Das Wichtigste in Kürze:
- CAPE-Ratio knapp unter 40 – zweithöchster Wert der Geschichte.
- Systematische Fonds bauen 36 Milliarden US-Dollar an investiertem Kapital ab.
- Iran-Konflikt und Öl befeuern Inflations- und Zinssorgen.
Ein Bewertungsniveau wie vor dem großen Knall
Die Alarmglocken an der Wall Street schrillen immer lauter. Ein zentraler Indikator für die langfristige Bewertung des Aktienmarktes, der Shiller CAPE-Ratio, steht für den S&P 500 aktuell bei knapp unter 40. Dies ist das zweithöchste Niveau, das jemals gemessen wurde. Historisch gesehen wurde ein solch extremes Level nur zweimal zuvor erreicht: unmittelbar vor dem Ausbruch der Großen Depression 1929 und auf dem Höhepunkt der Dot-Com-Blase im Jahr 2000. Beide Male folgten verheerende Börsencrashs, die die Vermögen von Millionen Anlegern vernichteten.
Der CAPE-Ratio (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio) geht auf den Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller und seinen Kollegen John Campbell zurück, die ihn in den 1980er-Jahren entwickelten. Im Gegensatz zum klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnis, das nur die Gewinne des vergangenen Jahres heranzieht, glättet der CAPE-Ratio die Unternehmensgewinne über einen inflationsbereinigten Zeitraum von zehn Jahren. Das macht ihn deutlich weniger anfällig für kurzfristige Gewinnspitzen oder -einbrüche und liefert ein realistischeres Bild der langfristigen Bewertung.
Entwicklung des S&P500 und der Shiller-CAPE Ratio von 1998 bis 2026
Sein Track-Record ist beeindruckend: Jedes Mal, wenn der CAPE-Ratio historisch extreme Niveaus erreichte, folgte in den darauffolgenden Jahren eine deutliche Marktkorrektur.
Milliarden werden abgezogen
Die nervöse Stimmung ist bereits spürbar. Wie MarketWatch berichtet, haben große systematische Fonds, die ihre Entscheidungen auf Basis von Algorithmen und Markttrends treffen, begonnen, ihre Positionen zu reduzieren. Laut einem Bericht von Goldman Sachs sind diese Fonds bereit, rund 36 Milliarden US-Dollar an investiertem Kapital in US-Aktien abzubauen.
S&P500 und Volatilitätsausbrüche: Historische Krisen und Markschocks von 2000 bis 2026
Gleichzeitig steigen die Kosten für Absicherungen. Der Volatilitätsindex VIX, auch als Angstbarometer der Wall Street bekannt, notierte zuletzt über 27 – ein Niveau, das deutlich über dem langfristigen Durchschnitt liegt und auf erhöhte Unsicherheit unter Marktteilnehmern hindeutet.
Geopolitik, Öl und Geldpolitik: Ein gefährliches Dreieck
Zusätzlich zu den überhitzten Bewertungen wird die Lage durch externe Schocks verschärft. Der eskalierende Konflikt mit dem Iran und die damit verbundenen Sorgen vor einem Anstieg der Ölpreise wirken wie ein Brandbeschleuniger für die bereits vorhandene Marktangst. Der entscheidende Mechanismus dahinter ist geldpolitischer Natur: Extreme Bewertungen wie die aktuelle entstehen und halten sich in der Regel nur in einem Umfeld lockerer Geldpolitik, also niedriger Zinsen und reichlicher Liquidität.
Steigen die Ölpreise infolge des Konflikts stark an, droht ein Inflationsschub, der die Zentralbanken zu einer erneuten Straffung der Geldpolitik zwingen könnte. Genau in solchen Phasen – wenn Kapital teurer wird und die Liquidität sinkt – neigen überbewertete Märkte dazu, scharf zu korrigieren. Es ist dieses Zusammenspiel aus historisch hohen Bewertungen, geopolitischer Unsicherheit und dem latenten Risiko eines Inflationsanstiegs, das die aktuelle Marktlage so komplex macht.
Ob und wann eine stärkere Korrektur einsetzt, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Was sich sagen lässt: Die Kombination dieser Faktoren macht den Markt anfälliger als in den meisten anderen Phasen der vergangenen Jahrzehnte. Alle möglichen Szenarien erhalten Sie in unseren Analysen. Mehr dazu hier.
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FAQ
Was ist der Shiller CAPE-Ratio?
Der CAPE-Ratio ist eine von Nobelpreisträger Robert Shiller entwickelte Kennzahl, die das Kurs-Gewinn-Verhältnis über einen inflationsbereinigten Zeitraum von zehn Jahren glättet und so ein realistischeres Bild der langfristigen Marktbewertung liefert.
Warum ziehen systematische Fonds Geld ab?
Diese Fonds folgen vordefinierten Regeln und reagieren auf steigende Volatilität und negative Markttrends, indem sie automatisch ihre Aktienpositionen reduzieren, um Verluste zu begrenzen.





