Bitcoin dominiert, Altcoins holen auf: Coinbase mit Rekord-Quartal
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Bitcoin dominiert, Altcoins holen auf: Coinbase mit Rekord-Quartal

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Simeon Koch

Dass der Kryptomarkt nach der Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten aus seinem sommerlichen Dornröschenschlaf erwacht ist, blieb wohl kaum jemandem verborgen. Wie fulminant das Interesse an Bitcoin und Co. im letzten Viertel des Vorjahres zurückgekehrt ist, lässt sich an den Quartalszahlen der größten börsengelisteten Krypto-Plattform Coinbase ablesen. Der US-Marktführer überraschte mit einem kräftigen Gewinnsprung, den selbst optimistische Analysten nicht vorhersahen. Noch deutlicher als Umsatz und Profit schoss das Handelsvolumen in die Höhe. Bemerkenswert ist die rasant wachsende Nachfrage von Kleinanlegern. Und auch eine Verschiebung in der Nachfrage nach bestimmten Kryptowährungen scheint verheißungsvoll: Ähnliche Muster zeigten sich zuletzt im Jahr 2021 – als die bisher letzte große Altcoin-Season Fahrt aufnahm.

Zyklushoch bei Gewinn und Umsatz

„Der Beginn einer neuen Krypto-Ära“: Unter diesem Motto stand die Präsentation der jüngsten Quartalszahlen der Krypto-Börse Coinbase. „Die Stimme des Kryptomarktes war bei den US-Wahlen klar und deutlich zu hören“, hieß es im zugehörigen Statement, „die Ära der zwangsweisen Regulierung, die unsere Industrie in den Vereinigten Staaten gehemmt hat, geht zu Ende“. Im Hause Coinbase tut sie das mit einem bilanziellen Paukenschlag: Satte 6.6 Milliarden US-Dollar setzte die Börse im abgelaufenen Jahr 2024 um, stolze 2.6 Milliarden Dollar blieben als Nettogewinn übrig. Allein diese Gewinnmarge dürfte andere Unternehmen dieser Größenordnung vor Neid erblassen lassen, dabei versteht man die Tragweite dieser Zahlen erst beim verblüffenden Vergleich mit dem Vorjahr.

2023 erwirtschaftete Coinbase noch rund 2.9 Milliarden US-Dollar und erzielte einen Nettogewinn von gerade einmal 95 Millionen. In den zwölf Monaten des Jahres 2024 hat sich der Umsatz also mehr als verdoppelt, der Profit wuchs um fast schon obszöne 2700 Prozent. Natürlich sind derartige Schwankungen bei Blockchain-Unternehmen, die im Kerngeschäft von der Volatilität schnelllebiger Kryptozyklen abhängen, in gewisser Weise vorprogrammiert. Dennoch ist es beachtlich, wie rasch Coinbase die bilanzielle Dürre des letzten Bärenmarktes hinter sich lassen konnte. Das beste Beispiel für die schnelle Erholung ist das abgelaufene vierte Quartal.


Umsatz und Handelsvolumen folgen bei Coinbase einem deutlichen Aufwärtstrend und erreichten im vierten Quartal ein Mehrjahreshoch.

Noch im Sommer lastete ein zähes Nachfragetief auf den wichtigsten Kennzahlen, mit einem Umsatz von 1.1 Milliarden US-Dollar lag man zwischen Juli und September deutlich unter den ersten beiden Quartalen (Im ersten Quartal hatte Coinbase 1.6 Milliarden Dollar umgesetzt, im zweiten immerhin knapp 1.4 Milliarden). Auch der Nettoprofit fiel mit 75 Millionen Dollar in Q3 ernüchternd aus. Ganz anders lief es dann in der neuerlich heißen Krypto-Phase zwischen Oktober und Dezember: Der Umsatz schnellte auf 2.2 Milliarden Dollar hoch, der Nettogewinn vervielfachte sich auf fast 1.3 Milliarden und erreichte damit nicht nur den höchsten Stand seit dem letzten Bullenmarkt, sondern übertraf sogar den Umsatz des vorherigen dritten Quartals.

Coinbase schlägt Erwartungen deutlich

Generell folgen Umsatz und Gewinn bei Coinbase gerade einem kräftigen Aufwärtstrend, der in seiner Form wenig überraschend dem Bitcoin-Kurs ähnelt: In den Tiefen des Bärenmarktes 2023 kam Coinbase beim Umsatz nicht über die Milliardenmarke und erwirtschaftete anhaltende Verluste. Erst mit Jahresschluss 2023 kletterte die Bilanz aus den roten Zahlen und schoss bereits im starken ersten Quartal des Vorjahres auf den höchsten Wert seit dem FTX-Crash. Im folgenden Sommerloch ging es für Umsatz und Gewinn wieder deutlich abwärts, das kürzlich beendete vierte Quartal 2024 aber konnte diesen Trend überzeugend brechen. Im Vorjahresvergleich bedeuteten die 2.2 Milliarden Dollar Umsatz ein Wachstum von 144 Prozent, der Nettogewinn stieg sogar um mehr als 300 Prozent.


Dreistellige Zuwächse bei Umsatz, Handelsvolumen und Gewinn: Das zurückliegende vierte Quartal lief ausgezeichnet für die führende US-Kryptobörse Coinbase.
Beide Werte lagen deutlich über den Erwartungen der Wall Street: Beim Umsatz waren Analysten im Vorfeld von knapp 1.9 Milliarden Dollar ausgegangen, beim Gewinn von lediglich 500 Millionen. Auch der Gewinn je Aktie verzeichnete mit 350 Prozent im Vergleich zum Jahresende 2023 einen beeindruckenden Zuwachs und lag mit 4.68 US-Dollar mehr als doppelt so hoch wie die Erwartung. Mindestens genauso wichtig war für Coinbase im abgelaufenen Quartal der steile Anstieg des Handelsvolumens, das um 185 Prozent auf 439 Milliarden US-Dollar stieg. Im vierten Quartal 2023 hatte dieser Wert noch bei 154 Milliarden gelegen, im sommerlichen dritten Quartal 2024 waren es mit 185 Milliarden nicht viel mehr gewesen.


Das Kaufvolumen von institutionellen (blau) und privaten Anlegern (rot) hat den höchsten Stand seit Jahren erreicht und auch den starken Frühling 2024 übertrumpft.


Sowohl bei institutionellen als auch bei privaten Käufern stieg das Kaufvolumen auf Coinbase im vierten Quartal auf den höchsten Stand in diesem Bullenmarkt. Institutionelle Investoren handelten Kryptowährungen im Gesamtwert von 345 Milliarden US-Dollar über Coinbase, bei privaten Anlegern waren es 94 Milliarden. Damit wurde auch das starke erste Quartal 2024 übertroffen, die behäbigen Sommermonate sowieso. Im Vergleich zum vierten Quartal 2022, als Bitcoin sein Bärenmarkttief erreichte, ist das private Handelsvolumen damit um satte 370 Prozent gewachsen, bei institutionellen Anlegern waren es immerhin 176 Prozent. Und noch etwas deutet auf eine verstärkte Rückkehr von Kleinanlegern hin: Entfielen im Bärenmarkt nur knapp 14 Prozent des Gesamtvolumens auf private Käufer, so sind es nun schon mehr als 21 Prozent.

Altcoins gewinnen Marktanteile: Bricht die Bitcoin-Dominanz?

Bei den Spitzenwerten aus dem Bullenmarkt 2021 sind die Kleinanleger aber noch nicht angekommen. Damals machten private Käufer fast ein Drittel des gesamten Volumens aus, die jüngsten 94 Milliarden Retail-Volumen liegen ganze 47 Prozent unter den 177 Milliarden Dollar an Privatkäufen im vierten Quartal 2021. Aber auch Großanleger haben noch etwas Luft nach oben: Zum Zeitpunkt des letzten Bitcoin-Bullenmarkttops lag das Volumen der institutionellen Investoren bei 371 Milliarden US-Dollar, die aktuellen 345 Milliarden lagen rund sieben Prozent darunter. Dass sich gerade einiges am Nachfrage-Verhalten auf Coinbase ändert, ist aber nicht nur am Verhältnis zwischen privaten und institutionellen Käufern abzulesen. Vielmehr verschiebt sich langsam, aber sicher auch der Fokus vom Bitcoin hin zu Altcoins.


Bitcoin bleibt nach Coinbase-Volumen stärker als Ethereum, kleinere Kryptowährungen gewinnen Marktanteile. Ähnliche Muster gab es vor der Altcoin-Season 2021.
Immer noch macht Bitcoin 27 Prozent des gesamten Handelsvolumens auf Coinbase aus – fast dreimal so viel wie Ethereum mit gerade einmal zehn Prozent. Im Bärenmarkt lagen BTC und ETH mit 34 respektive 33 Prozent noch nahezu gleichauf, die jüngste Preisschwäche von Ethereum hat aber auch die Lücke im Coinbase-Volumen vergrößert. Anders sieht es bei den Altcoins (ohne Stablecoins) aus. Ganze 48 Prozent (und damit fast die Hälfte der Kaufaktivität auf Coinbase) entfielen auf kleinere Kryptowährungen. Das bedeutet eine klare Steigerung im Vergleich zu den 33 Prozent des Bärenmarktes 2022, liegt aber noch signifikant unter den 68 Prozent des bisher letzten Bullenmarktes.

Und dennoch zeigt sich eine deutliche Verschiebung im Verhältnis zu Bitcoin: Waren Bitcoin und Altcoins mit jeweils rund einem Drittel Volumen im Bärenmarkt noch gleichauf, haben kleinere Kryptowährungen auf Coinbase deutlich an Marktanteil gewonnen. Sowohl der Vergleich der aktuellen Marktanteile mit den Werten von 2021 als auch die gängige Annahme, dass wachsendes Retail-Volumen auch die Nachfrage nach Altcoins weiter steigert, deuten darauf hin, dass kleinere Kryptowährungen ihr Potenzial in diesem Bullrun noch nicht ausgeschöpft haben. Sicher ist das freilich nicht und natürlich ist dieser Text nicht als Empfehlung zu verstehen, gewisse Assets zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen. Trotzdem offenbaren die Coinbase-Zahlen bei genauer Analyse auffällige Muster, die in ähnlicher Form bereits den Altcoin-Aufschwung 2021 begleiteten.

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Simeon Koch

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