Atlassian & Palantir pumpen: Zeigt uns das Software-Comeback den Bitcoin-Boden?
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Atlassian & Palantir pumpen: Zeigt uns das Software-Comeback den Bitcoin-Boden?

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze

  • Atlassian und Palantir treiben die Erholung ausgewählter Software-Aktien kräftig voran.
  • Bitcoin hinkt dem Software-Sektor ungewöhnlich stark hinterher.
  • The Trade Desk zeigt, dass der Software-Rallye bislang noch Marktbreite fehlt.

Guten Morgen!

Die Berichtssaison sorgt für enorme Kursausschläge im Software-Sektor. Während Atlassian nach starken Quartalszahlen in den letzten Stunden um 33 Prozent nach oben schoss und Palantir nach überzeugenden Geschäftszahlen ähnlich stark stieg, brach The Trade Desk trotz Gewinnüberraschung um mehr als 20 Prozent ein. Für Krypto-Anleger ist diese Entwicklung besonders interessant: Software-Aktien und Bitcoin liefen in den vergangenen Jahren häufig nahezu im Gleichschritt – und größere Abweichungen in dieser Korrelation markierten in früheren Bärenmärkten häufig den Bitcoin-Boden. Kann sich das Muster wiederholen?

Software dreht nach oben – doch nicht jede Aktie profitiert

Software ist zurück. Und einen der stärksten Impulse lieferte ausgerechnet die im Frühling noch hart abgestrafte Atlassian-Aktie. Von Dezember 2025 bis April dieses Jahres fiel das Wertpapier von 160 auf nur noch 60 Dollar. Nun übertraf der Softwarekonzern mit einem Gewinn je Aktie von 1.87 Dollar die Analystenschätzungen von 1.50 Dollar deutlich, während der Umsatz mit 1.77 Milliarden Dollar ebenfalls über den Erwartungen lag.


Zwei Welten im Software-Sektor: Während Atlassian nach dem Absturz im Frühjahr ein fulminantes Comeback feiert, rutscht Trade Desk weiter ab. Die SaaS-Erholung ist bisher selektiv.


Besonders überzeugte das Cloud-Geschäft, dessen Erlöse um 31 Prozent zulegten. Gleichzeitig hob das Management seine Wachstumsziele für das Geschäftsjahr 2027 an und erwartet weiterhin kräftig steigende Cloud-Umsätze sowie wiederkehrende Subscription-Erlöse. Auch Palantir bestätigt den positiven Trend im Software-Sektor. Der Datenanalyse-Spezialist steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erhöhte seine Umsatzprognose für 2026 deutlich auf mehr als 8.15 Milliarden Dollar.

Vor allem die starke Nachfrage von US-Unternehmen nach der KI-Plattform überzeugte Anleger. Die Aktie gewann daraufhin zeitweise mehr als 15 Prozent und unterstreicht, dass Investoren bei überzeugenden SaaS-Geschäftsmodellen wieder bereit sind, hohe Bewertungen zu akzeptieren. Doch bisher spielt sich das Software-Comeback vor allem in der Spitze des Sektors ab. Die Breite hinkt noch hinterher, wie etwa der Verfolger Trade Desk zeigt. Das ist auch für Bitcoin ein Problem.

Software-Comeback = Bitcoin-Boden? Achtung, Trade-Desk-Falle!

Für Bitcoin-Anleger lohnt sich der Blick auf den Software-Sektor besonders. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV), der neben Atlassian und Palantir weitere Schwergewichte wie Microsoft, Oracle, Salesforce, Palo Alto Networks, CrowdStrike und Adobe bündelt, entwickelte sich über die vergangenen Jahre auffallend ähnlich wie Bitcoin. Beide erreichten im Herbst 2025 ihre letzten Höchststände und fielen anschließend deutlich. Seit Mitte Mai hat sich das Bild jedoch verändert: Während der Software-ETF sich kräftig erholte, verlor Bitcoin im gleichen Zeitraum rund zehn Prozent.


Bitcoin und der IGV-Index: Seit 2020 ist die Korrelation in bullischen Zeiten nahezu perfekt. 2020 und 2022 fiel die Korrelation kurz vor Bitcoins Ausbruch aus dem Bärenmarkt.


Dass Bitcoin dem IGV bei seiner Erholung (noch) nicht folgen konnte, drückte den Korrelationswert zwischen beiden Werten auf ein Mehrmonatstief. Ähnliche Muster waren schon 2020 und Ende 2022 zu beobachten – jeweils nur kurz bevor Bitcoin seinen Bärenmarkt beendete. Blind sollte man sich trotzdem nicht auf dieses vermeintliche Bitcoin-Bodensignal verlassen. Denn die fulminante Erholung im Software-Sektor läuft bisher eher selektiv: Während prominente Titel stark steigen, hängen kleinere Unternehmen häufig hinterher. Das zeigt etwa The Trade Desk.

Zwar übertraf das Unternehmen mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 0.34 Dollar die Analystenschätzungen von 0.18 Dollar deutlich, beim Umsatz enttäuschte der Werbetechnologie-Spezialist jedoch mit 715 Millionen Dollar gegenüber erwarteten 752.6 Millionen Dollar. Noch schwerer wog der Ausblick: Für das dritte Quartal stellte das Management lediglich einen Umsatz von mindestens 650 Millionen Dollar in Aussicht – deutlich unter den Markterwartungen von rund 805 Millionen Dollar.

Trade Desk verlor nachbörslich zeitweise fast 24 Prozent. Negativen Einfluss auf den IGV-Index hat diese Performance zwar nicht, schließlich ist die Aktie kein Teil des Index-Portfolios. Dennoch sprechen die Zahlen für gemischte Gefühle im Software-Sektor. Für Bitcoin bedeutet das: Die historische Divergenz zum Software-Sektor spricht zwar für ein mögliches Nachholpotenzial, das Signal ist aber mit Vorsicht zu genießen.


Erneut ist die Korrelation zwischen BTC und IGV gefallen, ähnlich wie 2020 und 2022. Eine Wiederholung der bullischen Muster von damals ist nicht selbstverständlich. Denn es gibt einen Haken.


Der Bärenmarkt 2022 hat gezeigt, dass die Korrelation auch mehrfach deutlich einbrechen kann, bevor der Bitcoin-Boden drin ist. Wichtig zu verstehen ist hier: Bitcoin kann weiter fallen, während der IGV steigt (erneuter Einbruch der Korrelation) oder gemeinsam mit dem IGV abverkauft werden. Schließlich heißt starke Korrelation nicht automatisch, dass zwei Werte miteinander steigen müssen. Auch bei gleichzeitiger Korrektur kann die Korrelation hoch sein. Einfach nur blind diesem Signal zu folgen, ist also keinesfalls ratsam. Es ist ein weiteres Puzzleteil beim Versuch, Bitcoins (voraussichtliches) Bärenmarkt-Tief zu identifizieren.

Der Blick auf die Märkte zeigt am Freitagmorgen ein gemischtes Bild. Der S&P 500 korrigierte nach seinem Rekordhoch leicht auf 7709 Punkte, die Futures notieren jedoch wieder marginal im Plus. Auch der Nasdaq-100 schloss knapp unter 29 400 Punkten und legt vorbörslich leicht zu. Gold handelt bei knapp 4350 Dollar, der WTI-Ölpreis steigt leicht auf rund 77 Dollar je Barrel. Bitcoin stolpert zurück auf 64 300 Dollar, Ethereum ist zurück auf 1900 Dollar. Während sich der Kryptomarkt insgesamt weiter schwertut, bleiben die US-Aktienindizes resilient. Der deutsche DAX ist heute mit gut 26 250 Punkten sogar im Plus.


HKCM-Gewinner und -Verlierer

Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent

 

Atlassian

+31 (nachbörslich)

Albermarle Corporation

+5.54

Novo Nordisk

+4.53

Dell Technologies

-5.41

Under Armour

-5.33

MARA Holdings

-5.25

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