Stablecoins: der sichere Hafen im volatilen Krypto-Space?
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Stablecoins: der sichere Hafen im volatilen Krypto-Space?

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Florian Winter

Erinnern Sie sich noch an das Krypto-Projekt Terra-Luna? Dieses vernichtete im April 2022 rund $40 Milliarden an Kunden-Assets, als der Stablecoin TerraUSD und die dazugehörige Kryptowährung Luna innerhalb kürzester Zeit kollabierten. Der Gründer des Krypto-Projekts, Do Kwon, lieferte sich in der Folge ein hollywoodreifes Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden, Interpol fahndete weltweit nach dem potenziellen Betrüger. Derzeit soll er sich in Montenegro aufhalten, einer Auslieferung in die USA konnte er (bislang) entgehen. Bei TerraUSD (UST) handelte es sich um einen algorithmischen Stablecoin. Er war also nicht, wie viele andere Stablecoins, mit echten Fiat-Währungsreserven abgesichert, sondern mit der hauseigenen Kryptowährung Luna. Doch was genau sind eigentlich Stablecoins? Welche Risiken bergen sie? Und warum sind sie für den Krypto-Markt so wichtig?

Wie „funktionieren“ Stablecoins? 

Stablecoins sind spezielle Kryptowährungen, die in den meisten Fällen an stabile Vermögenswerte gebunden sind, um Preisschwankungen zu minimieren und Stabilität zu gewährleisten. Somit kombiniert diese digitale Währungsform in der Theorie die Effizienz und Geschwindigkeit von Kryptowährungen mit der Stabilität traditioneller Vermögenswerte. Sie gelten auch deshalb als sicherer Hafen im volatilen Krypto-Markt. Viele Stablecoins – unter anderem die Platzhirsche Tether und USDC – sind direkt an den US-Dollar gebunden, sprich: sie bilden diesen eins zu eins ab. Gedeckt sind die Stablecoins in der Regel mit US-Dollar, Staatsanleihen, Edelmetallen wie Gold oder „stabilen“ Kryptowährungen wie Bitcoin. In der Regel kombinieren Stablecoin-Emittenten diese Assets. Im Jahr 2023 veröffentlichte beispielsweise Tether seine Reserven: Rund 15 Prozent kamen damals Bitcoin, Edelmetallen und besicherten Darlehen zu, 85 Prozent wurden durch Bargeld, Bargeld-Äquivalente und kurzfristige Einlagen gedeckt. Von diesen 85 Prozent waren wiederum 75 Prozent Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen drei und zwölf Monaten zuzuschreiben. Dementgegen stehen algorithmische Modelle, die das Angebot der Stablecoins dynamisch anpassen, indem sie automatisch auf die bestehende Nachfrage reagieren, um den Preis stabil zu halten. Diese innovative Herangehensweise ermöglicht es algorithmischen Stablecoin-Projekten, flexibler zu agieren und weniger stark von externen Reserven abhängig zu sein. Allerdings bergen algorithmische Modelle auch nicht unwesentliche Risiken – so wie im Falle des „gescheiteren“ Terra-Luna-Projekts.

Die Anwendungsmöglichkeiten von Stablecoins sind vielfältig und reichen von der Schaffung effizienter Zahlungslösungen bis hin zur Erleichterung von internationalen Geldtransfers und der Absicherung gegen die Volatilität anderer Kryptowährungen. Unternehmen können Stablecoins nutzen, um schnell und kostengünstig Gelder über Grenzen hinweg zu senden, ohne sich den Schwankungen des Krypto-Marktes auszusetzen. Auch im DeFi-Bereich (engl.: Dezentralized Finance; dt.: dezentralisierte Finanzanwendungen) kommt Stablecoins eine zentrale Rolle zu. So nutzen DeFi-Protokolle Stablecoins als Grundlage für verschiedene Finanzdienstleistungen wie Kreditvergabe, Liquiditätsschwemme und Derivatehandel. Stablecoins bieten also eine alternative Möglichkeit für die Abwicklung von diversen Finanzdienstleistungen, insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu traditionellen Banken. Die jüngsten Entwicklungen zeigen auch ein wachsendes Interesse seitens Regierungen und Zentralbanken, eigene digitale Währungen, sogenannte CBDCs (engl.: Central Digital Currencies), zu kreieren. China experimentiert mit dem digitalen Yuan, auch die USA und die Europäische Union treiben in den vergangenen Monaten und Jahren die Entwicklung digitaler Zentralbankwährungen voran.

USDT und USDC: die Big Player unter den Stablecoins 

Der aktuell unangefochtene Spitzenreiter im Stablecoin-Kosmos ist Tether (USDT). Mit einer Marktkapitalisierung von rund $110 Milliarden liegt USDT im Ranking aller Kryptowährungen weltweit auf dem dritten Platz, einzig Bitcoin und der Altcoin-Primus Ether verfügen über eine noch größere Marktkapitalisierung. Hinter dem Stablecoin steht das Unternehmen Tether Limited, welches im Jahr 2014 in Hong Kong gegründet wurde und mit USDT im Folgejahr an den Markt ging (erfahren Sie hier mehr zu den in der chinesischen Sonderverwaltungszone kürzlich genehmigen BTC- und ETH-Spot-ETFs). Tether ist an den US-Dollar gebunden und wird unter anderem auf der Ethereum- und der Tron-Blockchain unterstützt. Stablecoin-Emittenten verwalten die eingetauschten Währungsreserven ihrer Kunden wie Banken, besitzen in den meisten Fällen aber keine entsprechende Lizenz. Das Geschäftsmodell ist dennoch äußerst profitabel: Tether Limited verdient pro Mitarbeiter gerechnet so viel wie kaum ein anderes Unternehmen dieser Welt. Im vierten Quartal 2023 erzielte Tether einen Gewinn in Höhe von etwa $2.85 Milliarden – bei weniger als 100 Beschäftigten.

Fehlende Transparenz bei USDT?

Der größte Tether-Konkurrent ist der Stablecoin USDC, welcher im September 2018 an den Start ging. Mit derzeit etwa $34 Milliarden verfügt der Stablecoin über die sechsgrößte Marktkapitalisierung aller handelbaren Kryptowährungen. Verantwortlich für USDC zeichnet sich vorrangig das nordamerikanische Finanztechnologieunternehmen Circle, welches sich auf die Entwicklung von Lösungen im Bereich der digitalen Währungen und der Blockchain-Technologie spezialisiert hat und mit den Finanzgiganten BlackRock und Goldman Sachs zusammenarbeitet. Unterstützung bekam Circle zudem von der Krypto-Börse Coinbase, die sich in den kommenden Jahren wohl zur Krypto-Handelsplattform schlechthin aufschwingen dürfte.

USDC zeichnet sich durch seine hohe Transparenz und Regulierungskonformität aus, was durch regelmäßige Audits bestätigt wird. Tether hingegen stand bereits ein ums andere Mal öffentlich in der Kritik aufgrund der Undurchsichtigkeit seiner Reserven. Immer wieder werden Vorwürfe laut, dass Tether über nicht ausreichend Reserven verfüge, um die im Umlauf befindlichen USDT-Token decken zu können. Bestätigt haben sich diese Vorwürfe bislang aber nicht. Jedoch hat es durchaus einen faden Beigeschmack, dass Tether sich bereits mehrmals dagegen gesträubt hat, seine Reserven offenzulegen und sogar vor dem obersten Gerichtshof in New York (vergeblich) geklagt hat, um die Offenlegung von diesbezüglichen Dokumenten zu verhindern. Unter anderem wurde hier seitens des Stablecoin-Herausgebers argumentiert, dass es geschäftsschädigend sei, wenn man seine Zahlen vollständig der Öffentlichkeit preisgebe. Und das lassen wir mal einfach so stehen.

Tether-Boom in Schwellenländern 

Der USDT-Nachfrage tun diese Diskussionen jedenfalls keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: In den letzten Monaten und Jahren stieg die Marktkapitalisierung von Tether trotz diverser Negativschlagzeilen kontinuierlich an. Laut CEO Paolo Adoino geht der jüngste Zuwachs vorrangig auf diverse Schwellenländer zurück, explizit genannt wurden die Türkei, Vietnam, Brasilien sowie „afrikanische Länder“. Im vergangenen Jahr habe Tether zudem „insbesondere in Argentinien geboomt“, wobei insgesamt zu beobachten sei, dass die Menschen in den besagten Ländern USDT als Dollar-Alternative nutzen und dieser sich deshalb „vom reinen Kryptowährungs-Handel zum praktisch meistgenutzten digitalen Dollar der Welt“ aufgeschwungen habe. Auch deshalb werde das Unternehmen weiter expandieren.

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