Warren Buffetts Investmentkonglomerat Berkshire Hathaway zeigt sich in Alarmbereitschaft: Trotz einer nahezu historisch hohen Bargeldreserve warnt das Unternehmen vor erheblichen Risiken für den Aktienmarkt und die eigene Geschäftsentwicklung.
Gemischte Quartalszahlen in angespanntem Umfeld
Berkshire Hathaway meldete für Q2 2025 einen operativen Gewinn von 11.16 Milliarden US-Dollar – etwa 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders das Versicherungsgeschäft schwächelte: Die Versicherungssparte verzeichnete einen Rückgang beim Underwriting-Gewinn um rund 12 Prozent, was auf höhere Schadenszahlungen und gestiegene Kosten zurückzuführen ist.
Einen zentralen Risikofaktor sieht Berkshire Hathaway in der jüngsten US-Handelspolitik. Präsident Donald Trump hat Anfang 2025 neue Zölle auf Importe aus Mexiko, Kanada und China verhängt. Diese protektionistischen Maßnahmen bereiten Buffett große Sorgen.
In seinem Quartalsbericht warnt der 94-jährige Starinvestor ausdrücklich vor den Folgen eines eskalierenden Handelskonflikts: „Es ist durchaus möglich, dass sich diese Entwicklungen nachteilig auf die meisten, wenn nicht alle unserer Geschäftsbereiche auswirken“, heißt es dort sinngemäß. Damit signalisiert Berkshire, dass kaum ein Bereich des Konzerns vor den indirekten Effekten eines Zollstreits gefeit wäre – von höheren Kosten bis zu Nachfragerückgängen.
Zollpolitik: „Kriegshandlung“ gegen die Wirtschaft
Warren Buffett selbst fand in der Vergangenheit deutliche Worte für Trumps Zollpolitik. In einem Interview bezeichnete er Zölle als „eine Art von Kriegshandlung“, gewissermaßen gegen die eigene Volkswirtschaft. Diese starke Rhetorik unterstreicht, wie ernst der „Oracle of Omaha“ die Lage einschätzt.
Angesichts dieser Risikofaktoren fährt Berkshire Hathaway die Investitionsbereitschaft sichtbar zurück. Obwohl der Aktienkurs der Berkshire-Hathaway-Aktie im ersten Halbjahr 2025 um mehr als 10 % von seinem Höchststand gefallen ist, hat Buffett keine eigenen Aktien zurückgekauft. Das ist bemerkenswert, denn in der Vergangenheit griff Berkshire oft zu Aktienrückkäufen, wenn der Kurs deutlich unter dem inneren Wert lag. Die Zurückhaltung signalisiert, dass Buffett die Mittel lieber hortet – möglicherweise in Erwartung noch günstigerer Gelegenheiten oder aus Sorge vor weiteren Marktverwerfungen.
Wechsel an der Konzernspitze rückt näher
All diese Entwicklungen finden statt vor dem Hintergrund eines bevorstehenden Führungswechsels bei Berkshire Hathaway. Warren Buffett, der das Unternehmen seit über sechs Jahrzehnten lenkt, hat angekündigt, zum Ende des Jahres 2025 als CEO zurückzutreten. Mit dann 95 Jahren wird der Altmeister das operative Ruder aus der Hand geben.
Die Nachfolge ist bereits geregelt: Buffett’s langjähriger Vertrauter Greg Abel (63) – bislang als Vizechef für alle Nicht-Versicherungsgeschäfte zuständig – soll ab 2026 die Rolle des Chief Executive übernehmen. Buffett selbst wird dem Unternehmen allerdings als Vorsitzender des Verwaltungsrats (Chairman) erhalten bleiben. Damit ist sichergestellt, dass seine Erfahrung und strategische Leitplanken nicht von heute auf morgen verschwinden.
Unsicherheit an den Märkten – Berkshire bleibt wachsam
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Befürchtungen von Warren Buffett bewahrheiten. Die von den USA provozierten Handelskonflikte 2025 könnten sich weiter zuspitzen – oder aber es kommt zu Verhandlungen, die eine Entspannung bringen. Für Berkshire Hathaway steht viel auf dem Spiel: Sollte der Zollstreit eskalieren, drohen breite Belastungen für die Weltkonjunktur und vermutlich auch Turbulenzen an den Aktienmärkten. Der bevorstehende Führungswechsel wiederum könnte neue strategische Impulse für das Unternehmen mit sich bringen.



