorten. Wie lässt sich von neu geschürftem Gold also profitieren, ohne die unmittelbaren Risiken des Minen-Betriebs tragen zu müssen? Eine lukrative Antwort auf diese Frage hat der Bergbau-Riese Royal Gold gefunden, der seit dieser Woche Teil unseres Minen-Pakets ist.
Hat Royal Gold das beste Geschäftsmodell im Rohstoff-Sektor?
Royal Gold ist kein gewöhnlicher Minen-Betreiber. 1981 in Denver, Colorado, gegründet, hatte das Unternehmen zunächst wenig mit Gold zu tun. Ursprünglich auf Öl- und Gasexploration spezialisiert, erfolgte Mitte der 1980er-Jahre eine radikale Neuausrichtung. Royal Gold verabschiedete sich von der klassischen Rohstoffförderung und setzte stattdessen auf ein Geschäftsmodell, das zu einem der erfolgreichsten der Rohstoff-Branche werden sollte: der Erwerb von Lizenzgebühren und Streaming-Verträgen. Diese Strategie erlaubte es Royal Gold, von der Goldproduktion zu profitieren, ohne selbst Minen betreiben zu müssen.
Internationale Minen-Aktien kamen beim rasanten Anstieg des Goldpreises in den letzten Monaten kaum hinterher (in Blau: Philadelphia Gold and Silver Index).
Heute zählt das Unternehmen zu den führenden Akteuren im Edelmetall-Streaming-Geschäft – mit einem Portfolio, das weltweit über 180 Projekte umfasst. Dabei basiert Royal Golds Geschäftsmodell auf Lizenzgebühren (Royalties) und sogenannten Streaming-Vereinbarungen. Anstatt selbst Minen zu betreiben, investiert das Unternehmen in Bergbauprojekte, indem es den Betreibern finanzielle Mittel zur Verfügung stellt. Im Gegenzug erhält Royal Gold entweder einen Prozentsatz des Umsatzes aus der Produktion (Lizenzgebühren) oder das Recht, einen Teil der geförderten Metalle zu einem festgelegten, oft vergünstigten Preis zu erwerben (Streaming).
Dieses Modell ermöglicht es Royal Gold, von der Edelmetallproduktion zu profitieren, ohne die operativen Risiken und Kosten des Bergbaus tragen zu müssen. Einer der größten Konkurrenten in diesem Sektor ist Franco-Nevada, dessen Aktie ebenfalls in unserem Minen-Paket vertreten ist. Eine der wichtigsten Einnahmequellen ist das Andacollo-Projekt in Chile, wo sich das Unternehmen Rechte gesichert hat, bis zu 100 Prozent des geförderten Goldes zu beziehen. Nach der Lieferung von 900 000 Unzen reduziert sich der Anteil auf 50 Prozent. Damit besitzt Royal Gold ein Vorkaufsrecht zu besseren Konditionen als auf dem freien Markt und hilft den Minen-Betreibern im Gegenzug bei der Finanzierung.
Royal Gold diversifiziert global
Ähnlich verhält es sich mit der Mine Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik: Hier besitzt Royal Gold das Recht auf rund acht Prozent des Goldes und drei Viertel des geförderten Silbers, bis eine festgelegte Menge erreicht ist. Danach verringern sich die Anteile. Darüber hinaus verdient das Unternehmen durch eine zweiprozentige Lizenzgebühr an sämtlichen Metallen der Peñasquito-Mine in Mexiko. Royal Gold hat aber nicht nur in Süd- und Mittelamerika Einnahmequellen: In Ghana profitiert Royal Gold von den Minen Wassa, Prestea und Bogoso mit einem Anteil von knapp über zehn Prozent des dort geförderten Goldes. Nach den ersten 240 000 gelieferten Unzen verringert sich das Vorkaufsrecht auf 5.5 Prozent der laufenden Schürfmenge.
Royal Gold ist seit 40 Jahren börsengelistet. Die Volatilität bei Minen-Titeln ist deutlich höher als im Goldpreis.
Beim Mount Milligan-Projekt in Kanada wiederum erhält das Unternehmen ein gutes Drittel des geschürften Goldes und knapp 20 Prozent des Kupfers aus der dortigen Produktion. Außerdem hält Royal Gold mehrere Lizenzrechte an der Cortez-Mine in Nevada, USA. Neben diesen bereits produktiven Minen hat Royal Gold auch Beteiligungen an zukünftigen Fördergebieten. Ein bedeutendes Entwicklungsprojekt ist Khoemacau in Botswana, wo das Unternehmen einen Silber-Streaming-Vertrag über 80 Prozent des produzierten Silbers hält – mit der Option, den Anteil auf 100 Prozent zu erhöhen, bevor die Mine in Produktion geht.
Auch hier diversifiziert Royal Gold fleißig: 2022 übernahm das Unternehmen für 153 Millionen US-Dollar die Rechte an zwei Prozent der Einnahmen des Great-Bear-Projekts in Kanada, einer der vielversprechendsten Goldregionen Nordamerikas. In den ersten acht Jahren sollen dort gut 500 000 Unzen Gold pro Jahr gefördert werden. Das entspricht etwa einem Drittel der jährlichen Fördermenge in der größten US-Goldmine Carlin Trend. Die Zukunft scheint bei Royal Gold also vorerst gesichert. Und auch gegenwärtig läuft es alles andere als schlecht.
Gute Zahlen: Holt Royal Gold zu Franco Nevada auf?
Royal Gold steht finanziell sehr solide da – das zumindest suggerieren die jüngsten Geschäftszahlen. Und das, obwohl das vergangene Jahr holprig startete. Im letzten Vierteljahr 2023 fiel der Umsatz bei Royal Gold um gut sechs Prozent auf 150 Millionen US-Dollar, gleichzeitig wuchs der Nettogewinn um elf Prozent auf rund 63 Millionen Dollar. Im ersten Quartal 2024 rutschten dann sowohl der Umsatz (-12.4 Prozent auf 147.5 Millionen Dollar) und der Nettogewinn (-26.2 Prozent auf 47.2 Millionen Dollar) in die roten Zahlen.
Deutlich bergauf ging es ab Sommer: Im zweiten Quartal setzte Royal Gold 172.5 Millionen Dollar um (+20.8 Prozent), verdiente dabei 81.2 Millionen Dollar (+28 Prozent) und steigerte den Gewinn je Aktie um fast 27 Prozent auf 1.23 US-Dollar. Und auch im dritten Quartal setzte sich das Wachstum fort: Der Umsatz wuchs in Relation zum Vorjahresquartal um kräftige 40 Prozent auf 192 Millionen Dollar, der Nettogewinn verdoppelte sich im Jahresvergleich nahezu auf gut 96 Millionen Dollar. Ähnlich kräftig wuchs der Gewinn pro Aktie, der im September auf 1.46 Dollar je Anteilsschein taxiert wurde.
Seit dem Corona-Tief 2020 hat Royal Gold ähnlich gut performt wie der Goldpreis. Der große Konkurrent Franco Nevada hinkt deutlich hinterher.
Für Anleger hatte das Unternehmen kurz darauf ein weiteres Argument parat: Im November 2024 wurde die vierteljährliche Dividende um 13 Prozent auf 0.45 US-Dollar pro Aktie erhöht, was für das kommende Jahr einer Ausschüttung von 1.80 Dollar je Anteilsschein entspricht. Zuvor hatte sich die jährliche Dividende auf 1.60 Dollar oder 0.40 Dollar pro Quartal belaufen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 8.7 Milliarden US-Dollar ist Royal Gold aktuell noch deutlich kleiner als der große Konkurrent Franco-Nevada, der gut 25 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage bringt.
Die Geschäftszahlen passen aber kaum zur deutlichen Diskrepanz zwischen den Börsenbewertungen beider Unternehmen. Während Royal Gold im dritten Quartal 2024 rund 192 Millionen US-Dollar umsetzte, waren es bei Franco Nevada 272.3 Millionen, den 96.2 Millionen Nettogewinn bei Royal Gold stehen 152.7 bei Franco Nevada gegenüber. Die Diskrepanz in der Börsenbewertung kann für risikofreudige Anleger Wachstumschancen bieten, Risiko und Volatilität dürften im Minen-Sektor mittelfristig aber hoch bleiben. Sicher ist: Royal Gold verfolgt eins der cleversten Geschäftsmodelle dieser Branche. Und wir verfolgen ab sofort den Kursverlauf der Aktie!



