China intensiviert Kapitalmarktreformen: Signale an die Wall Street und den globalen Markt
#Global Markets

China intensiviert Kapitalmarktreformen: Signale an die Wall Street und den globalen Markt

Mit einem klaren Signal an internationale Investoren hat die chinesische Regierung am Dienstag umfassende Reformen zur Öffnung ihrer Kapitalmärkte angekündigt. Beim Global Financial Leaders' Investment Summit in Hongkong betonte Wu Qing, Vorsitzender der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde CSRC, Pekings Entschlossenheit, Investitionsbarrieren abzubauen und den Finanzsektor für ausländisches Kapital attraktiver zu machen. Gleichzeitig soll Hongkong als globales Finanzzentrum gestärkt werden. Am Mittwoch folgten große chinesische Fondsgesellschaften diesem Kurs: Sie senkten die Gebühren für börsengehandelte Fonds (ETFs) um bis zu 70 Prozent – ein Schritt, der den Preiswettbewerb im $400-Milliarden-Markt deutlich verschärft.  Mit Reformen und Preissenkungen signalisiert China, dass es seinen Platz in der globalen Finanzwelt neu definieren und ausbauen will.

Chinas Botschaft an die Wall Street

An dem von der Hongkonger Währungsbehörde HKMA ausgerichteten Gipfeltreffen am Dienstag nahmen die CEOs führender Wall Street-Firmen wie Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley teil. Zhu Hexin, stellvertretender Gouverneur der chinesischen Zentralbank und Leiter der staatlichen Devisenverwaltung, erklärte: „Wir schaffen ein umfassendes, attraktives Geschäftsumfeld für ausländische Investoren und Wirtschaftsführer, die nach China kommen“, und weiter: „Wir heißen ausländische Investoren herzlich willkommen und laden sie ein, am Erfolg der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas teilzuhaben.“ Auch Wu Qing, Vorsitzender der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde, unterstrich Chinas Absicht, durch eine Vertiefung der Kapitalmarktreformen Investitionsbarrieren abzubauen und unterstützende Maßnahmen umzusetzen. Bemerkenswert ist die Auswahl von Hongkong als ein Standort. Die Metropole hat in den vergangenen Jahren an Ansehen eingebüßt. Grund dafür ist das von Peking 2020 verabschiedete Gesetz zur nationalen Sicherheit, das in der Bevölkerung und bei internationalen Beobachtern kontrovers diskutiert wurde. Während westliche Regierungen es als Bedrohung der Autonomie Hongkongs kritisieren, argumentiert die chinesische Regierung, das Gesetz sei notwendig gewesen, um nach den Demokratieprotesten von 2019 die Ordnung wiederherzustellen.

 

 

ETF-Gebühren gesunken

Wie oben bereits beschrieben, haben große chinesische Fondsgesellschaften die Gebühren für ETFs stark nach unten angepasst. Die Verwaltungs- und Depotgebühren sinken um bis zu 70 Prozent. Dieser Vorstoß soll nicht nur die Kosten für Anleger senken, sondern auch das Vertrauen in Chinas Finanzmärkte stärken. ETFs, die Indizes abbilden und weltweit nachgefragt werden, stehen dabei im Zentrum der Bemühungen, Chinas Kapitalmarkt attraktiver und international wettbewerbsfähiger zu machen. China Asset Management Co, der größte ETF-Anbieter des Landes, kündigte Gebührensenkungen für mehrere Produkte an, darunter den China SSE 50-ETF, der die Wertentwicklung der 50 größten und liquidesten Unternehmen abbildet, die an der Shanghai Stock Exchange (SSE) gelistet sind. Die Verwaltungsgebühr sinkt von 0.5 auf 0.15 Prozent, die Depotgebühr auf 0.05 Prozent. Durch die Reform will Peking die Vermögensverwaltung modernisieren und Anlegern den Zugang zu kosteneffizienten Anlageinstrumenten erleichtern. Gleichzeitig soll der Schritt einen Standard für den Markt setzen und andere Anbieter zu ähnlichen Maßnahmen drängen. „Es zeichnet sich ein niedrigerer Preispunkt für ETF-Gebühren ab. Dies könnte in den kommenden Quartalen zu einer weiteren Gebührenkompression führen“, so das Fondsberatungsunternehmen Z-Ben Advisors in einer Mitteilung an seine Kunden.

 

Trump-Sieg sorgt für Spannungen

Die geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA haben sich seit der Wahl Donald Trumps weiter verschärft. Experten rechnen mit einer strikteren Zollpolitik, die den wirtschaftlichen Druck auf Peking erhöht. Mit Deregulierungen will China nun das Geschäftsumfeld verbessern und mehr Kapital anziehen. Auch Chinas Wirtschaft zeigt Schwächen. Zwar stieg das Volumen der Börsengänge in Hongkong laut Dealogic 2024 auf $9.1 Milliarden, nach nur $5.88 Milliarden im Jahr 2023. Doch der Aufschwung bleibt weit hinter dem Rekordjahr 2020 mit $51.6 Milliarden zurück. Die langsame Erholung hat westliche und chinesische Finanzhäuser in den letzten zwei Jahren zu drastischen Maßnahmen gezwungen. Hunderte Stellen im Investmentbanking wurden gestrichen. Auch einige internationale Anwaltskanzleien haben ihre Präsenz im Großraum China stark reduziert oder ganz aufgegeben. Mit Reformen und neuen Anreizen versucht China, die Entwicklung der Finanzmärkte anzukurbeln und das Vertrauen internationaler Investoren zurückzugewinnen. Doch die Herausforderungen bleiben enorm.

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.