Corona 2.0? Trumps Fed-Gouverneur Miran will massive Zinssenkung
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Corona 2.0? Trumps Fed-Gouverneur Miran will massive Zinssenkung

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Simeon Koch

Das Wichtigste auf einen Blick

Fed-Gouverneur Stephen Miran fordert eine drastische Senkung des Leitzinses auf zwei bis zweieinhalb Prozent, fast zwei Prozentpunkte unter dem aktuellen Niveau von 4.25 Prozent, und sieht die aktuelle Politik als zu restriktiv für Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Bei der letzten Fed-Sitzung war er der einzige Dissident, der eine halbe Prozentpunktsenkung wollte, während Fed-Chef Powell und das FOMC-Komitee nur moderate Anpassungen unterstützen. Miran hält das Inflationsziel von zwei Prozent für zu eng und bewertet zollbedingte Preissteigerungen als überschaubar. Kritikerwerfen ihm vor, eine Marionette Trumps zu sein – auch wegen seiner historischen Sonderrolle bei der Fed.

„Geldpolitik ist viel zu restriktiv!“

Weniger als eine Woche nach seiner Amtseinführung hat Stephen Miran, der neue Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, seine Forderung nach einer drastischen Zinssenkung bekräftigt. Der ehemalige wirtschaftspolitische Berater von Präsident Donald Trump erklärte Anfang der Woche vor dem Economic Club of New York, dass die aktuellen Leitzinsen der Fed in Höhe von 4.25 Prozent „viel zu restriktiv“ seien. Seiner Ansicht nach sollte der Leitzins auf etwa 2.5 Prozent sinken – also fast zwei Prozentpunkte unter dem aktuellen Niveau. So deutliche Zinssenkungen in so kurzer Zeit sind normalerweise ein Zeichen für wirtschaftliche Krisensituationen wie etwa 2020. Damals kürzte die Fed ihre Zinsen angesichts der Corona-Pandemie innerhalb kürzester Zeit um mehrere Prozentpunkte.

Miran warnt vor Wirtschaftskrise in den USA

Die Fed ist gespalten wie lange nicht. Vergangene Woche kürzte die Notenbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte, Fed-Chef Jerome Powell sorgte mit zurückhaltenden Aussichten aber vor allem bei Altcoins und Bitcoin für Unsicherheit. Miran setzte sich da bereits für deutlich stärkere Zinssenkungen ein und warnte nun erneut, dass die derzeitige Politik „unnötige Entlassungen und höhere Arbeitslosigkeit“ zur Folge haben könne. Der Gouverneur befindet sich damit auf Konfrontationskurs zu den meisten Kollegen im Federal Open Market Committee (FOMC), das vorerst nur moderate Senkungen in Aussicht stellt.

Miran begründet seine Position unter anderem mit der Wirkung von Steuer-, Einwanderungs- und Deregulierungsmaßnahmen der Trump-Administration, die seiner Ansicht nach den neutralen Zinssatz gesenkt hätten – also die Zinsrate, die weder das Wachstum hemmt noch fördert. Zugleich widerspricht er der verbreiteten Sorge, dass die von Präsident Trump verhängten Zölle die Inflation weiter anheizen könnten. In seinen Aussagen wird deutlich: Der 42-jährige Ökonom will nicht nur eine Zinssenkung, sondern eine schlagartige Anpassung der Geldpolitik, wie sie die Fed sonst nur in Krisenzeiten vornimmt.

Fed gespalten: Angst vor Inflation berechtigt?

Bei der Fed-Sitzung vergangene Woche war Miran der einzige Querulant unter den zwölf stimmberechtigten Mitgliedern. Während das FOMC eine Viertelpunkt-Senkung beschloss, stimmte er für eine halbe Prozentpunktsenkung und stellte gleichzeitig einen Dot auf dem Prognose-Diagramm der Fed, der für zusätzliche Senkungen von insgesamt 1.25 Prozentpunkten in den beiden verbleibenden Sitzungen des Jahres spricht. Er sagte wörtlich: „Der angemessene Leitzins der Fed liegt im Bereich von etwa 2.5 Prozent – also fast zwei Prozentpunkte unter dem aktuellen Niveau.“

In seiner Analyse verwies Miran auf das Zusammenspiel verschiedener wirtschaftspolitischer Faktoren. „Die Kombination aus Steuer-, Einwanderungs- und Deregulierungspolitik senkt den neutralen Zinssatz erheblich“, erklärte er. Zudem beobachte er eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt: „Die Nachfrage nach Wohnraum wird durch die restriktive Einwanderungspolitik sinken, wodurch Miet- und Immobilienpreise fallen und der Inflationsdruck abnimmt.“ In Bezug auf die Zölle sagte Miran: „Vergleichsweise kleine Veränderungen bei einigen Warenpreisen haben meiner Ansicht nach zu unangemessen hoher Besorgnis geführt.“

Miran kritisierte auch die aktuelle Haltung der Fed-Kollegen. So erklärte er, dass restriktive Zinspolitik „Risiken für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung“ berge und das Wirtschaftswachstum unnötig dämpfe. Fed-Chef Jerome Powell und andere Gouverneure wie Alberto Musalem, Raphael Bostic und Beth Hammack sehen dagegen nur begrenzten Spielraum für weitere Senkungen. Musalem betonte, dass die Geldpolitik „bereits nahe am Neutralpunkt“ sei, Bostic warnte vor der Gefahr „anhaltend hoher Inflation“, und Hammack mahnte, dass zu lockere Zinsen zu einer Überhitzung der Wirtschaft führen könnten.

Ist Stephen Miran nur eine Trump-Marionette?

Trotz der gegensätzlichen Einschätzungen zeigte sich Miran zuversichtlich, dass seine Vorschläge langfristig tragfähig sind: „Auch wenn ich ein etwas besseres Wachstum erwarte, könnte dies durch zu restriktive Politik unnötig gefährdet werden. Wir müssen näher an den neutralen Punkt herankommen.“ In seiner Darstellung stand zudem die langfristige Stabilität der Inflation im Vordergrund. Miran sprach wiederholt davon, dass das Fed-Ziel von zwei Prozent Inflation „zu restriktiv“ sei und zu übermäßigem Mikromanagement führe: „Ich denke, Inflation ist sehr schwer zu messen. Ein so präzises Ziel kann mehr Schaden als Nutzen anrichten.“

Miran ist damit zugleich eine politische wie ökonomische Ausnahmefigur: Er ist der erste Fed-Gouverneur seit vielen Jahrzehnten, der gleichzeitig eine Position in der Exekutive innehat – den Vorsitz des Council of Economic Advisers. Gleichwohl betont Miran ebenso unablässig wie nachdrücklich, dass seine Fed-Entscheidungen unabhängig von Präsident Trump getroffen werden. „Trump hat mich nie gebeten, die Politik in einer bestimmten Weise festzulegen“, sagte Miran. Seine Kritiker, die ihm vorwerfen, vor allem Trumps Interessen durchsetzen zu wollen, dürfte dieses Dementi kaum beeindrucken.

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Simeon Koch

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