Sie kennen das vielleicht: Der Bitcoin-Kurs steigt plötzlich in rasantem Tempo und alle reden davon. Kaum hat man sich gefreut, rauscht er wieder nach unten und im Bauch macht sich dieses mulmige Gefühl breit. Für manche ist es purer Nervenkitzel, für andere ein Grund zur Panik. Genau dieses Wechselbad der Gefühle ist es, was Bitcoin so einzigartig macht. Und eine wissenschaftliche Studie hat untersucht, warum Menschen so unterschiedlich darauf reagieren.
Bitcoin-Typen: Ein Blick in die Forschung
2019 führten Forscher in Seoul eine Studie mit mehr als 300 Teilnehmern durch. Darunter waren Bitcoin-Anleger, Aktien-Investoren und Personen ohne Investment-Erfahrung. Ziel war es herauszufinden, ob sich Bitcoin-Anleger psychologisch von klassischen Aktien-Investoren unterscheiden. Wichtig ist: Die Studie konzentrierte sich auf psychologische Muster. Angaben zu Alter, Geschlecht oder Herkunft der Teilnehmenden wurden nicht veröffentlicht. Das bedeutet, die Ergebnisse geben zwar spannende Einblicke in Verhaltensunterschiede, lassen sich aber nicht nach demografischen Gruppen differenzieren.
Die Untersuchung wurde 2020 im Fachjournal Frontiers in Psychology veröffentlicht und nutzte verschiedene Fragebögen, um Persönlichkeit, Emotionen und Verhalten zu erfassen. Abgefragt wurden unter anderem die „Fear of Missing Out“ (FOMO), also die Angst, etwas zu verpassen, die Neigung zu impulsivem Handeln und sogar die Nähe zu Glücksspiel.
Bitcoin-Studie: Was die Ergebnisse zeigen
Die Studie wollte herausfinden, warum manche Menschen in Kryptowährungen investieren, während andere lieber bei Aktien bleiben. Die Ergebnisse zeigen, dass es dabei weniger um Zufall geht, sondern um klare Muster im Verhalten.
Bitcoin-Anleger handeln häufiger und mit kleineren Beträgen, sie halten ihre Positionen kürzer und verkaufen schneller. Im Vergleich zu Aktien-Investoren nehmen sie prozentual häufiger Verluste in Kauf. Dahinter steht ein stärkerer Risikohunger und die Neigung, impulsiv zu reagieren. Besonders deutlich zeigte sich auch die Rolle von FOMO.
Risikohunger bei Bitcoin-Anlegern: Abenteuer an den Märkten
Das stärkste Signal der Studie war die Risikofreude der Menschen. Bitcoin-Anleger sind, salopp gesagt, die Abenteurer an den Märkten. Sie lieben das Neue, das Unberechenbare, den Kick. Psychologen nennen dieses Verhalten „Novelty Seeking“. Übersetzt in den Anlagealltag heißt das: Man steigt eher in Phasen extremer Schwankungen ein, akzeptiert größere Ausschläge und hofft auf den großen Wurf. Aktienanleger ticken im Schnitt konservativer. Sie bauen lieber am Fundament, vergleichen Zahlen, planen in Jahren statt in Stunden.
Das ist keine Wertung, sondern ein Kompass. Denn wer innerlich auf Tempo programmiert ist, fühlt sich in Krypto wohler. Wer Stabilität sucht, wird mit klassischen Titeln ruhiger schlafen. Was außerdem so spannend ist: Die Daten legen nahe, dass Krypto-Fans weniger auf Harmonie gepolt sind und stärker ihren eigenen Weg gehen. Genau diese Eigenwilligkeit treibt sie in Märkte, die andere meiden, und bringt sowohl Chancen als auch Blessuren mit sich.
FOMO bei den Bitcoin-Anlegern: Der Druck aus dem Feed
Der zweite Motor heißt FOMO – die Angst, etwas zu verpassen. Stellen Sie sich Ihren Feed vor: „Mein Coin hat sich verdoppelt!“, „Hätte ich doch vor drei Wochen gekauft!“ Solche Posts verwandeln Neugier in Druck. Bei Bitcoin ist dieser Druck besonders fies, weil die Kurse in kurzen Schüben springen und jeder Anstieg wie der letzte Zug wirkt, der gleich den Bahnhof verlässt. Die Studie zeigt ganz klar: Anleger – ob Krypto oder Aktie – haben mehr FoMO als Nicht-Anleger.
Im Krypto-Umfeld trifft FOMO auf ein perfektes Echo: rund um die Uhr geöffnete Märkte, einfache Apps, Push-Nachrichten, Foren. Aus interessant wird rasch ich muss jetzt. Das Gefühl, zurückzubleiben, ist ein mächtiger Antreiber, aber leider auch ein schlechter Ratgeber. FOMO schiebt Anleger in Entscheidungen, die man ohne Lärm nie treffen würde. Wer das erkennt, der hat schon gewonnen! Nicht jeder Zug fährt nur einmal. Oft fährt er stündlich und wer den Fahrplan kennt, steigt entspannter ein. FOMO ist daher kein Schicksal, sondern ein Signal: anhalten, atmen, dann entscheiden.
Bitcoin-Typ Risiko: Kurzfristig handeln, langfristig zahlen?
Die Studie zeigt deutlich, wie Bitcoin-Anleger unter Risiko und FoMO reagieren. Sie investieren häufiger kleinere Beträge, handeln öfter und halten ihre Positionen kürzer. Das erinnert an Daytrading, also viele kleine Wetten auf schnelle Kursbewegungen.
Das Problem dabei ist offensichtlich. Je mehr Transaktionen durchgeführt werden, desto höher fallen die Gebühren aus und desto größer ist die Gefahr, Fehlentscheidungen zu treffen. In der Summe entstehen so Verluste. Genau an diesem Punkt greift ein weit verbreitetes Muster: Statt einen Stopp einzulegen, erhöhen viele den Einsatz, um Verluste zurückzugewinnen. Dieser Reflex macht das Investieren besonders risikoreich.
Interessant ist auch, dass viele Anleger weitermachen, obwohl sie selbst eher mit fallenden Kursen rechnen. Der Grund dafür liegt im Tempo. Schnelle Bewegungen vermitteln kurzfristig Erfolg, bis der Markt plötzlich in die andere Richtung läuft. Wer diesen Mechanismus versteht, kann gezielt gegensteuern. Hilfreich ist es, kleinere Positionen zu wählen, Pausen einzulegen und feste Regeln vor jedem Investment aufzustellen. Kurzfristiges Handeln kann durchaus eine Strategie sein, doch es erfordert deutlich mehr Disziplin, als es auf den ersten Blick scheint.
Fünf Regeln für klügeres Investieren als Bitcoin-Anleger
Was heißt das für Sie ganz genau?
Erstens: Sie sollten sich über Ihr eigenes Profil im Klaren sein. Sind Sie der Kick-Typ oder der Plan-Typ? Beides ist vollkommen in Ordnung, aber die Strategie muss zur eigenen Persönlichkeit passen.
Zweitens: Außerdem ist es wichtig, die FoMO zu zähmen. Legen Sie feste Momente fest, an denen Sie Entscheidungen prüfen, und halten Sie sich daran, um nicht aus reiner Emotion heraus zu handeln.
Drittens: Es empfiehlt sich, Regeln aufschreiben: Wann steigt man ein, wann wieder aus, und welches maximale Verlustlimit akzeptiert man? Solche Vorgaben mögen trocken wirken, können aber im entscheidenden Moment das Portfolio retten, wenn Gefühle überhandnehmen.
Viertens: Man sollte bewusst das Tempo drosseln. Weniger Trades, dafür ein längerer Atem und die Möglichkeit, mit mehr Gelassenheit zu agieren, bringen oft mehr Stabilität als ständiges Handeln.
Fünftens: Es ist ebenso wichtig, Probleme frühzeitig zu erkennen. Sobald der Handel beginnt, nicht nur Geld, sondern auch Arbeit oder gar Beziehungen zu belasten, ist das kein normales Marktrauschen mehr, sondern ein ernstes Warnsignal, das man nicht ignorieren sollte.
Der Mehrwert der Studie ist simpel: Nicht die Märkte machen uns nervös, sondern wir selbst. Wer die eigenen Muster erkennt, trifft ruhigere, bessere Entscheidungen. Gewinne entstehen selten in Hektik, sondern im Klaren. Das ist keine Einladung zum Zögern, sondern zur Haltung bewusst zu handeln, statt blind zu reagieren. Egal, ob bei Bitcoin oder bei Aktien.
Und jetzt sind Sie dran!
Welcher Bitcoin-Investor-Typ Sind Sie?
Wollten Sie schon immer wissen, welcher Bitcoin-Investor-Typ in Ihnen steckt? Beantworten Sie die folgenden Fragen, entscheiden Sie sich dabei jeweils für eine Antwort und notieren Sie Ihre Punkte. Am Ende erfahren Sie, ob Sieeher der entspannte Stratege, der neugierige Gelegenheits-Investor, der nervöse FoMO-Typ oder doch der risikofreudige Zocker sind. Dieses Quiz basiert auf einer wissenschaftlichen Studie, aber nehmen Sie das Ergebnis bitte nicht zu ernst. Es soll Ihnen nur eine kleine Orientierung geben, denn am Ende bleibt jede Anlagestrategie individuell und hängt von vielen persönlichen Faktoren ab.
Frage 1: Wie reagieren Sie, wenn der Bitcoin-Kurs plötzlich 20 Prozent fällt?
A) Ich bleibe entspannt – das gehört dazu. → 1 Punkt
B) Ich verkaufe sofort, um weitere Verluste zu vermeiden. → 2 Punkte
C) Ich kaufe nach, um Verluste wieder reinzuholen. → 4 Punkte
D) Ich werde nervös, zögere lange und schaue ständig in die App. → 3 Punkte
Frage 2: Wie lange planen Sie Ihr Investment?
A) Jahre → 1 Punkt
B) Monate → 2 Punkte
C) Tage → 4 Punkte
D) Ich habe keinen klaren Plan, entscheide spontan → 3 Punkte
Frage 3: Wie hoch ist Ihr typischer Einsatz?
A) Größere Summen, die ich liegen lasse → 1 Punkt
B) Kleine Beträge zum Ausprobieren → 2 Punkte
C) Viele kleine Trades hintereinander → 4 Punkte
D) Unterschiedlich – je nachdem, was gerade im Trend ist → 3 Punkte
Frage 4: Was motiviert Sie am meisten?
A) Ich glaube an die langfristige Entwicklung von Bitcoin. → 1 Punkt
B) Ich will Teil des Trends sein, ohne großes Risiko. → 2 Punkte
C) Nervenkitzel und schnelle Gewinne. → 4 Punkte
D) Angst, etwas zu verpassen (FoMO). → 3 Punkte
Frage 5: Wie oft checken Sie den Kurs am Tag?
A) Einmal oder gar nicht → 1 Punkt
B) Alle paar Stunden → 2 Punkte
C) Mehrmals pro Stunde → 4 Punkte
D) Immer, wenn’s piept – fast zwanghaft → 3 Punkte
Frage 6: Wie gehen Sie mit Verlusten um?
A) Ich bleibe bei meiner Strategie. → 1 Punkt
B) Ich akzeptiere sie und investiere irgendwann neu. → 2 Punkte
C) Ich erhöhe meinen Einsatz, um es wieder reinzuholen. → 4 Punkte
D) Ich verkaufe panisch, auch mit Verlust. → 3 Punkte
Frage 7: Wie treffen Sie Ihre Entscheidungen?
A) Mit Plan und Recherche → 1 Punkt
B) Spontan, wenn ich mal Zeit habe → 2 Punkte
C) Schnell, aus dem Bauch heraus → 4 Punkte
D) Emotional, wenn andere darüber reden → 3 Punkte
Frage 8: Welche Headlines sprechen Sie am meisten an?
A) „Bitcoin auf Allzeithoch: Lohnt sich langfristiger Einstieg?“ → 1 Punkt
B) „So einfach kannst du Bitcoin mit wenig Geld testen“ → 2 Punkte
C) „Schnelle Gewinne mit Daytrading“ → 4 Punkte
D) „Alle reden über Bitcoin: Solltest du jetzt auch investieren?“ → 3 Punkte
Frage 9: Wie viel Zeit pro Woche verbringen Sie mit Ihrem Investment?
A) Weniger als 1 Stunde → 1 Punkt
B) 1–3 Stunden → 2 Punkte
C) Jeden Tag mehrere Stunden → 4 Punkte
D) Unregelmäßig, mal gar nicht, mal exzessiv → 3 Punkte
Frage 10: Wie würden Sie Ihre Persönlichkeit beschreiben?
A) Geduldig, diszipliniert → 1 Punkt
B) Neugierig, aber zurückhaltend → 2 Punkte
C) Risikofreudig, abenteuerlustig → 4 Punkte
D) Unsicher, leicht beeinflussbar → 3 Punkte
Auswertung
Addiere alle Punkte zusammen:
10–15 Punkte → Der Stratege
16–23 Punkte → Der Gelegenheits-Investor
24–31 Punkte → Der Ängstliche / FoMO-Investor
32–40 Punkte → Der Zocker / Impulsive Trader
Die Typen im Detail
Der Stratege
Der Stratege ist geduldig und diszipliniert. Er investiert meist größere Summen, die er über Jahre hinweg liegen lässt. Kursschwankungen lassen ihn kalt, sie gehören für ihn zum Markt dazu. Statt panisch zu reagieren, hält er an seinem Plan fest und betrachtet Rücksetzer sogar als günstige Gelegenheit zum Nachkaufen. Seine Stärke liegt in seiner Ruhe und Gelassenheit, die ihn vor unüberlegten Entscheidungen schützt. Gleichzeitig kann ihm diese Haltung aber auch Chancen im kurzfristigen Handel entgehen lassen. Sein Motto: „Zeit im Markt schlägt Market-Timing.“
Der Gelegenheits-Investor
Der Gelegenheits-Investor ist neugierig, aber entspannt. Er investiert kleine Beträge, probiert Dinge aus und verfolgt den Markt nur hin und wieder. Für ihn steht das Ausprobieren im Vordergrund, nicht die Maximierung von Gewinnen. Seine Stärke liegt darin, dass er sich nicht verrückt machen lässt und wenig Risiko eingeht. Schwächen zeigt er dagegen in der fehlenden Strategie – oft verpasst er Chancen, weil er nicht konsequent genug ist. Sein Motto: „Ein bisschen dabei sein reicht mir.“
Der Ängstliche / FoMO-Investor
Der ängstliche Investor wird stark von Emotionen getrieben. Sobald Bitcoin in aller Munde ist, steigt er ein – oft aus Angst, etwas zu verpassen. Doch dieselbe Angst führt auch zu schnellen Panikverkäufen, sobald der Kurs fällt. Er schaut ständig auf den Chart, vergleicht sich mit anderen und ist innerlich hin- und hergerissen zwischen Euphorie und Verunsicherung. Seine Wachsamkeit kann zwar ein Vorteil sein, doch die ständige Nervosität macht es schwer, an einer klaren Strategie festzuhalten. Sein Motto: „Ich will nichts verpassen, aber bitte auch nichts verlieren.“
Der Zocker / Impulsive Trader
Der Zocker lebt für den Nervenkitzel. Er liebt schnelle Entscheidungen, jagt Verlusten hinterher und scheut kein Risiko. Für ihn ist Bitcoin weniger ein langfristiges Investment, sondern eher ein Spielfeld, auf dem er sein Glück versucht. Gewinne motivieren ihn, Verluste treiben ihn zu noch mehr Trades an. Seine Stärke ist sein Mut – er reagiert schnell und nutzt jede Gelegenheit. Gleichzeitig ist er anfällig für impulsives Verhalten, das ihn
immer wieder ins Minus stürzen kann. Sein Motto: „No risk, no fun!“
Der Artikel wurde von unseren Autorinnen Muriel Ayari und Esma Sakalli verfasst.




