BYD ist Marktführer: Tesla verliert E-Auto-Krone
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BYD ist Marktführer: Tesla verliert E-Auto-Krone

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Simeon Koch

Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das vierte Quartal 2023 haben bestätigt, was viele Experten schon in den vergangenen Wochen vermuteten: Elon Musks Tesla wurde in Sachen Verkaufsbilanz vom chinesischen Konkurrenten BYD ausgestochen und büßt damit den Spitzenplatz auf dem Weltmarkt für Elektrofahrzeuge ein. Tesla steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um ganze elf Prozent und übertrumpfte damit nicht nur seine eigenen Rekorde, sondern auch die Erwartungen der Analysten – allerdings bleiben die Verkaufszahlen des ehemaligen Branchenprimus mit 484.507 veräußerten Autos im vierten Quartal deutlich hinter den Statistiken des neuen chinesischen Marktführers zurück, der ganze 526 409 Fahrzeuge absetzte.

Tesla verfehlt Musks Ziel knapp

Für das Jahr 2023 hatte Elon Musk ursprünglich ein Ziel von zwei Millionen verkauften Fahrzeugen ausgerufen, tatsächlich gelangten rund 1.8 Millionen Tesla-Modelle neu auf die Straße. Erst im Sommer versuchte der nordamerikanische Stromer-Gigant, der Konkurrenz aus Fernost durch starke Preissenkungen ein Schnippchen zu schlagen. Tesla schrieb schon damals einen neuen Umsatzrekord, der Gewinn litt aber merklich – ebenso etablierte Marktteilnehmer wie Volkswagen oder Mercedes und zahlreiche Elektro-Start-ups aus dem Reich der Mitte. Den Technologie-Riesen BYD und seine Automobil-Tochter BYD Auto Company konnte Tesla mit dieser Preisschlacht aber nicht kleinhalten, wie die aktuellen Verkaufszahlen offenbaren.

Denn in Sachen Preissenkungen ließ sich auch BYD nicht lumpen und steigerte seinen Umsatz dadurch ebenfalls deutlich. Allerdings sprudle das dafür notwendige Geld aus nicht ganz unabhängigen Quellen und beeinträchtige damit die europäische Wirtschaft, kritisierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im September: „Der Preis dieser Autos wird durch riesige staatliche Subventionen künstlich gedrückt – das verzerrt unseren Markt“. Laut der Kommission kommt ein chinesisches Elektroauto rund 20 Prozent günstiger als vergleichbare, in der EU hergestellte Modelle. Da kommt die Krönung von BYD zum Marktführer nicht überraschend.

Tesla muss billiger werden, BYD expandiert

Ein weiterer Vorteil für BYD: Teslas Preissenkungen dürften nur teilweise freiwillig erfolgt sein, vermuten Experten. Zwar betonte Musk im Sommer, es ergebe „Sinn, Margen zu opfern, um mehr Autos zu bauen“, allerdings bedarf es der Rabatte auch, um die Nachfrage aufrechtzuerhalten, nachdem die Regierung Nordamerikas angekündigt hatte, im Rahmen des Inflation Reduction Acts Steuervergünstigungen für E-Autos schon im nun vergangenen vierten Quartal 2023 und damit deutlich früher als ursprünglich angenommen zu beenden. Bisher hatten die Bürger Nordamerikas Steuergutschriften von mehreren Tausend Dollar erhalten, wenn sie sich ein Tesla-Modell zulegten.

Mit dem Elektro-Zepter in der Tasche schielt BYD nun über den chinesischen Tellerrand hinaus: Im Dezember wurde publik, dass BYD in Ungarn das erste europäische Werk des Konzerns gründen will. Ausländische Produktionsstätten befinden sich bisher in den USA, Brasilien, Japan und Indien. Außerdem soll das Angebot auf dem europäischen Markt erweitert werden: Statt bisher fünf will BYD in unseren Breitengraden künftig acht verschiedene Modelle vertreiben. Schon im Jahr 2026 strebt der chinesische Autoriese in Deutschland Verkaufszahlen im Bereich der 120 000 an, für ganz Europa plant man bis 2030 mit ganzen 800 000 jährlichen Verkäufen.

Als Autos noch ausschließlich mit Benzin fuhren, hatten „chinesische Autokonzerne in Europa, insbesondere auf dem deutschen Markt, keine Chance“, sagte Anfang 2023 der chinesische Autoexperte Zhong Shi. Seit Beginn des Elektrozeitalters habe BYD allerdings „die Möglichkeit, auf dem deutschen Markt zu konkurrieren“. Dabei hilft BYD die eigene Expertise bei der Herstellung von Batterien, dem ursprünglichen Kerngeschäft des 1995 gegründeten Unternehmens. Erst 2002 zog man mit dem Kauf des in wirtschaftliche Schieflage geratenen Konzerns Qinchuan Automobile die Eintrittskarte ins Automobilgeschäft. Die Schallmauer von 100 000 verkauften Fahrzeugen durchbrach BYD im vierten Quartal 2021. Damals wurden im gleichen Zeitraum über 300 000 Tesla-Modelle nachgefragt. Das beliebteste E-Auto in China ist übrigens Teslas Modell Y.

Tesla bleibt bei Vollelektrik vorne

Bei reinen Elektroautos ist Tesla dem chinesischen Aufsteiger, der in Europa erst 2022 seine ersten Modelle an den Mann brachte, dann doch noch überlegen: Zwar verkaufte BYD im vergangenen Jahr insgesamt drei Millionen PKW, davon waren aber nur 1.6 Millionen vollelektrisch. Allein das letzte Quartal schlug mit 400 000 abgesetzten Plug-in-Hybriden zu Buche. Tesla liegt bei reinen E-Fahrzeugen mit 1.8 Millionen Verkäufen noch vorn, für 2024 plant Elon Musk, 2.2 Millionen Fahrzeuge über den Tesla-Tresen gehen zu lassen. Das entspräche einem neuerlich massiven Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nur zum Vergleich: BYD steigerte den Absatz 2023 um schwindelerregende 62 Prozent.

Zwar kommt Tesla mit diesen Plänen nicht an die 38 Prozent Steigerung von 2023 heran, der unternehmenseigenen Aktie dürften solche Aussichten aber guttun – besonders, wenn sie eingehalten werden. Sowohl für Tesla als auch für BYD war das vergangene Jahr nicht nur in der eigenen Firmenbilanz, sondern auch auf dem Aktienmarkt äußerst erfolgreich. Um an den Erfolgsgeschichten aus West und Ost partizipieren zu können, analysieren wir für Sie sowohl den chinesischen als auch den amerikanischen Markt. Schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft.

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Simeon Koch

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