Er gilt als Hardliner. Eher rechts als rechtskonservativ. Ein cleverer Kopf mit harten Meinungen und starren Ansichten – außer, wenn es um Donald Trump geht: Mit 39 Jahren ist James David Vance ein ungewöhnlich junger Kandidat auf den Posten des Vizepräsidenten. Dennoch wählte seine republikanische Partei den Senator aus dem US-Bundesstaat Ohio zum zweiten Mann hinter Galionsfigur Donald Trump für die Wahl im November. Selbst unter Republikanern ist J.D. Vance, der sich aus einer armen Familie zum Yale-Absolventen und Fonds-Manager hocharbeitete, umstritten. Aus der Wirtschaft bekommt er trotzdem namhafte Unterstützung – etwa vom Silicon-Valley-Veteranen Peter Thiel, der PayPal und Palantir mit aufbaute. Und auch Elon Musk gratulierte zur Aufstellung von Vance für den Stuhl des Vizepräsidenten. Wirtschaftspolitisch ticken Trump und Vance ähnlich und könnten mit vereinten Kräften für Aufruhr in den Weltmärkten sorgen. Im Zentrum steht – wenig überraschend – Amerika. Das könnte zumindest dem US-Markt sowie Bitcoin und Co. kurzfristig guttun. Über die fernere Zukunft sind Experten geteilter Meinung.
Trump und Vance: Boomen Bitcoin und die Wirtschaft?
Das fehlgeschlagene Attentat auf Donald Trump ist erst wenige Tage her – und doch hat sich wirtschaftlich und politisch schon so einiges verändert. Trump scheint dank der heroischen Bilder kurz nach dem Mordanschlag die Nase im Rennen mit seinem Widersacher und Amtsinhaber Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl nun klar vorn zu haben. Unterstützt wird Trump mittlerweile offen von Elon Musk, der sich auch positiv zur Nominierung von J.D. Vance als Vize äußerte. Offiziell ins Rennen geschickt wurden Trump und Vance vor wenigen Stunden auf einer Großveranstaltung der Republikaner in Milwaukee. Vance gilt als Tech-Kenner und Freund des Krypto-Sektors. Deshalb steigerte seine parteiinterne Wahl vor wenigen Stunden gleich auch die Euphorie um Bitcoin und Co., die nach der Rallye der letzten zwei Tage schlagartig zurückzukehren scheint. Aber nicht nur der Kryptomarkt fasst Trumps gesteigerte Wahlchancen positiv auf. Und das hat gute Gründe, die in Trumps Wahlprogramm und seiner letzten Amtszeit zu finden sind.
Trump ist bekannt für Steuersenkungen und Deregulierungsmaßnahmen – also geringe politische Einflussnahme auf den Markt. Diese Maßnahmen können die Gewinne großer Unternehmen erhöhen und indirekt die Aktienkurse begünstigen. Jürgen Matthes, Leiter der internationalen Wirtschaftspolitik beim IW Köln, prognostizierte kürzlich im Interview mit der Tagesschau positive Effekte auf den Aktienmarkt: „Trump dürfte als Republikaner eine wirtschaftsfreundliche Politik machen, möglicherweise die Steuern erneut senken.“ Mehr noch: „Trumps Politik kurbelt in den USA die Wirtschaft an und dürfte an der Börse positiv wirken.“ In Trumps erster Amtszeit stieg der amerikanische Aktienindex S&P 500 trotz einiger Volatilit um rund 70 Prozent. Nach Ansicht des Anlagestrategen Lück hatte das aber nicht nur mit Trump zu tun – so hätten etwa die expansive Geldpolitik und das starke Wachstum der Weltwirtschaft ihr Übriges geleistet.
„Das beste Land der Welt, Baby!“
Und genau so ein Szenario könnte den Märkten nun wieder bevorstehen. Schließlich haben einige wichtige Zentralbanken mit der Europäischen Zentralbank an der Spitze bereits begonnen, ihre Leitzinsen zu senken. Die nordamerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) dürfte in wenigen Wochen nachziehen. Berüchtigt war Trump während seiner Amtszeit als US-Präsident auch für Strafzölle und Handelsbeschränkungen, etwa im Konflikt mit China. Trumps protektionistische Handelspolitik, einschließlich erhöhter Importzölle, könnte die heimische Produktion fördern und so die Aktienmärkte unterstützen. Internationalen Handelsbeziehungen wäre das freilich nicht zuträglich. Das aber ist Trump nicht so wichtig wie die heimische Industrie – vor allem im Ölsektor, den er wiedererstarken lassen will. Diese Maßnahmen könnten besonders der inländischen Industrie zugutekommen, die im Dow Jones stark vertreten ist, und die Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen stärken.
Mit der Auswahl von J.D. Vance als Kandidat für die Vizepräsidentschaft unter Trump könnte sich die wirtschaftliche Ausrichtung der potenziellen zweiten Trump-Administration weiter konkretisieren. J.D. Vance vertritt ähnliche wirtschaftliche Ambitionen wie Trump. Vance unterstützt Trumps protektionistische Handelspolitik und setzt sich für Zölle auf Importe ein, um die US-amerikanische Fertigung und Arbeitsplätze zu schützen. Isaac Boltansky, Direktor der Politikforschung bei der Investmentbank BTIG, betonte rund um Vances Nominierung: „Angesichts der Tatsache, dass Vance ein überzeugter Anhänger von Trumps protektionistischer Handelspolitik ist, ist diese Wahl nur das jüngste Anzeichen dafür, dass der Handel ganz oben auf Trumps Agenda stehen wird, wenn er ins Weiße Haus zurückkehrt.“ Ein hochrangiger Mitarbeiter von Peter Thiels Investmentfonds Founders Fund schrieb auf Social Media über Vance: „Wir haben ein ehemaliger Tech-Investor im Weißen Haus. Das ist das beste Land der Welt, Baby!“
Attackiert Vance Google und Co.?
Diese Freude aber könnte verfrüht sein. Vance beäugt große Technologiekonzernen kritisch und unterstützt Maßnahmen zur Bekämpfung ihrer Monopolstellung. Dies könnte zu einer intensiveren Regulierung und möglicherweise zu einem Bruch mit den Interessen der größten US-Technologieunternehmen führen. In der Vergangenheit legte sich Vance etwa mit der Google-Tochter Alphabet an und forderte deren Zerschlagung. Dennoch erwartet Experte Boltansky „Tauwetter in der M&A-Regulierungslandschaft“, also bei Zusammenschlüssen und Übernahmen von großen Unternehmen. Das könnte sich trotz Vances möglicherweise strenger Politik gegenüber großen Konzernen als „vorteilhaft für die Geschäftsaktivitäten“ erweisen. Bei Vances Meinungsstärke ist es fast schon verblüffend, dass er überhaupt an der Seite Donald Trumps antritt. Noch im Wahlkampf 2016, den Trump schlussendlich für sich entscheiden konnte, gehörte Vance zu den erbittertsten Kritikern innerhalb der eigenen Partei. Sogar einen Hitler-Vergleich soll Vance damals gezogen haben.
Diese Meinung aber änderte Vance sukzessive – und darf deshalb den nächsten Meilenstein in seinem beeindruckenden Werdegang feiern, der von Armut als Kind in Ohio bis hin zum heutigen Status eines erfolgreichen Geschäftsmanns und US-Senators reicht. Vance hat zudem eine erfolgreiche Karriere in der Technologie- und Finanzbranche hinter sich, die ihn zum Multimillionär gemacht hat. Seine wirtschaftlichen Ansichten betonen die Selbstverantwortung der Bürger und die Notwendigkeit, unabhängig von staatlichen Programmen zu sein. Gleichzeitig unterstützt er Handelsstrategien, die die heimische Wirtschaft stärken sollen, was bei Wählern in wirtschaftlich schwachen Regionen gut ankommt. Trump lobte Vance für seine „sehr erfolgreiche Geschäftskarriere in Technologie und Finanzen." Vance hat in verschiedenen Startups investiert, darunter in konservative Plattformen und innovative Technologien. In Sachen Zölle sind Trump und Vance weitgehend auf einer Linie. So sagte der mögliche angehende Vizepräsident unlängst in einem Interview: „Ich stimme zu, dass wir einige breit angelegte Zölle erheben müssen, insbesondere auf Waren, die aus China kommen, und nicht nur auf Solarpaneele und Elektroautos“.




