Als würde es Elon Musk wurmen, den Nimbus des alles überscheinenden Shooting Stars der E-Auto-Branche an den chinesischen Konkurrenten BYD verloren zu haben, hat der reichste Mann der Welt nun in Sachen Starlink nachgelegt. Kurz nach Neujahr hat SpaceX die ersten Satelliten ins All geschossen, die Mobilfunksignale direkt an Smartphones senden können. Bislang war das laut Firmenangaben weltweit verfügbare Starlink-Netz nur per Satellit empfangbar. Mehrere internationale Unternehmen und auch die deutsche Telekom wollen die Starlink-Satelliten nutzen, um ihre Mobilfunk-Netze zu verbessern. Elon Musk kündigte auf X, vormals Twitter, „Mobilfunkempfang überall auf der Erde“ an und sprach von einer „großartigen Lösung für Gegenden ohne Netz“.
Mobilfunk aus dem All
Der im Fachjargon sogenannte direct-to-cell-Dienst umfasst zunächst nur Textnachrichten. Sprach- und Datenabdeckung sollen bald folgen. Das vorrangige Ziel sei, selbst an entlegenen Orten Funklöcher zu stopfen, telefonieren und das Internet nutzen zu können, teilte SpaceX gestern in einer Aussendung mit. In einer „Falcon 9“-Rakete transportierte die von Elon Musk gegründete Raumfahrtfirma am 2. Januar 21 neue Starlink-Satelliten ins All, sechs davon mit direct-to-cell-Fähigkeiten, also unmittelbarer Verbindung zu LTE-fähigen Mobiltelefonen.
Telefonische Kommunikation via Satellit ist bisher nur mit eigens dafür gebauten Geräten möglich. Mit Apples iPhones 14 und 15 lassen sich außerdem Notfallsignale per Satellit aussenden – allerdings nur, wenn man unter freiem Himmel steht, das Handy auf einen Satelliten ausrichtet und im Vorfeld schon Notfallinformationen angegeben hat. Im neuen Starlink-Netz soll normale Handynutzung nun ohne spezielle Vorrichtungen wie Antennen oder Chips funktionieren – allerdings vorerst mit der erwähnt starken Einschränkung der Bandbreite. Das zu ermöglichen hatte Musk schon im August 2022 gemeinsam mit dem CEO von T-Mobile USA angekündigt.
SpaceX plant weitere 40 000 Satelliten
Schon vor dem jüngsten Launch war SpaceX, dessen Internetdienst Starlink seit 2020 zugänglich ist, mit über 5 000 Satelliten im Erdorbit der größte Satellitenbetreiber weltweit. SpaceX erhielt zudem Genehmigungen für zusätzliche rund 19 500 Satelliten, die in Zukunft in die Erdumlaufbahn transportiert werden sollen, und plant selbst knapp 22 500 weitere. Zusammen wären das fünfmal so viele Satelliten wie die Menschheit vom ersten derartigen Flugkörper Sputnik bis 2019 in den Orbit schoss. In den nächsten Monaten sollen den bisher sechs Geräten mit direct-to-cell-Kompatibilität weitere 840 in den Weltraum folgen, um das Netz stetig zu verbessern, wie Elon Musk ankündigte.
Das Starlink-Upgrade mache traditionellen Mobilfunkunternehmen derweil keine Konkurrenz, betont Musk. Schließlich könnten nicht mehr als ein paar Megabit pro Funkzelle empfangen und versendet werden – somit wird der Empfang in abgelegenen Regionen gewährleistet, aber nicht viel mehr. Kritiker werfen Starlink vor, die ohnehin stark von Elektroschrott durchströmte Erdumlaufbahn weiter zu verstopfen. Zehntausende neue Satelliten könnten Raketenstarts in wenige Jahrzehnten behindern, heißt es. Zwar fliegen die Starlink-Satelliten in einer moderaten Höhe von knapp 600 Kilometern, die es erlaubt, sie bei Fehlfunktionen zurückzuholen oder verglühen zu lassen. Das funktioniere laut Experten aber nicht immer so reibungslos wie in der Theorie.
Starlink soll auch IoT unterstützen
Eine Genehmigung für kommerzielle Nutzung der neuen direct-to-cell-Satelliten hat SpaceX von den Regulierungsbehörden übrigens noch gar nicht bekommen. Bis 2025 soll es dann aber auch offiziell möglich sein, über die Satelliten zu telefonieren und das Internet zu nutzen – sogar für Internet-of-Things-Maschinen, also etwa smarte Haushaltsgeräte. Die Satelliten werden von SpaceX selbst in den USA gefertigt – ebenso wie die wiederverwendbaren Trägerraketen. Damit gilt die Firma als Speerspitze der privaten Raumfahrt, die auch andere Tech-Milliardäre wie Jeff Bezos seit Jahren betreiben. Zwar sind weder SpaceX noch Starlink bisher börsengelistet, Elon Musks Aktivitäten mit Tesla sind allerdings schon an der Tech-Börse Nasdaq zu verfolgen. Tesla selbst analysieren wir in unserem Tech-Paket, den Nasdaq-Index auch einzeln – und zwar täglich von Montag bis Freitag.



