Die Deutsche Bundesbank wagt einen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Eine vollständig digitalisierte Zukunft ohne Bargeld berge Sicherheitsrisiken für alltägliche Finanztransaktionen, warnte Vorstand Burkhard Balz in einer Pressekonferenz Mitte der Woche. Mit einer breiten Kampagne wolle man den gesamtwirtschaftlichen Nutzwert des Bargeldes unterstreichen: „Für uns wird Bargeld immer eine Kernaufgabe bleiben“, bekannte Balz. Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass sich die Bundesbank ab Mai an Experimenten zum Einsatz von Blockchain-Technologie bei Finanztransaktionen beteiligen will. Beide Betätigungsfelder – sowohl Krypto-Technologie als auch das analoge Bargeld – seien von zentraler Bedeutung für ihre Kernaufgaben der Währungssicherung und Aufrechterhaltung eines gesunden Geldsystems, signalisierte die Bundesbank.
Bundesbank plant große Bargeld-Kampagne
In vier Wochen soll die Kampagne für breite Bargeldnutzung in Form des ersten nationalen Bargeldforums anlaufen. Erwartet werden dazu Vertreter des Handels, Entscheidungsträger aus dem Bankensektor und politischer Behörden. In Vorbereitung darauf veröffentlichte die Bundesbank am Mittwoch eine Studie über die Nutzung von Bargeld in der Zukunft. Konkret geht es dabei um drei unterschiedliche Szenarien für das haptische Bezahlen im Jahr 2037. Laut Vorstand Burkhard Balz wolle man auf diese Weise „eine Vorstellung davon erhalten, in welchem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld Bargeld zukünftig eingebettet ist, um daraus Handlungsoptionen abzuleiten“.
Die skizzierten Zukunftsbilder sollen „einen Beitrag dazu leisten, dass die richtigen Weichenstellungen vorgenommen werden, damit Bargeld auch künftig ein attraktives, allgemein verfügbares und akzeptiertes Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel ist“, führte Balz weiter aus. Im ersten Szenario, das von einer „hyperdigitalen Bezahlwelt“ ausgeht, ist auf der Webseite der Bundesbank die Rede von einer computerisierten Gesellschaft, in der Bargeld „aus dem Alltag der meisten Menschen beinahe verschwunden“ sei. Geopolitische Umwälzungen und technologischer Fortschritt hätten den Umgang mit Finanzen verändert. Dank Künstlicher Intelligenz seien „alle Lebensbereiche, auch das Bezahlen“ in diesem Entwurf weitestgehend digitalisiert. Bankfilialen und Geldautomaten seien faktisch ausgestorben, im Handel und für Dienstleistungen werde kaum noch bar bezahlt.
Kommt die „Bargeld-Renaissance“?
Im zweiten Szenario extrapoliert die Bundesbank eine „Bezahlwelt in der Bargeld-Renaissance“ mit einer kollektiven Rückbesinnung auf das Bargeld und seine Vorzüge. Auslöser für einen etwaigen monetären Retro-Trend könnten demnach globale Lieferkettenprobleme und dadurch geförderter Konsum regionaler Güter sein. Außerdem wachse „das Bewusstsein in der Bevölkerung, sich auf Katastrophen und Krisensituationen vorzubereiten“, wie die Bundesbank prophezeit. Zugute komme dem Bargeld, dass es Bezahlungen „unkompliziert und schnell“ mache. In diesem zweiten Szenario sinke die Bargeldnutzung zwar innerhalb der nächsten Jahre, stabilisiere sich aber in den 2030ern.
Eine „verschwindende hybride Bezahlwelt“ schließlich postuliert das dritte und letzte Szenario aus der Bundesbank-Studie. Auch hier schreiten Digitalisierung und technologische Innovation in allen Bereichen der Gesellschaft und vor allem im Bankensektor rasant voran, diesmal sei es aber „sehr stark von den Lebensumständen und Einstellungen der Menschen abhängig“, ob und wieviel Bargeld benutzt werde. Konsumenten werde in diesem Szenario sowohl von Banken als auch im Handel nahegelegt, auf digitale Transaktionen umzusteigen, Bargeld verliere sukzessive die Funktionalität. Abgeleitet sei diese Prognose, ebenso wie die beiden anderen, „aus Interviews mit Wissenschaftlern, Bargeldakteuren, Notenbanken und Sozialverbänden sowie einer umfassenden Literaturrecherche“, wie die Bundesbank erläuterte.
Bargeldnutzung stark rückläufig – kommt jetzt Krypto?
Zwar verschwinde das Bargeld „in keinem Zukunftsszenario komplett“, die Studie zeige aber, „dass der Erhalt und die breite Verwendung des Bargelds kein Selbstläufer“ seien, warnt Bundesbankchef Balz. Um die Selbstbestimmung der Konsumenten zu wahren – schließlich gaben laut Balz „93 Prozent der Befragten an, dass sie auch in Zukunft selbst entscheiden möchten, ob sie bar oder unbar bezahlen“ – werde die Bundesbank künftig in ihr Filialnetz investieren und über Umfragen in den Dialog mit der Bevölkerung treten. Damit wolle man dem gesetzlichen Auftrag gerecht werden, „in Deutschland jederzeit ausreichend Euro-Bargeld in hoher Qualität bereitzustellen“. Dabei ist die allgemeine Bargeldnutzung schon seit mehreren Jahren rückläufig. Die jüngsten Daten der regelmäßigen Bundesbank-Untersuchungen zum Zahlungsverhalten stammen von 2021. Damals wurden 58 Prozent der Käufe bar bezahlt. Vier Jahre vorher waren es noch fast 75 Prozent, im vergangenen Jahr dürfte diese Quote laut Berechnungen des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI unter 40 Prozent fallen.
Während sie also analoge Tradition zu schützen versucht, lotet die Bundesbank gleichzeitig digitale Transaktionsmodelle der Zukunft aus. Wie am Donnerstag bekannt wurde, wird man ab Mai an konkreten Experimenten zum Einsatz von Krypto-Technologie bei Überweisungen teilnehmen. Laut Vorstand Burkhard Balz verspreche man sich davon „wichtige Einblicke in den Nutzen, die Vorteile und die Implikationen von alternativen Technologien im Zahlungsverkehr“. Dazu hat die Bundesbank ein Verfahren entwickelt, das eine Schnittstelle schafft zwischen der Distributed-Ledger-Technologie (DLT), also der dezentralen Transaktionsprüfung, auf die auch Blockchains zurückgreifen, und dem bestehenden Zahlungssystem der Euro-Notenanken. Ob man dafür mit einem etablierten Fintech aus dem Krypto-Bereich zusammenarbeitet, wurde nicht verraten.
EZB: Werden Blockchain-Lösungen zum Banken-Standard?
Die Bundesbank setzt mit der Vorbereitung auf die breite Adaption der Krypto-Technologie einen Trend fort, den die Europäische Zentralbank (EZB) bereits vor einigen Jahren eingeleitet hatte. Im November 2023 begann nach einer zweijährigen Untersuchung die Vorbereitungsphase für den digitalen Euro, die sich wiederum über einige Jahre erstrecken soll. Eine Blockchain-Lösung wird dabei konkret in Erwägung gezogen, die finale Entscheidung sei diesbezüglich aber noch nicht gefallen, heißt es vonseiten der Währungshüter. Kürzlich erst kündigte die EZB allerdings an, bei der Verrechnung von großen Finanztransaktionen die Nutzung von Krypto-Technologie vorzubereiten. Europäische Banken gehen laut EZB-Angaben davon aus, dass Blockchain-Technologie in den nächsten fünf bis zehn Jahren bei Großbetragszahlungen weit verbreitet sein wird, wodurch Krypto-Anwendungen weitere Verbreitung fänden. Welche Investitionschancen sich vor diesem Hintergrund über die nächsten Jahre im Kryptomarkt bieten, erfahren Sie in unserem beliebten Altcoin-Paket.




