Die wichtigsten Punkte
Die EU-Kommission hat Apple, Google, Microsoft und Booking.com angeschrieben und Informationen darüber verlangt, wie die Unternehmen gegen Finanzbetrug auf ihren Plattformen vorgehen. Hintergrund ist das europäische Gesetz über digitale Dienste, der sogenannte Digital Services Act (DSA). Dieses verpflichtet große Online-Plattformen, systemische Risiken wie Betrug oder die Verbreitung illegaler Inhalte aktiv einzudämmen. Verbraucher in der EU verlieren nach Angaben der Kommission jedes Jahr mehr als 4 Milliarden Euro durch Online-Betrug. Die Anfragen sind zunächst keine Strafverfahren, sondern sollen klären, ob die Konzerne genug tun, um ihre Nutzer zu schützen. Schon laufende Verfahren gibt es etwa gegen Facebook, Instagram, TikTok oder den Online-Marktplatz Temu.
Was genau ist passiert?
Die Europäische Kommission hat am 23. und 24. September 2025 offizielle Auskunftsersuchen an die vier großen Internetkonzerne geschickt. Gefragt wird darin, welche Maßnahmen die Firmen ergreifen, um Betrugsfälle auf ihren Plattformen frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Gemeint sind zum Beispiel gefälschte Anzeigen, betrügerische Hotelangebote oder Investment-Scams, die oft mit gefälschten Promi-Videos arbeiten. EU-Techchefin Henna Virkkunen begründete die Anfrage damit, dass Online-Betrug für die Verbraucher heute viel zu einfach starte und regelmäßig große finanzielle Schäden anrichte. Damit wolle man besser verstehen, ob die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen der Unternehmen ausreichen oder nachgebessert werden müssen.
Warum gerade diese Firmen im Fokus stehen
Apple, Google, Microsoft und Booking.com gehören zu den sogenannten „sehr großen Online-Plattformen“ der EU. Damit sind Dienste gemeint, die mehr als 45 Millionen Nutzer in Europa haben. Für sie gelten seit 2023 besonders strenge Regeln im Rahmen des Digital Services Act. Diese Plattformen haben durch ihre Größe eine enorme Reichweite und sind deshalb auch besonders anfällig dafür, dass Betrüger ihre Dienste missbrauchen. Ein Beispiel: Betrüger können im App-Store von Apple oder Google gefälschte Finanz-Apps einschleusen, oder über Buchungsportale wie Booking.com gefälschte Unterkünfte anbieten. Genau solche Risiken will die Kommission genauer beleuchtet wissen.
Der wachsende Schaden durch Finanzbetrug
Die EU verweist auf die steigende Zahl von Betrugsfällen im Internet. Dazu zählen nicht nur klassische Phishing-Mails, sondern auch neuere Methoden wie Deepfake-Videos, in denen angebliche Prominente Anleger dazu bringen sollen, Geld in nicht existierende Projekte zu stecken. Auch wir bei der HKCM werden vermehrt von unseren Kunden darüber informiert, dass Fake-Videos von Philip Hopf oder dem Phantom auf Social Media die Runde machen.
Da wir für absolute Transparenz stehen, haben wir eine Seite für unsere Kundinnen und Kunden eingerichtet, auf der wir ganz genau erklären, wie man die Fake-Videos erkennt –> HKCM klärt auf: Vorsicht vor Scammern und Fake-Profilen.
Auch gefälschte Online-Shops oder Betrugsversuche über Social Media nehmen zu. Der finanzielle Schaden ist enorm: Nach Angaben von Henna Virkkunen verlieren Verbraucher in Europa jährlich mehr als 4 Milliarden Euro. Gleichzeitig werden die Methoden immer raffinierter, nicht zuletzt durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Betrüger können dadurch realistisch wirkende Fälschungen erzeugen, die für viele Nutzer schwer zu durchschauen sind.
Was der Digital Services Act verlangt
Mit dem DSA hat die EU ein umfassendes Gesetz geschaffen, das seit 2023 für die größten Plattformen gilt. Es soll sicherstellen, dass diese Unternehmen mehr Verantwortung für die Inhalte übernehmen, die über ihre Dienste verbreitet werden. Konkret bedeutet das: Plattformen müssen regelmäßig prüfen, welche systemischen Risiken von ihren Diensten ausgehen, zum Beispiel durch Betrug oder Desinformation. Außerdem müssen sie Maßnahmen entwickeln, um diese Risiken einzudämmen, und darüber berichten. Die EU kann Nachweise verlangen, dass diese Vorkehrungen auch tatsächlich greifen. Genau das ist nun der Fall: Apple, Google, Microsoft und Booking.com müssen darlegen, wie sie ihre Nutzer vor Finanzbetrug schützen.
Noch kein offizielles Verfahren
Die EU-Kommission betont, dass es sich bisher nicht um ein Strafverfahren handelt. Es geht zunächst um Informationsanfragen, mit denen die Behörde prüfen will, ob die Unternehmen ihre Pflichten erfüllen. Ein Sprecher erklärte, dass diese Anfragen ein „wesentlicher Schritt“ seien, um die Nutzer in der EU besser vor Betrug zu schützen. Sollten die Antworten allerdings unzureichend ausfallen, könnte die Kommission im nächsten Schritt ein offizielles Verfahren einleiten. Dann drohen den Unternehmen empfindliche Geldstrafen. Für den Moment geht es aber vor allem um Transparenz und darum, ein genaues Bild zu bekommen, wie die Konzerne mit der Problematik umgehen.
Gegen wen schon ermittelt wird
Anders als bei Apple, Google, Microsoft und Booking laufen gegen andere große Plattformen bereits offizielle DSA-Verfahren. Dazu zählen unter anderem Facebook, Instagram, TikTok, der Kurznachrichtendienst X (früher Twitter), die chinesische Shopping-App Temu sowie mehrere Erwachsenen-Plattformen wie Pornhub oder Xvideos. Bei diesen Anbietern plant die EU herauszufinden, ob sie gegen ihre Pflichten verstoßen, etwa beim Umgang mit illegalen Inhalten oder beim Schutz vor Betrug. Diese Verfahren sind bisher nicht abgeschlossen.
Was als Nächstes passieren könnte
Nachdem die Unternehmen ihre Antworten eingereicht haben, wird die Kommission prüfen, ob die Maßnahmen ausreichend sind. Sollten Zweifel bestehen, könnte sie ein formelles Verfahren eröffnen. Das wäre ein deutliches Signal an die Konzerne, dass sie ihre Schutzmechanismen verstärken müssen. Der DSA sieht bei Verstößen Geldstrafen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Für Konzerne wie Apple oder Google wären das Milliardenbeträge. Die EU hat in den vergangenen Monaten mehrfach klargemacht, dass sie den DSA konsequent umsetzen will. Nutzerinnen und Nutzer in Europa sollen spürbar sicherer im Netz unterwegs sein können.
Politische Dimension
Neben dem Verbraucherschutz hat die Debatte auch eine geopolitische Note. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat im Sommer 2025 deutliche Kritik an den europäischen Regeln geübt und sogar mit Strafzöllen gedroht, falls US-Unternehmen benachteiligt würden. Trotzdem hält die EU an ihrer Linie fest und betont, dass es ihr um faire und sichere Bedingungen für alle Nutzer geht.



