Der deutsche Aktienindex DAX40 hat seit seinem Allzeithoch im November 2021 in einer langen und zähen Korrektur über 27% an Wert verloren. Auch Giganten, wie der S&P 500 und Dow Jones Industrial Average, mussten Verluste von über 25% respektive über 22% hinnehmen. Besonders hart traf es den nordamerikanischen Technologieindex Nasdaq100, der über 35% seit seinem Allzeithoch vom 22. November nachgab. Aktuell sehen wir die Korrekturen dieser Märkte, welche wir allesamt analysieren, noch nicht als abgeschlossen an, was entsprechend weiterhin zu einer Drucksituation am Markt führt. Aber wie sieht es eigentlich im Rest der Welt aus? Machen wir doch mal eine Tour.
Beginnend mit der zweitgrößten Wirtschaft der Welt, müssen wir auf den Hang Seng Index, ebenfalls Teil unseres Analyseportfolios, schauen. Hier hängt der Kurs schon seit Anfang 2018 in einer langen Korrektur fest und notiert derzeit mehr als 49.50% unter seinem Allzeithoch vom Januar 2018. Dabei ist China eines der weltweit inflationsresistentesten Länder mit einem Preiszuwachs von unter 3%. Die andauernde Schwäche des Hang Seng drückt die Bären aber immer mehr in die Ecke – mit der Wende sollte es hier stark nach oben gehen.
In der europäischen Nachbarschaft gibt es den Euro Stoxx 50 Index. Dieser bildet die Entwicklung der 50 größten börsennotierten Unternehmen in der Eurozone ab. Hier gab es seit Ende letzten Jahres einen Rückgang von etwa 25%, was in dieselbe Richtung geht, wie beim DAX oder auch dem niederländischen Index AEX, der 23% verlor, und dem spanischen IBEX 35, welcher 20% unter seinem Hoch im letzten Jahr liegt. Den Kollegen aus Großbritannien erging es hingegen deutlich besser. Hier stieg der FTSE 100 Index noch bis in den Februar hinein, ehe der Kurs nach dem dortigen Hoch bis heute rund 10.70% nachgab. Die meisten Verluste setzten da aber erst ab dem 12. September 2022 ein, wo der Kurs gerade einmal rund 2% unter dem Februar-Hoch lag – also kurz nach dem Rücktritt des ehemaligen Premierministers Boris Johnson.
Etwas besser sieht es im Ausland außerhalb Europas aus. Der Nifty 50, also Indiens Leitindex, notiert aktuell „nur“ 8.60% unter dem Allzeithoch aus dem Oktober. Zwischenzeitlich lag der Kurs aber bei deutlichen 17% im Minus. In Brasilien steht der Bovespa mit rund 9,50% im Minus. Der australische ASX 200 Index hat erst im August ein neues Allzeithoch erklommen, musste aber seitdem 15% abdrücken. Beim japanischen Nikkei 225 sind wir aktuell bei fast 14% Miese. Also insgesamt sieht die Lage nicht so prickelnd aus. Alle Märkte geben in der einen oder anderen Form nach. Dabei wurden die meisten Allzeithochs im Herbst 2021, also vor etwa einem Jahr ausgebaut. Einige Kurse stiegen noch bis Januar/Februar 2022, aber spätestens dann ging es für die meisten bergab.
Aber eben nur für die meisten. Einer der Top-Performer der globalen Indizes ist der türkische Leitindex BIST 100, welcher die 100 größten türkischen Börsenunternehmen abbildet. Seit seinem Allzeithoch vom 12. September 2022 fiel der BIST 100 zwar um 10%, setzte sich aber dem seit einem Jahr anhalten globalen Trend entgegen. Im Vergleich zum 3. Oktober 2021 stieg der türkische Leitindex über 135%! Seit dem Tief der Corona-Pandemie sind es sogar über 282%, die der BIST 100 an Wert gewonnen hat. Gerade von der Türkei, welche in einer der dramatischsten Wirtschaftskrisen ihrer Geschichte steckt, hätte man diese Performance nicht erwartet. Haushohe Zinsen, drastische Inflation und ein wachsendes Haushaltsdefizit sind hier gerade am Wüten, doch dem Aktienmarkt scheint all dies nichts auszumachen. Damit sieht man einmal mehr, dass Kursentwicklungen und die Realwirtschaft nicht immer an einem Strang ziehen!




