Auf dem Trockenen – Getränkehersteller erleben Durststrecke wegen Kohlensäuremangel
#Rohstoffe und Energie

Auf dem Trockenen – Getränkehersteller erleben Durststrecke wegen Kohlensäuremangel

Author

Louisa Hellmann

Ein kühles Bier, eine fruchtige Limonade, ein spritziges Mineralwasser – für einige Getränkehersteller könnte die Produktion dieser beliebten Erfrischungen bald zum Problem werden. Denn sie alle haben eines gemeinsam: für den Herstellungsprozess benötigt man CO₂. Und das ist gerade Mangelware. Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, bezeichnet die Lage als „äußerst besorgniserregend“. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie schätzt, dass nur noch 30-40% der üblichen Liefermengen an CO₂ verfügbar sind, sodass einige Unternehmen ihre Produktion bereits einschränken oder sogar ganz unterbrechen mussten.

In Brauereien kommt technische Kohlensäure bei der isobarometrischen Füllung zum Einsatz 

CO₂ wird – vor allem in seiner gelösten Form – oft auch als Kohlensäure bezeichnet, so wie man sie aus sprudeligen Getränken kennt. Grundsätzlich muss zwischen technischer und lebensmittelqualitativer Kohlensäure unterschieden werden. Die technische Form entsteht vor allem als Nebenprodukt bei der Herstellung von Ammoniak, etwa bei der Düngerproduktion. Die lebensmittelqualitative Variante kann sowohl industriell als auch aus natürlichen Quellen gewonnen werden. Während bei der Produktion von Softdrinks und Mineralwasser selbstverständlich CO₂ in Lebensmittelqualität zum direkten Ein- oder vielmehr Zusatz kommt, benötigt man die technische Kohlensäure in Brauereien eher hinter den Kulissen – und zwar bei der isobarometrischen Füllung, die dort mittlerweile zum Standardverfahren gehört. Dabei wird die Kohlensäure benötigt, um die Tanks, Flaschen, Dosen und Fässer „vorzuspannen“ und so einen übermäßigen Kontakt des Gerstensafts mit Sauerstoff sowie die Schaumbildung zu verhindern. Dazu wird der Innendruck in den Flaschen an den im Bierkessel angeglichen, sodass das Bier allein durch die Schwerkraft in die Flasche fließen kann, ohne zu schäumen und so Kohlensäure zu verlieren. Das zum Vorspannen verwendete CO₂ weicht dann schließlich in den Kessel zurück, während das Bier herausläuft. Doch nicht nur in Brauereien, auch bei der Abfüllung anderer Erfrischungsgetränke werden die Behälter stets mit technischer Kohlensäure vorgespült, damit möglichst wenig Sauerstoff eindringen und so die Haltbarkeit beeinträchtigen kann.

Bei der Getränkeabfüllung werden die Behälter mit technischer Kohlensäure vorgespült.

Da momentan jedoch die energieintensive Düngerproduktion aufgrund der gestiegenen Gaspreise gedrosselt wurde, fällt in der Folge auch deutlich weniger technisches CO₂ ab. Und solange die Energiepreise weiterhin so hoch bleiben oder sogar noch steigen, ist eine Verbesserung der Lage wohl nicht in Sicht. Das erschwert den Getränkeherstellern die Planung natürlich erheblich und einige kleine bis mittelständische Betriebe mussten ihre Produktion bereits einstellen. Lediglich Brauereien und Mineralwasserhersteller, die keine technische Kohlensäure, sondern Gärungskohlensäure aus der eigenen Produktion oder natürliche Quellkohlensäure verwenden, können optimistischer in die Zukunft blicken, denn sie sind nicht auf das Industriegas angewiesen. Neben den Getränkeherstellern benötigen auch viele weitere Brachen der Lebensmittelindustrie technische Kohlensäure für ihre Produktions- und Verpackungsprozesse. „Wenn diese Situation so anhält“, warnt Roland Demleitner, Vorsitzender der privaten Brauereien in Deutschland, „dann wird das dramatische Auswirkungen nicht nur auf die Getränkewirtschaft, sondern auch auf weite Teile der Wirtschaft hier in Deutschland haben.“

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Louisa Hellmann

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