Das Wichtigste in Kürze:
- SpaceX plant den Gang an die Nasdaq zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie.
- Trotz eines starken operativen Geschäfts mit einem Ergebnis von 6.6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 schrieb der Konzern unter dem Strich einen Nettoverlust von rund 4.94 Milliarden US-Dollar.
- Ein Free Float von lediglich rund fünf Prozent trifft auf eine außergewöhnlich hohe Retail-Tranche von etwa 30 Prozent.
Der größte Börsengang der Geschichte
Es ist das Finanz-Event des Jahrzehnts: Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX wagt den Sprung aufs Parkett. Mit einem geplanten Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar und einer Gesamtbewertung von 1.75 Billionen US-Dollar stellt der Börsengang selbst den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco (2019) in den Schatten.
SpaceX hat die Raumfahrtindustrie in den letzten zwei Jahrzehnten revolutioniert. Durch die Entwicklung wiederverwendbarer Raketen wurden die Kosten für den Zugang zum Weltall um mehr als 95 Prozent gesenkt. Heute befördert das Unternehmen den Großteil aller weltweiten Nutzlasten in die Umlaufbahn. Zudem gilt das Satelliten-Internet Starlink als starker Wachstumstreiber und zukünftige Cashcow des Konzerns.
SpaceX Starbase in Brownsville, Texas
Die Bewertung von SpaceX hat sich in atemberaubendem Tempo vervielfacht. Noch im Dezember 2025 lag die Bewertung bei einem Tender-Offer bei 800 Milliarden US-Dollar. Durch den Merger mit Musks KI-Unternehmen xAI im Februar 2026 stieg sie auf 1.25 Billionen, bevor nun für den IPO 1.75 Billionen US-Dollar aufgerufen werden.
Die Zahlen: Umsatzwachstum trifft auf Milliardenverluste
Ein Blick in das S-1 Filing (der offizielle Börsenprospekt) offenbart die finanzielle Realität hinter der astronomischen Bewertung. SpaceX ist ein Unternehmen der Extreme: Es generiert massives Wachstum, verbrennt aber gleichzeitig enorm viel Kapital.
Im Gesamtjahr 2025 wies SpaceX einen operativen Gewinn (EBITDA) von 6.6 Milliarden US-Dollar aus. Unter dem Strich (nach GAAP-Standards) verbuchte der Konzern jedoch einen Nettoverlust von 4.94 Milliarden US-Dollar.
Im ersten Quartal 2026 beschleunigte sich dieser Trend dramatisch: In nur drei Monaten verzeichnete SpaceX einen Nettoverlust von 4.28 Milliarden US-Dollar. Der Hauptgrund für diese Verluste ist der Aufbau der KI-Infrastruktur. Die KI-Sparte (xAI) verbrannte 2025 über sechs Milliarden US-Dollar und weitere 2.5 Milliarden im ersten Quartal 2026.
Was diesen IPO von anderen unterscheidet
Der SpaceX-Börsengang weist mehrere strukturelle Besonderheiten auf, die ihn von klassischen Tech-IPOs unterscheiden und für Investoren von entscheidender Bedeutung sind:
1. Die Retail-Tranche und der Free Float
Erstmals bei einem IPO dieser Größenordnung wird eine ungewöhnlich hohe Tranche von bis zu 30 Prozent der angebotenen Aktien für Privatanleger (Retail-Investoren) reserviert. Gleichzeitig ist der frei handelbare Anteil am Gesamtunternehmen (Free Float) mit geschätzten fünf Prozent extrem gering. Diese künstliche Verknappung des Angebots bei gleichzeitig hoher Nachfrage durch Privatanleger ist ein klassisches Rezept für extreme Volatilität an den ersten Handelstagen.
2. Die Bewertungs-Diskrepanz
Die anvisierte Bewertung von 1.75 Billionen US-Dollar entspricht dem 90- bis 100-Fachen des aktuellen Jahresumsatzes. Zum Vergleich: Etablierte Tech-Giganten wie Apple oder Microsoft werden mit einem Bruchteil dieses Umsatz-Multiplikators gehandelt.
Um die Dimension dieser Bewertung greifbar zu machen, hilft ein Vergleich mit bekannten Unternehmen und Märkten. Mit 1.75 Billionen US-Dollar wäre SpaceX mehr wert als alle amerikanischen Rüstungskonzerne zusammen – also Lockheed Martin, Raytheon, Northrop Grumman, General Dynamics und L3Harris in der Summe. Die Bewertung übersteigt auch die kombinierten Marktkapitalisierungen von Coca-Cola, McDonald's, Disney, Nike und Starbucks. Und sie übertrifft die Marktkapitalisierungen der zehn größten Unternehmen an der Londoner Börse zusammengenommen.
Das renommierte Analysehaus Morningstar hat die Bewertung kurz vor dem IPO als deutlich zu hoch eingestuft. Auf Basis eigener Cashflow-Modelle berechneten die Analysten einen fairen Wert von rund 780 Milliarden US-Dollar – das ist fast eine Billion US-Dollar unter dem anvisierten IPO-Ziel.
3. Die absolute Kontrolle durch Elon Musk
Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Aktionärsstruktur. Das S-1 Filing bestätigt, dass Elon Musk rund 42 Prozent des Eigenkapitals von SpaceX besitzt, aber durch eine Dual-Class-Aktienstruktur gewaltige 85 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Wer SpaceX-Aktien kauft, investiert in ein Unternehmen, in dem eine einzige Person unilateral über Fusionen, Übernahmen, Vorstandsgehälter und strategische Neuausrichtungen entscheiden kann.
Liquiditätsfalle? Was man wirklich wissen muss
Der Begriff "Liquiditätsfalle" klingt dramatisch, beschreibt aber ein konkretes, strukturelles Marktphänomen, das beim SpaceX-IPO besonders ausgeprägt ist. Das Grundprinzip ist einfach: Wenn ein extremer Hype auf ein künstlich knappes Angebot trifft, kann der Kurs in den ersten Handelstagen nach oben schießen – und ebenso schnell wieder abstürzen, sobald frühe Investoren und Insider ihre günstig erworbenen Anteile zu hohen Marktpreisen verkaufen.
Beim SpaceX-IPO sind die Voraussetzungen für dieses Szenario strukturell angelegt. Der Free Float beträgt lediglich rund fünf Prozent des Gesamtunternehmens. Das bedeutet: Von einer Gesamtbewertung von 1.75 Billionen US-Dollar sind nur Aktien im Wert von etwa 87.5 Milliarden US-Dollar frei handelbar. Gleichzeitig haben zahlreiche frühe Investoren – darunter Risikokapitalgeber, die SpaceX seit Jahren zu Bewertungen von weit unter 100 Milliarden US-Dollar finanziert haben – ein enormes Interesse daran, ihre Anteile abzustoßen. Der Börsengang ist für diese Investoren das erste Mal, dass sie ihre Gewinne in liquide Form umwandeln können.
| Eine Woche | Ein Monat | Drei Monate | Sechs Monate | Zwölf Monate | Erstes Jahr Max Drawdown | |
| -17% | -18% | -45% | -42% | -31% | -54% | |
| Alibaba | -4% | -6% | 18% | -9% | -30% | -58% |
| Shopify | 7% | 38% | 14% | 9% | 2% | -52% |
| Spotify | 4% | 14% | 13% | 21% | -3% | -46% |
| Cloudflare | 10% | -13% | 0% | 6% | 90% | -32% |
| Palantir | 5% | 13% | 164% | 132% | 153% | -53% |
| Airbnb | 2% | 3% | 37% | 0% | 25% | -39% |
| Zoom | 5% | 45% | 54% | 9% | 142% | -40% |
| Uber | 1% | 3% | -4% | -34% | -21% | -68% |
| Coinbase | -5% | -19% | -30% | -24% | -55% | -57% |
10 Tech-IPOs: Median Year-1-Drawdown -54%.
Der IPO-Katalysator. Quelle: Truist/Keith Lerner, Metals and Miners
Die historische Evidenz stützt diese Vorsicht. Viele der spektakulärsten IPOs der letzten Jahrzehnte – von Uber (2019) über Rivian (2021) bis hin zu WeWork (2021) – erlebten nach einem euphorischen Debüt massive Kursrückgänge, sobald die Lock-up-Perioden für Insider abliefen und die anfängliche Euphorie der Fundamentalanalyse wich. Das bedeutet nicht zwingend, dass SpaceX denselben Weg gehen wird. Es bedeutet aber, dass Investoren, die am Ausgabepreis einsteigen, ein erhebliches Timing-Risiko eingehen.
Bedeutung für Investoren
Der SpaceX-Börsengang bietet Anlegern die seltene Chance, sich an einem echten Pionierunternehmen zu beteiligen, das nicht nur die Raumfahrt dominiert, sondern durch Starlink und xAI auch in den Bereichen Telekommunikation und Künstliche Intelligenz eine führende Rolle anstrebt.
Dennoch ist höchste Vorsicht geboten. Die Kombination aus einer extrem ambitionierten Bewertung, einem geringen Free Float, großen Verlusten durch den KI-Aufbau und der absoluten Kontrolle durch Elon Musk birgt erhebliche Risiken. Institutionelle Investoren betrachten den IPO mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis. Anleger sollten sich der hohen Volatilität bewusst sein und die fundamentale Entwicklung – insbesondere die Profitabilität der KI-Sparte und das Wachstum von Starlink – in den kommenden Quartalen genau beobachten.
Leseempfehlung: Meinung oder Analyse? Wer den Unterschied kennt, kann Verluste vermeiden!
FAQ
Wann geht SpaceX an die Börse?
Die Preisfestsetzung wird für den 11. Juni 2026 erwartet, der erste Handelstag an der Technologiebörse Nasdaq (unter dem Ticker-Symbol SPCX) soll der 12. Juni 2026 sein.
Warum schreibt SpaceX trotz hoher Umsätze Verluste?
Während das Kerngeschäft (Raketenstarts und Starlink) operativ profitabel ist, investiert SpaceX massiv in den Aufbau seiner KI-Infrastruktur (xAI). Diese enormen Kapitalausgaben (CapEx) führen auf Konzernebene zu hohen Nettoverlusten.
Was bedeutet der geringe Free Float für die Aktie?
Ein geringer Free Float (der Anteil der frei handelbaren Aktien) bedeutet, dass nur wenige Aktien auf dem Markt verfügbar sind. Bei hoher Nachfrage kann dies zu extremen und schnellen Kursanstiegen führen, aber auch zu ebenso schnellen Abstürzen, sobald frühe Investoren Gewinne mitnehmen.




