Amazon-Aktie sinkt trotz steigender Umsätze
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Amazon-Aktie sinkt trotz steigender Umsätze

Author

Esma Sakalli

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

Umsatz gesamt: 167.7 Milliarden US-Dollar (+13 Prozent gegenüber Q2 2024; währungsbereinigt +12 Prozent)

Operativer Gewinn: 19.2 Milliarden US-Dollar (Q2 2024: 14.7 Mrd. US-Dollar)

Nettogewinn: 18.2 Milliarden US-Dollar (Q2 2024: 13.5 Milliarden US-Dollar)

Gewinn je Aktie (verwässert): 1.68 US-Dollar (Q2 2024: 1.26 US-Dollar)

Amazons Quartalszahlen übertreffen Erwartungen

Amazon hat im zweiten Quartal 2025 mit starken Geschäftszahlen überrascht: Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz um 13 Prozent auf 167.7 Milliarden US-Dollar. Damit wurde die durchschnittliche Analystenprognose (rund 162 Milliarden US-Dollar) klar übertroffen.

Auch unter dem Strich verdiente der Online-Riese deutlich mehr: Der Nettogewinn sprang auf 18.2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von über einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Umgerechnet entspricht das einem Gewinn je Aktie von 1.68 US-Dollar – verglichen mit 1.26 US-Dollar im Vorjahresquartal. Diese Gewinnzahl übertraf die Schätzungen der Börsenexperten ebenfalls bei weitem und signalisiert, dass Amazon seine Kosten im Griff hat und profitabel wächst.

Trotz AWS-Wachstum: Cloud-Geschäft enttäuscht Anleger

Trotz dieser positiven Zahlen reagierte die Wall Street enttäuscht. Die Amazon-Aktie sank im vorbörslichen Handel um 7.56 Prozent. Der Bereich Amazon Web Services (AWS) – das für Amazon so wichtige Cloud-Geschäft – wuchs im Q2 um 17.5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An sich ist dies ein solides zweistelliges Wachstum, das AWS weiterhin einen Quartalsumsatz von knapp 31 Milliarden US-Dollar einbrachte. Doch im Kontext der Branche wirkt diese Rate enttäuschend. Die Konkurrenz wuchs deutlich schneller: Microsoft meldete für seine Azure-Cloud einen Umsatzanstieg von rund 39 Prozent, Google Cloud kam auf knapp 32 Prozent Wachstum im gleichen Zeitraum.

Amazon versucht, dem Konkurrenzdruck im Cloud-Geschäft mit entschlossenen Investitionen zu begegnen. Finanzchef Brian Olsavsky bezifferte die Kapitalausgaben (Capex) im zweiten Quartal auf über 31 Milliarden US-Dollar – ein Großteil davon fließt in den Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur für AWS. Dieses Investitionstempo soll im zweiten Halbjahr 2025 auf ähnlichem Niveau fortgeführt werden.

KI-Strategie: Neue Produkte von Alexa+ bis DeepFleet

Abseits der reinen Infrastruktur demonstrierte Amazon im vergangenen Quartal, dass es künstliche Intelligenz als Wachstumsfeld in allen Geschäftsbereichen vorantreibt. Das Unternehmen stellte eine Reihe neuer KI-basierter Produkte und Funktionen vor, die langfristig Umsatzquellen und Effizienzgewinne bringen sollen. Zu den wichtigsten Neuheiten gehören:

Alexa+: Eine erweiterte Version des Sprachassistenten Alexa, die mit generativer KI deutlich intelligenter und konversationeller agieren soll.

Kiro: Eine brandneue KI-Entwicklungsumgebung (IDE) für Software-Entwickler. Kiro, intern als agentic IDE bezeichnet, integriert KI-Features ins Programmieren – vom automatischen Schreiben von Code bis hin zu intelligenten Assistenten für Entwickler.

DeepFleet: Ein AI-Modell, das Amazons riesige Flotte von über eine Millionen Lager- und Lieferrobotern effizienter macht. DeepFleet koordiniert die Routen der Roboter mithilfe von KI so, dass optimale Wege gefunden und Engpässe vermieden werden.

Generative KI im E-Commerce: Amazon setzt KI verstärkt ein, um das

Einkaufserlebnis zu verbessern. So wurden neue Tools eingeführt, die Produktinformationen und Kundenbewertungen mittels generativer KI zusammenfassen und als Audio-Highlights ausspielen (Hear the highlights). Verkäufer wiederum können mit KI-Unterstützung ihre Produktbeschreibungen optimieren (Enhance My Listing).

Prime Day-Rekorde stützen Expansion

Neben der Technologie-Offensive zeigt Amazon weiterhin Stärke in seinem klassischen Kerngeschäft. Im Juli veranstaltete das Unternehmen den bislang erfolgreichsten Prime Day seiner Geschichte. An den zweitägigen Rabattaktionen kauften Prime-Mitglieder weltweit so viel ein wie noch nie, unabhängige Händler erzielten Rekordumsätze.

Gleichzeitig baut Amazon sein Logistik- und Service-Netzwerk immer weiter aus. Bis Ende 2025 will das Unternehmen Same-Day- und Next-Day-Lieferungen auf über 4.000 kleinere Städte, Vororte und ländliche Gemeinden in den USA ausweiten. Im abgelaufenen Quartal wurde dieses Programm bereits massiv vorangetrieben. Die Botschaft: Amazon will auch in weniger erschlossenen Gebieten Marktanteile gewinnen und die Kundenerwartung an schnelle Lieferung überall erfüllen. Diese Expansionsstrategie erfordert zwar Investitionen in Lager und Versand, könnte aber Millionen zusätzlichen Kunden an Prime binden.

Verhaltener Ausblick dämpft die Stimmung 

Trotz aller positiven Signale aus dem operativen Geschäft gab sich das Management für die nähere Zukunft vorsichtig. Für das laufende dritte Quartal 2025 prognostizierte Amazon einen Umsatz von 174 bis 179.5 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von bis zu 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Diese Spanne liegt sogar leicht über dem, was Analysten bisher erwartet hatten.

Beim Ausblick auf den Gewinn zeigte sich jedoch, warum die Börse zunächst verhalten reagierte: Amazon stellte einen operativen Gewinn zwischen 15.5 und 20.5 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Damit liegt der untere Rand der Prognose merklich unter den Markterwartungen (rund 19.4 Mrd. US-Dollar). Mit anderen Worten: Im pessimistischsten Szenario rechnet Amazon mit einem stagnierenden Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahr (Q3 2024 waren es 17.4 Mrd. US-Dollar).

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Esma Sakalli

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