Chinas Silberhunger verschiebt jetzt den Markt für Edelmetalle
#Rohstoffe und Energie

Chinas Silberhunger verschiebt jetzt den Markt für Edelmetalle

Author

Nikolai Heger

Das Wichtigste in Kürze:

  • China importiert Rekordmengen Silber.
  • Solarboom und Anleger treiben die Nachfrage.
  • Das erhöht Preisdruck und Volatilität.

China importiert so viel Silber wie nie zuvor. Im März lagen die Einfuhren bei 836 Tonnen. Das waren 78 Prozent mehr als im Februar und deutlich mehr als der saisonale Durchschnitt. Parallel zog auch die Nachfrage nach Gold an. Damit entsteht in dieser Woche ein Edelmetallthema, das weit über den üblichen Krisenreflex hinausgeht. Denn dieses Mal treffen Industrie, Anleger und Handelspolitik gleichzeitig auf denselben Markt.

Rekordimporte zeigen, wie ernst Chinas Griff nach Silber geworden ist

Die Rekordzahl ist kein bloßer Ausreißer. Chinas Silberimporte lagen im März rund 173 Prozent über dem Zehnjahresschnitt für diesen Monat. Gleichzeitig meldete der World Gold Council, die führende globale Lobby- und Branchenorganisation der Goldbergbauindustrie mit Sitz in London, für China eine saisonale Erholung bei der Goldnachfrage. An der Shanghai Gold Exchange wurden im März 134 Tonnen Gold abgezogen. Das waren 57 Prozent mehr als im Vormonat und zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.


Chinas Silberimporte im MärzChinas Silberimporte im März


Auch die Notenbank liefert ein Signal. Die People’s Bank of China kaufte im März fünf Tonnen Gold hinzu. Damit stiegen die offiziellen Bestände auf 2 313 Tonnen. Das unterstreicht, dass China Edelmetalle nicht nur als Rohstoff, sondern auch als strategische Reserve betrachtet. Für den Markt ist das wichtig, weil staatliche Käufe und private Nachfrage im Moment zur selben Zeit auftreten.

Solarindustrie und Anleger ziehen gleichzeitig an einem Markt

Der stärkste Treiber bei Silber ist die Industrie. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete bereits im Februar, dass Solarkonzerne wegen der hohen Kosten zwar verstärkt nach Kupferalternativen suchen. Zugleich bleibt Silber vorerst zentral für die Produktion. Passend dazu schossen Chinas Solarexporte im März auf einen Rekord. Die Ausfuhren stiegen um 42.2 Prozent auf 1.75 Millionen Tonnen im Wert von 3.61 Milliarden US-Dollar.


Treiber hinter Edelmetall-BoomTreiber hinter Edelmetall-Boom


Neben der Industrie kaufen auch Anleger. Auch hier meldete der World Gold Council für März Zuflüsse von umgerechnet 8.4 Tonnen in chinesische Gold-ETFs. Im ersten Quartal summierten sich die Zuflüsse auf 50 Tonnen. Das zeigt: In China wird nicht nur physisches Metall nachgefragt. Auch Finanzprodukte auf Edelmetalle gewinnen an Gewicht. Genau diese Doppelrolle macht vor allem Silber so explosiv.

Was die neue Marktlage für Silber, Gold und Anleger bedeutet

Die Preisschwankungen der vergangenen Tage zeigen, wie nervös der Markt ist. Am 17. April stieg Spot-Silber auf 81.71 US-Dollar je Unze und legte auf Wochensicht um mehr als sieben Prozent zu. Am 22. April lag der Preis nach heftigen Ausschlägen bei 77.94 US-Dollar. Gold bewegte sich am selben Tag bei 4 756.10 US-Dollar je Unze. Das ist kein ruhiger Bullenmarkt, sondern ein Markt im Spannungsfeld aus Knappheit und Makroangst.


Bedeutung für den EdelmetallmarktBedeutung für den Edelmetallmarkt


Hinzu kommt ein zweiter Störfaktor. In Indien haben Banken ihre Gold- und Silberimporte vorerst gestoppt, weil eine behördliche Freigabe aussteht. Mehr als fünf Tonnen Gold und rund acht Tonnen Silber hingen zuletzt beim Zoll fest. Der indische Markt könnte dadurch kurzfristig weniger Nachfrage entfalten. Doch gerade dieser Gegensatz macht die Lage spannend: China zieht Metall an, Indien bremst, und die Preise bleiben dennoch hoch. Für Anleger ist das ein Warnsignal und eine Chance zugleich.

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Nikolai Heger

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