BlackRock und Valkyrie, zwei der aussichtsreichsten Aspiranten auf Bitcoin-Spot-ETFs haben die letzte Deadline der nordamerikanischen Börsenaufsicht (SEC) am Freitag eingehalten und brisante Änderungen an ihren Anträgen vorgenommen: Als autorisierte Partner treten nun jeweils das Trading-Unternehmen Jane Street und ausgerechnet die größte nordamerikanische Bank JPMorgan Chase auf. Ausgerechnet, denn Jamie Dimon, CEO der billionenschweren Privatbank, gilt seit Jahren als radikaler Bitcoin-Gegner und schoss noch in den vergangenen Monaten mehrfach scharf gegen die weltgrößte Kryptowährung.
Während der Einstieg von JPMorgan den Markt in Aufruhr versetzte, ging fast unter, dass BlackRock sein geplantes Initialinvestment für den Spot-ETF um den Faktor 100 erhöhte und die Zulassung der Bitcoin-ETFs seitens der SEC schon für diese Woche erwarten soll. Gleichzeitig haben die verbliebenen Antragssteller den Wettbewerb für die erfolgreichste Marketingkampagne der hoffnungsvoll erwarteten Bitcoin-Spot-ETFs eröffnet, die jetzt sogar bei großen Banken bullische Fantasien weckt – neben JPMorgan wirft auch Goldman Sachs ein Auge auf das Krypto-Flaggschiff.
Neue Liquidität für den ETF
Mit Jane Street Capital steigt nun also einer der weltweit größten Market Maker für börsengehandelte Fonds in die möglichen Bitcoin-ETFs von BlackRock und Valkyrie ein, der New Yorker Trading-Gigant bewegt jährlich ein Handelsvolumen von knapp 20 Billionen Dollar und scheint auch in den Anträgen von Fidelity und WisdomTree auf. Bemerkenswerter sind allerdings die Partnerschaften von BlackRock und Valkyrie mit JPMorgan – und das nicht nur, weil im Vorfeld gemutmaßt wurde, dass es für Bitcoin-ETFs schwierig werden würde, zahlungskräftige institutionelle Unterstützer zu finden.
Vermögensverwalter, die neue ETFs aufsetzen, nominieren eine Reihe autorisierter Teilnehmer, die für Liquidität sorgen. Diese Partner kaufen und stellen die zugrundeliegenden Wertpapiere oder Assets – in diesem Fall Bitcoin – zur Verfügung und erhalten dafür ETF-Anteilsscheine. Damit sind sie ein integraler Bestandteil des sogenannten ETF-Schöpfungsprozesses. Umgekehrt können sie ETF-Anteile auch wieder eintauschen. Das ermöglicht, den Wert eng an die zugrundeliegende Anlage zu knüpfen und das Angebot an ETF-Anteilen je nach Marktnachfrage anzupassen.
Radikaler Bitcoin-Gegner lenkt ein
Dass sich nun ausgerechnet JPMorgan als autorisierter Partner in die Bitcoin-ETFs von BlackRock und Valkyrie einkaufen will, kommt unerwartet. Erst Anfang Dezember hatte JPMorgan-CEO Jamie Dimon gegen Bitcoin gewettert und bekannt, er habe „Kryptowährungen schon immer zutiefst abgelehnt“. Einen Grund nannte er auch gleich noch: Der einzig wahre Nutzen von Bitcoin und Co. sei die Verschleierung krimineller Machenschaften von „Verbrechern und Drogendealern, für Geldwäsche oder Steuerhinterziehung. Wäre ich die Regierung, würde ich es einfach verbieten“.
Dabei handelt es sich nur um den letzten Beweis einer jahrelang gehegten Antipathie: Im Januar 2023 bezeichnete Dimon Bitcoin als „hochgehypten Betrug“, im Sommer 2021 hieß es von seiner Seite, Bitcoin sei „wertlos“. 2017 bezeichnete er Bitcoin zum ersten Mal als „Betrug“, 2016 weissagte er, Bitcoin werde „nirgendwohin führen“ und 2015, dass die größte Kryptowährung „nicht überleben“ werde. Die Aussage von 2014, dass Bitcoin ein „schrecklicher Wertspeicher“ sei, erscheint da schon eher harmlos. Ach ja, kurz vor dem Bullrun-Top 2017 kündigte Dimon an: „Ich werde nicht mehr über Bitcoin sprechen“, nur um drei Monate später einzuräumen, er „bereue diese Aussage“. Eine offizielle Stellungnahme Dimons zur Beteiligung an BlackRocks und Valkyries ETF-Anträgen steht übrigens aus.
BlackRock erhöht Initialinvestment um Faktor 100
BlackRock präsentierte allerdings nicht nur seine autorisierten Partner, sondern gleich auch neue Pläne für sein Initialinvestment, das sogenannte Seeding, das die Höhe der ersten Tranche angibt, die ein Vermögensverwalter in das zugrundeliegende Asset investieren möchte, um Anteilsscheine im entsprechenden Gegenwert ausgeben zu dürfen. Die Höhe dieses Seedings ist insofern relevant als institutionelle Investoren jene Anlageprodukte bevorzugen, die schnell eine hohe Liquidität zur Verfügung stellen können. Anfang Oktober kündigte BlackRock an, ein Initialinvestment von $100 000 zu planen, kurz vor Weihnachten nun enthielt eine aktualisierte Version des Antrags ein Seeding in Höhe von ganzen $10 Millionen.
Geplant war das Investment laut einem kürzlich publik gewordenen Protokoll erst für den heutigen 3. Januar, wurde mittlerweile allerdings auf den 5. verschoben – interessanterweise also eine knappe Woche vor der Deadline für die SEC-Entscheidung. Und das dürfte einen konkreten Grund haben. Wie die gut unterrichtete Journalistin Eleanor Terrett auf X, vormals Twitter, nach Gesprächen mit den ETF-Aspiranten mitteilte, soll BlackRock eine inoffizielle Bestätigung der Zulassung durch die SEC gegenüber den verbliebenen Antragsstellern für Ende der aktuellen Woche erwarten, was die vorgezogene Planung des Seedings erklären würde.
Negativwettbewerb um ETF-Gebühren
Die größte Marketingkampagne in der Geschichte des Bitcoins nimmt auch abseits des Wettrennens um die höchste Liquidität neue Formen an. Schon vor Weihnachten veröffentlichten die beiden ETF-Aspiranten Bitwise und Hashdex Werbespots auf Twitter, die ein Investment in Bitcoin anpreisen. Während diese Werbeclips hauptsächlich auf private Investoren abzielen, versuchen die womöglich angehenden Spot-ETF-Emittenten, auch institutionelles Interesse auf die hauseigenen Bitcoin-Anlageprodukte zu lenken – in diesem Fall bestehen die Anreize aus lukrativen Gebühren.
Laut dem ETF-Experten Eric Balchunas von Bloomberg wird BlackRock künftig 0.47% Gebühren auf Einzahlungen in den Spot-ETF verlangen. Fidelity plant mit 0.39% und damit dem günstigsten Modell, die kooperierenden Investmentgesellschaften Galaxy und Invesco Gebühren mit 0.59%, wobei Letztere das erste halbe Jahr und auf die ersten $5 Milliarden Einlagen keine Gebühren nehmen wollen. Valkyrie wiederum scheint mit seinen Gebühren in Höhe von 0.8% weit abgeschlagen.
„…und am Ende gewinnst du“ – Bullische Banken
Mit Mathew McDermott, dem Direktor der Abteilung für digitale Anlageprodukte bei Goldman Sachs, gab sich derweil ein weiterer hochrangiger Vertreter aus dem Bankensektor optimistisch. Sobald die Zulassung da sei, würden die Bitcoin-ETFs zu einem raschen Wachstum des Kryptomarktes beitragen, denn dadurch schaffe man „institutionelle Produkte, die von Institutionen gehandelt werden können, ohne die zugrundeliegenden Assets selbst halten zu müssen“. Das öffne „das ganze Universum der Pensionsfonds, Versicherungen und vieler mehr“ für Investitionen in Bitcoin.
Gary Gensler, Larry Fink und nun auch Jamie Dimon: In den letzten Monaten kippte eine ganze Reihe der erbittertsten Bitcoin-Gegner der vergangenen Jahre auf der großen Finanzbühne um. Einmal mehr scheint sich ein Zitat des berühmten indischen Freiheitskämpfers Mohandas KaramChand (genannt Mahatma) Gandhi zu bewahrheiten, der einst sagte: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Ob der Bitcoin-Siegeszug weitergeht, wann die nächsten Chancen für einen lukrativen Einstieg winken und was langfristig aus der größten Kryptowährung der Welt wird, analysieren wir regelmäßig sowohl in unserem Bitcoin/Ethereum- als auch in unserem Altcoin-Paket.




