Das Wichtigste in Kürze:
- Neobroker bieten in Deutschland die Teilnahme am SpaceX-IPO.
- Achtung: Eine Zeichnung ist lediglich eine Interessensbekundung.
- Wenn Broker massiv werben, ist historisch gesehen Vorsicht geboten.
Pre-IPO vs. Post-IPO: Die zwei Wege zur SpaceX-Aktie
Broker wie Trade Republic, Scalable Capital, Revolut, aber auch etablierte Banken wie ING, Comdirect oder Consorsbank bieten ihren Kunden an, SpaceX-Aktien zu zeichnen. Doch was bedeutet das konkret? Wie können deutsche Anleger mitmachen? Und welche Fallstricke lauern beim Kauf der vielleicht gehyptesten Aktie aller Zeiten?
Grundsätzlich gibt es zwei völlig unterschiedliche Wege, um an SpaceX-Aktien zu kommen:
1. Pre-IPO (Die Zeichnung):
Hierbei bekunden Sie noch vor dem offiziellen Börsengang Ihr Interesse, Aktien zum Ausgabepreis (voraussichtlich 135 US-Dollar) zu kaufen. Dies geschieht über spezielle Funktionen in den Broker-Apps.
2. Post-IPO (Der reguläre Handel):
Ab dem 12. Juni 2026 wird SpaceX unter dem Ticker SPCX ganz normal an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet sein. Ab diesem Moment können Sie die Aktie wie jede andere (z.B. Apple oder Microsoft) über Ihren Broker zum aktuellen Marktpreis kaufen.
Wer sich für den ersten Weg – die Zeichnung vor dem IPO – entscheidet, sollte sich der folgenden Fallstricke bewusst sein, sonst drohen Enttäuschungen oder gar Verluste:
- Die 30-Prozent-Falle: Warum SpaceX ungewöhnlich viele Aktien an Privatanleger gibt.
- Das Zuteilungs-Roulette: Warum Sie am Ende vielleicht fast keine Aktien bekommen.
- Das Liefer-Dilemma: Warum Sie am ersten Handelstag womöglich noch gar nicht verkaufen können.
- Der Insider-Vorteil: Warum frühe Investoren schneller Kasse machen dürfen als üblich.
Die 30-prozentige Retail-Tranche: Ein genialer Schachzug
Bevor wir uns den genauen Ablauf der Zeichnung ansehen, müssen wir über ein ungewöhnliches Detail sprechen: SpaceX hat angekündigt, bis zu 30 Prozent der angebotenen Aktien für Privatanleger (Retail-Investoren) zu reservieren. Bei den meisten großen Börsengängen liegt dieser Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich, da die Banken die Aktien lieber an große institutionelle Investoren (Fonds, Pensionskassen) verteilen.
Warum macht SpaceX das? Die 30-prozentige Retail-Tranche ist ein genialer Schachzug, um die Euphorie der Privatanleger abzuschöpfen. Wenn Broker massiv für einen Börsengang werben, tun sie das nicht aus reiner Nächstenliebe. Sie verdienen an den Transaktionen und nutzen das Event zur Neukundengewinnung. SpaceX wiederum nutzt den extremen Hype der Kleinanleger, um die gigantische Bewertung von 1.75 Billionen US-Dollar zu rechtfertigen und die Nachfrage künstlich hochzuhalten.
Wie funktioniert das SpaceX-Investment bei Trade Republic & Co.?
Wenn Sie sich trotz des Hypes für eine Zeichnung entscheiden, läuft der Prozess in der Regel in drei Schritten ab:
1. Die Interessensbekundung
Wenn Sie in Ihrer Broker-App auf „Zeichnen" klicken, kaufen Sie die Aktie noch nicht. Sie geben lediglich ein verbindliches Angebot ab, dass Sie bereit sind, eine bestimmte Anzahl an Aktien zu kaufen. Bei Trade Republic ist dies bis zum 10. Juni um 19 Uhr möglich, die Gebühr beträgt lediglich 1 Euro.
2. Das Preislimit – unbedingt setzen
Aktuell wird ein Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie angepeilt. Dieser Preis ist jedoch nicht garantiert. Wenn die Nachfrage extrem hoch ist, kann SpaceX den Preis kurzfristig anheben. Für europäische Anleger wurde ein Maximalpreis von 162 US-Dollar festgelegt. Setzen Sie bei der Zeichnung unbedingt ein eigenes Preislimit. Liegt der endgültige Ausgabepreis darüber, wird Ihre Order storniert – und Sie kaufen nicht zu einem überteuerten Preis.
3. Die Zuteilung – oft eine Enttäuschung
Nach Ablauf der Zeichnungsfrist sammelt SpaceX alle Bestellungen weltweit. Da die Nachfrage das Angebot (rund 75 Milliarden US-Dollar) massiv übersteigt – Reuters berichtet bereits von einer Überzeichnung mit 150 Milliarden US-Dollar Ordervolumen –, werden die Aktien rationiert. Wer 100 Aktien gezeichnet hat, bekommt am Ende vielleicht nur 10 Stück zugeteilt. Die Entscheidung über die Zuteilung treffen die begleitenden Investmentbanken gemeinsam mit SpaceX.
Die Tücken des ersten Handelstages
Wer Aktien zugeteilt bekommt, darf sich freuen – doch der Teufel steckt im Detail. Laut dem offiziellen Börsenprospekt (S-1 Filing) werden die Aktien voraussichtlich erst am oder um den 15. Juni 2026 an die beteiligten Banken ausgeliefert. Der offizielle Handel an der Nasdaq startet jedoch bereits am 12. Juni. Das bedeutet: Selbst wenn der Kurs am ersten Handelstag durch die Decke schießt, haben viele deutsche Privatanleger die Aktien noch gar nicht im Depot und können sie nicht sofort mit Gewinn verkaufen.
Wer sitzt auf der anderen Seite des Tisches? Die neuen Lock-up-Regeln
Während Privatanleger um die wenigen verfügbaren Aktien kämpfen, bereiten sich die frühen Investoren von SpaceX auf einen massiven Zahltag vor. Zu den größten frühen Geldgebern gehören renommierte Venture-Capital-Firmen wie Sequoia Capital, Andreessen Horowitz und der Founders Fund von Peter Thiel, aber auch institutionelle Giganten wie Fidelity Investments. Diese Investoren haben SpaceX in frühen Finanzierungsrunden zu Bewertungen von weit unter 100 Milliarden US-Dollar unterstützt. Beim aktuellen IPO-Preis von 1.75 Billionen US-Dollar sitzen sie auf gigantischen Buchgewinnen.
Besonders bemerkenswert ist dabei eine Klausel im S-1 Filing: Während bei den meisten Börsengängen eine sogenannte Lock-up-Periode von 180 Tagen gilt, in der Insider ihre Aktien nicht verkaufen dürfen, hat SpaceX diese Frist für bestimmte Aktionäre deutlich verkürzt. Das bedeutet, dass frühe Investoren vor dem Börsengang) ihre Gewinne früher als üblich realisieren können.
Die genauen Details der gestaffelten Freigabe (Tiered Lock-up) laut Börsenprospekt:
- Elon Musk: Der Gründer ist von den Ausnahmen komplett ausgeschlossen. Er unterliegt einer strengen Sperrfrist von 366 Tagen.
- Erste Tranche (Q2-Zahlen): Sobald SpaceX die Ergebnisse für das zweite Quartal (April-Juni) veröffentlicht, dürfen berechtigte Insider bereits bis zu 20 Prozent ihrer gesperrten Aktien verkaufen.
- Performance-Bonus: Steigt die Aktie an fünf von zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen um mindestens 30 Prozent über den Ausgabepreis, werden weitere zehn Prozent freigegeben.
- Zeitbasierte Tranchen: Nach 70, 90, 105, 120 und 135 Tagen werden jeweils weitere sieben Prozent der Aktien für den Verkauf freigegeben.
- Zweite Tranche (Q3-Zahlen): Nach Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal werden weitere 28 Prozent freigegeben.
- Ende der Sperrfrist: Erst nach den vollen 180 Tagen fallen alle restlichen Beschränkungen.
Zudem wurden fünf Prozent der IPO-Aktien für ausgewählte Insider reserviert, die von jeglicher Lock-up-Frist befreit sind. Diese gestaffelte Struktur bedeutet, dass der Markt viel früher als bei anderen Börsengängen mit neuen Aktien geflutet werden könnte, was den Kurs unter Druck setzen kann.
Besonnenheit zahlt sich aus
SpaceX ist zweifellos eines der innovativsten Unternehmen unserer Zeit. Doch ein großartiges Unternehmen ist nicht automatisch eine großartige Aktie – besonders dann nicht, wenn der Hype seinen Höhepunkt erreicht hat und die Bewertung astronomisch hoch ist.
Bei früheren IPOs hat es sich oft ausgezahlt, den ersten Hype vorübergehen zu lassen und später günstiger einzusteigen. Freilich ist bei SpaceX nicht garantiert, dass diese Strategie wie bei Coinbase, Rivian oder Uber aufgeht – doch die Historie der großen Börsengänge legt nahe: Zurückhaltung am IPO-Tag kann kurz- bis mittelfristige Verluste verhindern. Warten Sie auf die ersten regulären Quartalszahlen, wenn der Markt nicht mehr Visionen, sondern harte Fakten bewertet. Wer beim SpaceX-IPO nicht zum Zug kommt, hat also keinen Grund zur Panik – er hat sich möglicherweise nur vor einem teuren Fehler bewahrt.
Leseempfehlung: SpaceX IPO Part 1: Jahrhundert-Chance oder Liquiditätsfalle?
FAQ
Was bedeutet zeichnen bei einem Börsengang?
Zeichnen bedeutet, dass Sie bei Ihrer Bank oder Ihrem Broker Ihr Kaufinteresse für Aktien eines Unternehmens anmelden, bevor dieses offiziell an der Börse gehandelt wird. Sie kaufen die Aktien damit noch nicht, sondern geben lediglich an, wie viele Aktien Sie zu welchem Preis kaufen möchten. Ob und wie viele Aktien Sie tatsächlich erhalten, entscheidet sich erst nach der Zeichnungsfrist.
Kann ich SpaceX-Aktien direkt am ersten Handelstag verkaufen?
Nicht unbedingt. Laut Börsenprospekt werden die Aktien voraussichtlich erst ab dem 15. Juni 2026 in die Depots eingebucht, obwohl der erste Handelstag bereits der 12. Juni ist. Wer am ersten Tag Gewinne mitnehmen möchte, könnte also leer ausgehen.
Was ist eine Lock-up-Periode?
Eine Lock-up-Periode ist eine vertraglich vereinbarte Sperrfrist, während der Insider (Gründer, frühe Investoren, Mitarbeiter) ihre Aktien nach einem Börsengang nicht verkaufen dürfen. Sie soll verhindern, dass der Markt sofort nach dem IPO mit Verkäufen überflutet wird. Bei SpaceX ist diese Frist für bestimmte Aktionäre kürzer als die üblichen 180 Tage.




