MicroStrategy hält ein Prozent aller Bitcoins, die existieren. Also mehr als 200 000 Stück. Das Unternehmen des Milliardärs Michael Saylor hat eines der größten Bitcoin-Vermögen überhaupt angehäuft. Wert sind die BTC-Bestände von MicroStrategy aktuell rund $15 Milliarden – bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von knapp über $35 000. Beim aktuellen Jahreshoch war man also gute 100 Prozent im Plus. Bevor MicroStrategy zu einem der größten Bitcoin-Wale und Michael Saylor zur Galionsfigur der institutionellen Krypto-Adoption aufstieg, flog der Software-Konzern eher unterm Radar. Das Allzeithoch feierte die Aktie kurz vor dem Dot-Com-Crash Anfang des Jahrtausends und krebste bis zum Krypto-Bullenmarkt 2021 ziellos durch die Bedeutungslosigkeit. Seitdem erlebte das Wertpapier aber explosives Wachstum und klopfte sogar in der nordamerikanischen Aktien-Beletage des S&P500 an. Die Bitcoin-Investments waren eine der besten geschäftlichen Entscheidungen von Michael Saylor. Womit aber wurde MicroStrategy eigentlich groß? Und hat das Milliarden-Unternehmen noch mehr zu bieten als seine Diamond Hands beim Bitcoin-HODLn?
„Der einzig sinnvolle Weg ist, Bitcoin zu kaufen“
Wenn das irgendein Influencer sagen würde, bekäme er einen Shitstorm, der sich gewaschen hat. Man würde ihn als völlig weltfremd bezeichnen und ihm vorwerfen, Kleinanleger zu unüberlegten Investment-Entscheidungen zu überreden. Aber Michael Saylor ist nun mal kein Influencer. Wobei – irgendwie ist er das doch. Denn in den letzten Jahren ist der 59-jährige Autor und Unternehmer aus dem Bundesstaat Nebraska zu einem der medialen Gesichter der Bitcoin-Community aufgestiegen. Besonders die Meme-Kultur hat ihn ins Herz geschlossen. Und das hat er Aussagen wie dieser zu verdanken: „Der einzig sinnvolle Weg, die eigene Zeit zu nutzen ist, sich zu überlegen: Wie kann ich mehr Bitcoin kaufen?“, sagte Saylor im März 2021 in einem Interview, das Kultstatus erlangt hat. „Nehmt all euer Geld und kauft mehr Bitcoin. Dann nutzt eure Zeit, um euch zu überlegen, wo ihr mehr Geld herkriegen könnt, um noch mehr Bitcoin zu kaufen.“ Und als ob das nicht schon genug wäre, schob Saylor markig hinterher: „Und wenn euch nichts anders übrigbleibt, dann nehmt eine Hypothek auf euer Haus auf und kauft damit weiter Bitcoin.“
Rückblickend würde man wohl sagen, dass diese Aussagen nicht besonders gut gealtert sind. Im März 2021, als Saylor das Interview gab, stand der Bitcoin bei knapp $60 000. Das war kurz vor einem heftigen Abverkauf mitten im letzten Bullenmarkt, bei dem der Bitcoin-Preis um fast die Hälfte einbrach. Bis November 2021 ging es zwar nochmal auf knapp $70 000 zum alten Allzeithoch. Wer da aber all sein Geld und auch noch die Hypothek auf sein Haus in Bitcoin gesteckt hatte, brauchte starke Nerven und ein verdammt gutes Timing. Denn nach wenigen Tagen auf dem Höhepunkt stürzte der Bitcoin in den jüngsten Bärenmarkt und fand sich ein Jahr später bei rund $15 000 wieder. Über den Zeitpunkt von Michael Saylors Bitcoin-Appell lässt sich also trefflich streiten. Nicht aber darüber, dass er langfristig recht behalten hat. Denn heute steht der Bitcoin deutlich höher als noch 2020, als MicroStrategy selbst begann, Bitcoin zu akkumulieren. Zugutehalten muss man Michael Saylor auch, dass er trotz zwischenzeitlich herber Verluste an der Bitcoin-Strategie seines Unternehmens festgehalten hat. Auch, wenn er im Krypto-Markt zwischenzeitlich für Angst und Schrecken sorgte.
MicroStrategy sorgt für Bitcoin-Euphorie – und Panik
Im August 2020 gab MicroStrategy bekannt, für $250 Millionen Bitcoin gekauft zu haben. Als Grund dafür gab das Unternehmen sinkende Renditen aus Barmitteln, einen schwachen US-Dollar und globale wirtschaftliche Unsicherheit an. Das sorgte zunächst für Euphorie im Krypto-Markt, schließlich war MicroStrategy, das 1998 Aktien ausgab, das erste Börsenunternehmen, das im großen Stil Bitcoin kaufte. Als der Bärenmarkt den Krypto-Primus aber eingeholt hatte, schlug das Hochgefühl in Angst um: Im Mai 2022 warnte der Finanzchef von MicroStrategy auf der Präsentation der damaligen Quartalszahlen, dass man Bitcoin-Bestände liquidieren müsse, wenn der Preis unter $21 000 falle. Ursächlich hierfür seien Abmachungen mit Banken, bei denen man Kredite aufgenommen und die Bitcoin-Bestände als Sicherheit hinterlegt hatte. Der Bitcoin-Kurs stand da gerade bei $30 000, befand sich aber schon in einem spürbaren Abwärtstrend. Dummerweise hatte MicroStrategy in der Zwischenzeit weitere Bitcoins gekauft und saß nun bereits auf milliardenschweren Beständen, deren Verkauf den Markt wohl erschüttert hätten – gerade in einer so labilen Phase.
Im Frühsommer 2022 kam dann die Entwarnung: Das Unternehmen teilte mit, dass man die Liquidation durch zusätzliche Besicherung der eigenen Verbindlichkeiten verhindert und die Preisgrenze dafür nach unten verschoben hätte. Dennoch musste MicroStrategy rund um den Bärenmarkt-Boden im Dezember 2022 stattliche 704 BTC abstoßen und bekam dafür gerade einmal $11.8 Millionen, also gut $16 000 pro Stück. Dass MicroStrategy dem Bitcoin trotz dieser Rückschläge treu blieb, stärkte das Vertrauen der Anleger und machte sich im Aktienkurs deutlich bemerkbar. Nach dem Allzeithoch bei über $3000 im März 2000 war das Wertpapier nach dem Dot-Com-Crash innerhalb von zwei Jahren auf rund $7 kollabiert und erholte sich nur langsam wieder. Noch im März 2020 bei Michael Saylors denkwürdigem Bitcoin-Interview stand der Kurs bei etwa $100. Von dort ging es innerhalb weniger Monate, parallel zum Bitcoin-Bull Run, auf fast $1000. Im letzten Krypto-Bärenmarkt ging es zurück unter $200, bevor die Krypto-Rallye Anfang dieses Jahres auch die MicroStrategy-Aktie auf fast $1800 und damit ein 20-Jahreshoch katapultierte.
Ist MicroStrategy mehr als ein Bitcoin-Maxi?
In den letzten Jahren hat sich die MicroStrategy-Aktie also augenscheinlich zu einer Art Proxy für den Bitcoin-Kurses entwickelt – also eine Möglichkeit für institutionelle Investoren, an Bitcoin-Kurssprüngen zu partizipieren. Dieses Kaufargument ist durch die Bitcoin-Spot-ETFs zwar weggefallen, MicroStrategy aber gründet seinen Unternehmenswert ohnehin auf mehr als nur seine Bitcoin-Bestände. Das Unternehmen wurde schon 1989 von Michael Saylor gegründet und entwickelte Software für Unternehmens- und Datenorganisation. Damit steht MicroStrategy etwa in Konkurrenz mit dem größten europäischen Software-Konzern und DAX-Riesen SAP. Über die Jahre kreierte MicroStrategy mehrere Programme und Systeme, die man häufig für hohe Millionenbeträge veräußerte. Aktuell ist das Flaggschiff-Produkt eine Systemserie für Geschäftsanalytik (engl.: Business Intelligence) mit demselben Namen wie das Unternehmen selbst. Immer mehr aber wendet man sich dem Krypto-Markt zu. Im letzten Quartalsbericht hieß es: „Als weltweit erstes Bitcoin-Entwicklungsunternehmen engagiert sich MicroStrategy für die kontinuierliche Entwicklung des Bitcoin-Netzwerks.“ Diese Reise begleiten wir nun auch mit unserer Analyse: MicroStrategy ist ab sofort Teil unseres beliebten TECH33-Pakets – gemeinsam mit dem Computerspiel-Riesen Take-Two Interactive, dessen Produktportfolio Gaming-Hochkaräter wie Grand Theft Auto (GTA) umfasst. In den kommenden Tagen werden wir auch hier einen Blick hinter die Kulissen werfen.




