Bankenaufsicht alarmiert: Größte Banken der USA nicht krisenfest
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Bankenaufsicht alarmiert: Größte Banken der USA nicht krisenfest

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Simeon Koch

Die nordamerikanische Bankenaufsicht FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) hat gemeinsam mit der Zentralbank Federal Reserve (kurz: Fed) gravierende Schwächen in den Notfallplänen von vier der größten Banken in den Vereinigten Staaten festgestellt. Betroffen sind JPMorgan Chase, die Bank of America, Citigroup und Goldman Sachs. Diese Notfallpläne, auch Living Wills (auf Deutsch etwa: Testament oder letzter Wille) genannt, sollen sicherstellen, dass diese Banken im Falle eines finanziellen Kollapses geordnet liquidiert werden können, ohne dass die Steuerzahler zur Rettung herangezogen werden müssen. Bereits vergangenes Jahr hatten die Kreditinstitute ihre Pläne eingereicht, die offizielle Prüfung ist nun abgeschlossen – das Urteil allerdings fiel bei der Hälfte der acht untersuchten Banken unbefriedigend aus. Besonders kritisch wird die Lage bei der Citigroup bewertet, deren Notfallstrategie als nicht glaubwürdig eingestuft wurde. Nach Ansicht der nordamerikanischen Behörden sind vier der größten fünf Banken des Landes nicht ausreichend für den Ernstfall gewappnet – ein mögliches systemisches Risiko für die Weltwirtschaft.

 

„Nicht glaubwürdig“: FDCI kritisiert Großbanken

„FDIC-Mitarbeiter sind zu dem Schluss gekommen, dass die Schwächen bei einem Unternehmen – Citigroup, Inc. – so gravierend sind, dass der Plan nicht glaubwürdig ist“, resümierten die staatlichen Prüfer über die drittgrößte Bank der Vereinigten Staaten, die rund $2.4 Billionen Kundeneinlagen verwaltet. Im Ernstfall der Zahlungsunfähigkeit wäre durch die identifizierten Unzulänglichkeiten „eine geordnete Abwicklung nach dem Konkursrecht erschwert“, erklärte der FDIC-Vorsitzende Martin J. Gruenberg. Neben Citigoup wurden auch bei Bank of America, Goldman Sachs und JPMorgan Chase Schwächen festgestellt. Mit verwalteten Assets von rund $3.9 Billionen ist JPMorgan Chase die größte Bank der USA, gefolgt von der Bank of America mit rund $3.2 Billionen. Als unzureichend beurteilte die FDIC die Notfallstrategien der Banken, ihre umfangreichen Derivate- und Handelsportfolios im Krisenfall geordnet abzuwickeln. Vier weitere Banken-Schwergewichte, nämlich die BNY Mellon, Morgan Stanley, State Street und Wells Fargo erhielten allgemeines Feedback zur Verbesserung ihrer zukünftigen Pläne, aber keine explizite Kritik.

Dass die Schwergewichte unter den Banken in den Vereinigten Staaten derartige Lücken in ihren Szenarien für einen finanziellen Ernstfall aufweisen, verunsicherte prompt die Anleger an der Börse, die Aktien der beargwöhnten Kreditinstitute gaben leicht nach. Die von der FDIC beanstandeten Notfallpläne sind detaillierte Strategien, die Banken im Falle einer schweren finanziellen Krise oder eines Zusammenbruchs umsetzen müssen. Die Pläne sollen sicherstellen, dass eine Bank ihre Geschäfte geordnet einstellen kann, ohne die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden oder auf Steuergelder angewiesen zu sein. Sie umfassen Maßnahmen wie die Reduzierung komplexer Geschäftsstrukturen und Vereinbarungen zur Aufrechterhaltung kritischer Dienstleistungen während einer Krise. Das Ziel ist es, die Bank so zu restrukturieren, dass negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und andere Finanzinstitute minimiert werden. Die Notwendigkeit dieser Pläne entstand aus den Lehren der Finanzkrise von 2008. Ein gesondertes Gesetz wurde dafür 2010 verabschiedet. Seitdem sind die größten Banken verpflichtet, regelmäßig Notfallpläne vorzulegen, die von den Aufsichtsbehörden geprüft werden. Die ersten Entwürfe von 2012 wurden seitdem kontinuierlich angepasst.

Sicherheitslücken und systemisches Risiko

An der jüngsten Prüfung hatte auch die nordamerikanische Zentralbank teilgenommen – sie war allerdings zu weniger schwerwiegenden Urteilen gelangt als die FDIC. Die Citibank reagierte einsichtig auf die Kritik und versicherte, man sei „vollständig verpflichtet, die von unseren Regulierungsbehörden identifizierten Probleme zu beheben. Während wir erhebliche Fortschritte bei unserer Transformation gemacht haben, haben wir anerkannt, dass wir unsere Arbeit in bestimmten Bereichen beschleunigen müssen“. Konkret gehe es dabei um „die Verbesserung der Datenqualität und regulatorischer Prozesse wie etwa der Abwicklungsplanung.“ JPMorgan Chase, die Bank of America und Goldman Sachs lehnten es ab, sich zu den Feststellungen zu äußern. Die FDIC fordert von den betroffenen Banken, ihre Pläne bis Juli 2025 zu überarbeiten und die festgestellten Schwächen zu beheben. Zudem sollen die Banken Notfallplanungen und notwendige Maßnahmen ausländischer Regierungen in ihren Plänen berücksichtigen.

Die Stabilität der größten Banken der USA hat nicht nur nationale, sondern auch globale Bedeutung. Ein Scheitern dieser Institute könnte weltweite wirtschaftliche Turbulenzen auslösen. Alarmiert wurden die Behörden erst im März 2023, als innerhalb weniger Tage die Silvergate und Signature Bank Insolvenz anmelden mussten und kurz darauf auch noch die für den Tech-Sektor wichtige Silicon Valley Bank einknickte. Sorgfältig ausgearbeitete und vor allem realistische Notfallpläne sollen das Risiko von Bankenpleiten minimieren und im Ernstfall Ansteckungseffekte im Bankensektor wie bei der Finanzkrise 2008 oder auch dem kurzen Bankenbeben 2023 verhindern. Die Rüge der FDIC an vier der fünf größten Banken der Vereinigten Staaten zeigt, dass trotz der Fortschritte seit der Finanzkrise weiterhin Sicherheitslücken in der Finanz-Infrastruktur der Vereinigten Staaten klaffen. Die betroffenen Banken stehen nun unter erheblichem Druck, ihre Pläne zu überarbeiten und die identifizierten Schwächen zu beheben, um zukünftige Krisen besser bewältigen zu können.

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Simeon Koch

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