Das Wichtigste in Kürze:
- Tägliche Milliardenkosten könnten für die USA zum Fiasko werden.
- Kritische Munitionslücken verringern die Soll-Stärke der US-Verteidigungsfähigkeit.
- Ohne den Einsatz von Bodentruppen droht Epic Fury zu scheitern.
Der Iran-Krieg entwickelt sich für die USA nicht zu einem schnellen chirurgischen Sieg, sondern zu einem bilanziellen Abnutzungskrieg. Während die Rhetorik im Weißen Haus von „maximalem Druck“ spricht und bereits die bedingungslose Kapitulation forderte, weisen die nackten Zahlen des Pentagons auf ein drohendes finanzielles Fiasko hin. Washington verbrennt aktuell schätzungsweise 1.5 Milliarden US-Dollar pro Tag – eine Summe, die selbst für die größte Volkswirtschaft der Welt in Zeiten hoher Zinsen nicht dauerhaft tragbar ist.
Der 50-Milliarden-Dollar-Notruf
Schon wenige Tage nach Beginn der intensiven Kampfhandlungen ist die fiskalische Fassade brüchig. Berichte von Reuters und Politico bestätigen, dass das Pentagon unter Hochdruck einen Supplemental Budget Request (nachträglicher Haushaltsantrag für zusätzliche Gelder) in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar vorbereitet.
Dieses Notgeld scheint nicht wie eine Investition in den zukünftigen Sieg, sondern eher wie eine Reparaturmaßnahme. Es soll primär dazu dienen, die ausgedünnten Munitions- und Raketenbestände der amerikanischen Streitkräfte wieder aufzufüllen. Der Antrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich das reguläre Verteidigungsbudget für das Fiskaljahr 2026 bereits der Marke von einer Billion Dollar nähert.
Für die US-Staatsbilanz bedeutet dieser Krieg den ultimativen Stresstest – ausgerechnet jetzt, da die Vereinigten Staaten innerhalb der nächsten Monate bis zu zehn Milliarden Dollar an Staatsschulden umschichten müssen. Etwa, indem neue Schulden aufgenommen werden, um auslaufende Staatsanleihen auszuzahlen.
Die asymmetrische Falle: High-Tech-Erosion
Das Kernproblem ist die verheerende Kosten-Nutzen-Rechnung der asymmetrischen Kriegsführung. Teheran kontert die technologische Überlegenheit der USA mit einem „Low-Cost-Chaos“-Modell (einfache, billige und massenhafte Herstellung schlägt teure, komplexe und daher in geringer Stückzahl zu produzierende Waffen). Iranische Shahed-Drohnen, die in Massenproduktion für etwa 20 000 bis 50 000 US-Dollar hergestellt werden, binden westliche Abwehrsysteme, deren Abfangraketen (wie die Patriot PAC-3 oder SM-3) pro Stück zwischen zwei und vier Millionen US-Dollar kosten.
Je nach Konstellation, kann die Quantität auch über die Qualität obsiegen.
Die Drohnen-Schwärme der Revolutionsgarden haben bereits mehrere US-Frühwarnradarsysteme in Katar und Jordanien außer Gefecht gesetzt, wodurch die Vorwarnzeit iranischer Raketen, die in Richtung Israels unterwegs sind, verkürzt wurde. Der materielle Verlust dieser Anlagen geht in die Milliarden. Der strategische Verlust durch diese Teilerblindung ist finanzielle kaum darstellbar, obgleich die Radarsysteme von US-Zerstörern, die in der Region stationiert sind, teilweise für Kompensation sorgen können.
Im Gegensatz zu den iranischen Drohnen, die in unterirdischen Fabriken am Fließband produziert werden sollen, sind einige der US-Hochtechnologiewaffen handgefertigte Präzisionsinstrumente, mit Lieferzeiten von Monaten oder gar Jahren. Die USA können ihre Bestände nicht auf Knopfdruck auffüllen und laut der TIME scheint ein großer Teil des Pulvers bereits verschossen zu sein.
Das Erbe der Ukraine-Hilfe
Die militärische Bevorratung der USA soll zudem unter einem historischen Überhang leiden: Die massiven Waffenlieferungen an die Ukraine sollen laut dem Guardian die Lagerbestände an konventioneller und intelligenter Munition auf einen Stand gedrückt haben, der weit unter der strategischen Soll-Stärke liegt.
Washington stellt nun fest, dass man nicht gleichzeitig einen Stellvertreterkrieg in Europa unterstützen und einen direkten, ressourcenintensiven Konflikt im Nahen Osten führen kann, ohne dabei die eigene Verteidigungsfähigkeit zu unterminieren. Der finanzielle Rückhalt im Kongress bröckelt bereits, da die Wählerbasis angesichts der Inflation und steigender Energiekosten wenig Appetit auf ein neues „Open-ended“-Engagement hat.
Jeder weitere Kriegstag wird nicht nur der USA Unmengen an Geld kosten, sondern auch der Weltwirtschaft
Die Topographie des Widerstands
Militäranalytisch betrachtet ist der Iran ein Albtraum. Das Land ist viermal so groß wie der Irak und wird von massiven Gebirgszügen wie dem Zagros- und Alborz-Gebirge dominiert. Luftschläge können zwar die Infrastruktur zerstören, aber keinen angestrebten externen Regime-Change herbeiführen. Eine Ausschaltung der iranischen Führung ist ohne den Einsatz massiver Bodentruppen kaum möglich und auch das Momentum einer inneren Revolte scheint verpasst zu sein.
Trump weiß, dass der Einsatz von hunderttausenden US-Soldaten in einem unwegsamen Guerilla-Terrain politischer Selbstmord wäre. Ohne Bodentruppen bleibt der Krieg jedoch ein teures Feuerwerk ohne politisches Ergebnis. Die Installation eines pro-westlichen Staatsoberhauptes oder gar eine bedingungslose Kapitulation, ist auf diese Weise keinesfalls zu erreichen. Gleichzeitig soll laut Wall Street Journal der iranische Präsident Masoud Pezeshkian für die Beendigung der Kampfhandlungen internationale Garantien und amerikanische Reparationszahlungen fordern, was wohl ein Novum wäre.
Der erzwungene Deal
Das iranische Regime könnte in seiner Verteidigungsstellung den längeren Atem haben. Die Islamische Republik nutzt ihre geografische Tiefe, ihre asymmetrische Drohnen-Ökonomie und bekommt Schützenhilfe aus Moskau und Peking. Während der Iran den Schmerz eines isolierten Sanktionsstaates gewohnt ist, ist die US-Wirtschaft hochgradig allergisch gegen anhaltende Unsicherheiten und eine ausufernde Staatsverschuldung, die dank hoher Zinsen zu explodieren drohen. Und auch politisch ist der Krieg ein Pulverfass, schließlich stehen Ende des Jahres die wichtigen Midterm-Wahlen an, die Trump mit seinen Republikanern nicht verlieren will.
So kann es kommen, dass nicht Trump dem Iran einen Deal aufzwingen wird, sondern Trump sehr bald gezwungen sein könnte, sich einen Deal von den neuen Machthabern in Teheran aufdrücken zu lassen. Dies würde für den US-Präsidenten kein Akt der Stärke sein, sondern eine notwendige Umschuldung eines militärischen Vorhabens, das schier unbezahlbar geworden ist. Teheran hat die Straße von Hormus nicht nur physisch, sondern auch bilanziell vermint. Der Margin Call für die Operation Epic Fury könnte somit nur noch eine Frage der Zeit sein.
Welche Unternehmen könnten von dieser Entwicklung profitieren?
Wo es Verlierer gibt, muss es zwangsweise auch Gewinner geben und so sind es vor allem Start up-Unternehmen für den Drohnenbau sowie für die Abwehr derselben, die derzeit Hochkonjunktur haben. Um einen Krieg gewinnen zu können, muss der militärische Komplex vor allem finanzierbar sein. In der jüngsten Auseinandersetzung zeigt sich, dass militärisch gesehen nicht nur die High-Tech-Waffen ihre Daseinsberechtigung haben, sondern auch Waffen, die ihre Effizienz durch kostengünstige und schnell zu produzierende Prozesse erhalten.
Zukunftsmodell Massenware. Waffen müssen nicht nur effektiv, sondern auch günstig in der Produktion sein.
Unternehmen wie AeroVironment (AVAV) produzieren taktische Drohnen, Teledyne FLIR (eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Teledyne Technologies) stellt unter anderem Nano-Drohnen her und DroneShield entwickelt Drohen-Abwehrsysteme. Alle drei Unternehmen bringen Produkte auf den Markt, deren Anschaffungskosten teils im niedrigen fünfstelligen Bereich angesiedelt sind. Über kurz oder lang dürften sämtliche Armeen aufrüsten und die neue Drohnentechnologie integrieren.
Das Maschinengewehr war der buchstäbliche Gamechanger im Ersten Weltkrieg, die Massenproduktion von Panzern sowie die Einsatzmöglichkeit von großflächigen Jagd- und Bomberverbänden leiteten den militärstrategischen Paradigmenwechsel des Zweiten Weltkriegs ein. Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden hauptsächlich von Drohnen und in naher Zukunft von Kampfrobotern geführt werden. Die Frage von Sieg oder Niederlage wird dann wohl eine Frage der Rechenleistung sein.






