Nur wenige Wochen nach dem Schock, den Chinas neuer KI-Shootingstar DeepSeek durch den Tech-Sektor jagte, hat Nvidia rekordverdächtige Quartalszahlen vorgelegt, hadert aber mit rückläufigen Margen. Im vierten Quartal des zurückliegenden Geschäftsjahres erzielte der US-Chiphersteller einen Rekordumsatz von 39.3 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von zwölf Prozent im Vergleich zum dritten Quartal und satten 78 Prozent im Jahresvergleich. Großen Anteil daran hatte die Rechenzentrumssparte: Mit 35.6 Milliarden US-Dollar lag der Zuwachs hier bei 16 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 93 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Die Nachfrage nach unseren neuen Blackwell-Chips ist enorm, da KI-Modelle immer mehr Rechenleistung benötigen, um intelligenter zu werden“, erklärte CEO und Mitgründer Jensen Huang.
Nvidias Triumphzug geht weiter
Wer nach einem Indikator sucht, um den Hype um Künstliche Intelligenz im breiten Finanzmarkt quantitativ zu erfassen, muss sich nur die Entwicklung von Umsatz und Gewinn bei Nvidia ansehen. Ebenso wie der Aktienkurs des Weltmarktführers für KI-Chips explodierten auch die wichtigsten finanziellen Kennzahlen in den vergangenen Jahren. Im ersten Quartal 2020 setzte der Halbleiter-Gigant aus heutiger Sicht mickrige drei Milliarden US-Dollar um und machte weniger als eine Milliarde Gewinn. Graduell stiegen beide Kennzahlen, bis Nvidia Ende 2021 rund acht Milliarden umsetzte und drei Milliarden daran verdiente. Das entsprach zwar solidem Wachstum, war aber nicht sonderlich berauschend. Kein Ausreißer unter den starken Marktführern der Branche, die oberste Riege des Technologie-Sektors war für Nvidia damals noch weit entfernt.
Den großen Triumphzug startete der Konzern mit Beginn des Jahres 2023 – ausgerechnet nach einer monatelangen Durststrecke mit mehreren rückläufigen Quartalen im vorangegangenen Geschäftsjahr. Dieses Tal verließ Nvidia mit Verve und startete mit Anlauf in eine Expansionsphase, wie sie die Börsenwelt kaum je zuvor gesehen hatte. In nur einem Jahr – von Anfang 2023 bis zum ersten Quartal 2024 – konnten Jensen Huang und Co. ihren Umsatz nahezu vervierfachen, die 26 Milliarden aus dem letzten Frühjahr wuchsen in den zurückliegenden zwölf Monaten erneut um rund 50 Prozent. Ähnlich steil stieg der Nettogewinn an, der sich nunmehr auf rund 22 Milliarden US-Dollar beläuft. Seit dem vierten Quartal 2022, also innerhalb von rund 24 Monaten, hat sich dieser Wert mehr als verfünfzehnfacht.
Gewinn wächst, Marge sinkt
Der Nettogewinn von Nvidia erreichte im vierten Quartal 22.1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn je Aktie kletterte um sieben Prozent auf 0.89 US-Dollar. Auch auf das Gesamtjahr gesehen war das Wachstum rasant: 72.9 Milliarden US-Dollar Gewinn bedeuten ein Plus von 145 Prozent. Die Bruttomarge sank hingegen von 76 Prozent im Vorjahr auf nun 73 Prozent. Bereits im dritten Quartal hatte dieser Rückgang begonnen, damals lag die Marge bei 74.6 Prozent. Dass der Gewinn trotzdem so kräftig zulegen konnte, lag vor allem daran, dass sich der Umsatz ein weiteres Mal nahezu verdoppelte. Hauptverantwortlich für diese guten Zahlen war das Geschäft mit Rechenzentren, dessen Umsatz um beachtliche 93 Prozent auf 35.6 Milliarden Dollar zunahm. Noch vor einem Jahr hatte Nvidia mit KI-Infrastruktur rund 18.4 Milliarden Dollar verdient.
Aufs Jahr gerechnet lesen sich Nvidias Statistiken nicht minder beeindruckend. Über das gesamte Geschäftsjahr 2023 erwirtschaftete man einen Umsatz von rund 61 Milliarden US-Dollar, in den zurückliegenden zwölf Monaten waren es mit gut 130 Milliarden mehr als doppelt so viel. Aber auch die Kosten steigen deutlich: 2023 investierte man für Entwicklung und administrative Kosten rund 11.3 Milliarden Dollar, 2024 waren es mit 16.4 Milliarden fast 50 Prozent mehr. Dennoch stieg der Gewinn pro Aktie auf das ganze Geschäftsjahr gerechnet von 1.19 US-Dollar 2023 auf nun 2.94 Dollar. Wenig überraschend lautete das Zauberwort auch hier wieder: Künstliche Intelligenz.
Nvidia kann KI – und was noch?
„KI entwickelt sich mit Lichtgeschwindigkeit“, konstatierte Jensen Huang in seinem Statement zu den jüngsten Quartalszahlen, und betonte, dass KI mithilfe immer stärkerer, selbstlernender Maschinen aktuell das nächste Level erreiche, um „die größten Industrien der Welt zu revolutionieren“. Und natürlich braucht die Welt dafür weiterhin Nvidias Mikrochips. Nicht von ungefähr ist der Umsatz mit der Ausstattung von Rechenzentren für den Konzern zum mit Abstand wichtigsten finanziellen Standbein geworden. Fast 91 Prozent des Gesamtumsatzes stammen aus diesem Sektor – auch dieser Wert ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Noch 2020 lag der Anteil der KI-Branche bei deutlich unter 40 Prozent der gesamten Einnahmen, nach deutlichem Wachstum in den Jahren 2022 und 2023 durchbrach der Geschäftszweig nun zum ersten Mal die 90-Prozent-Marke am Gesamtumsatz.
Am stärksten wächst bei Nvidia der Umsatz mit KI-Rechenzentren. Der Anteil an den Gesamteinnahmen (dunkelrot) stieg im vierten Quartal zum ersten Mal über 90 Prozent.
Unter dieser KI-Dominanz leiden wohl oder übel die anderen Geschäftsfelder, etwa die Gaming-Branche, wo sich Nvidia ursprünglich seine Sporen verdiente. Der Umsatz mit Videospiel-Infrastruktur fiel im Vergleich zum dritten Quartal um 22 Prozent auf 2.5 Milliarden US-Dollar. Im Jahresvergleich betrug das Minus elf Prozent. Auf das gesamte zurückliegende Jahr gerechnet, erzielte die Sparte ein zartes Plus von neun Prozent. Das ist fast schon zu vernachlässigen im Vergleich zu den massiven Zuwächsen im KI-Segment – aufgeben will Nvidia den Gaming-Markt aber nicht. Um die Unwucht in der geschäftlichen Ausrichtung wieder etwas auszugleichen, setzt man weiterhin auf Innovation und stellte zuletzt die neue Grafikkarten-Serie GeForce-RTX-50 vor, die besonders durch KI-gestützte Render-Technologien überzeugen soll.
Ein kleiner, aber aufstrebender Wachstumstreiber bleibt derweil der Automotive- und Robotik-Sektor: Hier stieg der Umsatz im vierten Quartal um 103 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 570 Millionen US-Dollar. Die jährlichen Einnahmen wuchsen um 55 Prozent auf 1.7 Milliarden. Im Automobil-Sektor setzt Nvidia auf Partnerschaften mit dem weltgrößten Autobauer Toyota und dessen japanischem Konkurrenten Hyundai, die jeweils mit Nvidia-Technologie an smarten Fahrzeugen und autonomer Sicherheitstechnologie feilen. Für seine Anleger hatte Jensen Huang zum Abschluss noch eine Prognose in petto: Im kommenden Quartal soll der Umsatz auf 43 Milliarden US-Dollar steigen, die Bruttomarge allerdings dürfte unter 71 Prozent zurückfallen. Wenigstens gibt es Anfang April wieder Dividende: Diesmal sind es 0.01 US-Dollar pro Aktie.


Von diesem Wachstum bei Umsatz und Gewinn können andere Tech-Giganten nur träumen: Seit 2020 hat Nvidia Umsatz und Gewinn mehr als verzehnfacht.
Hohe zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn: Einmal mehr legt Nvidia ein Rekordquartal hin, kämpft aber mit schwächelnden Margen.
