Konkurrenz zu Temu: Amazon plant Billig-Shop für Produkte aus China
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Konkurrenz zu Temu: Amazon plant Billig-Shop für Produkte aus China

Amazon plant, auf seiner Shopping-Website einen Bereich mit billigen Artikeln einzurichten, die direkt von Lagern in China an Verbraucher in Übersee geliefert werden. Dies berichtete die Wirtschaftspublikation The Information unter Berufung auf Folien einer internen Präsentation, die chinesischen Verkäufern gezeigt wurde. Der neue Marktplatz dürfte eine Antwort auf das fulminante Wachstum von chinesischen Billiganbietern wie Temu und Shein sein. In den letzten Jahren sind diese Unternehmen durch Massenproduktion und extrem niedrige Preise für Kleidung, Elektronik und Haushaltswaren zu dominanten Playern im internationalen E-Commerce geworden. Shein, welches aktuell einen Börsengang in London plant, ist seit diesem Jahr sogar das größte Modeunternehmen der Welt. Amazon kündigte den chinesischen Verkäufern auf einer kürzlich abgehaltenen Klausurtagung an, im Sommer mit der Registrierung von Händlern und im Herbst mit der Annahme von Warenbeständen zu beginnen. Unklar ist bislang, ob sich die Pläne – wie von vielen Marktbeobachtern vermutet – zunächst nur auf den nordamerikanischen Markt beziehen oder ob Amazon das neue Angebot direkt weltweit ausrollen wird.

Dropshipping direkt von Amazon?

"Wir suchen ständig nach neuen Wegen, um mit unseren Vertriebspartnern zusammenzuarbeiten und unsere Kunden mit einer größeren Auswahl, niedrigeren Preisen und mehr Komfort zu erfreuen", sagte ein Amazon-Sprecher gegenüber Reuters, als er um einen Kommentar zu dem Bericht gebeten wurde. Der neu eingeführte Billig-Bereich wird eine Reihe von markenlosen Artikeln anbieten, von denen viele unter $20 kosten sollen. Ein Modell des Schaufensters zeigte unter anderem ein Gua-Sha-Massagegerät für das Gesicht, Armgewichte und Handytaschen zum Verkauf. Amazon wird die Produkte direkt aus China nach Übersee versenden. Das Ziel sei es, auf diese Weise Lieferzeiten von neun bis elf Tagen an Käufer zu liefern. In der Vergangenheit haben sich Amazon-Verkäufer in China auf den Service des Unternehmens, genannt Fulfillment by Amazon, verlassen, um Waren an Lagerhäuser in den einzelnen Ländern zu senden, bevor sie an die Kunden versandt werden. Verkäufer, die sich dem neuen Projekt anschließen, sollen zudem ihre Produktauswahl und Preisgestaltung selbst bestimmen und in kleinen Chargen produzieren können. Damit können die Unternehmen die Nachfrage nach neuen Produkten, die sie auf den Markt bringen wollen, direkt testen und ihre Produktion entsprechend dynamisch anpassen.

Der Aufstieg von Temu und Shein

Es ist dieses innovative Modell, mit dem die chinesischen Konkurrenten Temu und Shein in den letzten Jahren immer mehr Marktanteile gewinnen konnten. Temu, das dem chinesischen Online-Einzelhändler Pinduoduo Holdings gehört, beherrscht die Werbung in sozialen Netzwerken und verkauft ein breites Produktspektrum von Haushaltswaren über Spielzeug bis hin zu Kleidung zu Niedrigpreisen. Im Jahr 2023 betrug der Bruttowarenwert der erst im Vorjahr gegründeten Plattform bereits $15.33 Milliarden, in den USA hat Temu einen Marktanteil von 17 Prozent bei den Discountern erreicht. Fast drei von zehn Erwachsenen in den USA haben im vergangenen Jahr bei Temu eingekauft. Shein fokussiert den Modebereich, in dem er mittlerweile zu einem globalen Marktführer avanciert ist. Der Konzern entwickelt rund 6000 Artikel pro Tag und testet diese in kleinen Chargen. "Die eigentliche Stärke von Shein ist die Erkenntnis, dass man keine Ahnung hat, was sie (die Kunden; Anm. d. Red.) tragen wollen", erklärte Rui Ma, Analyst und Gründer des Newsletters Tech Buzz China.

Shein plant Börsengang

Amazons Gegenangriff kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für Shein. Das chinesische Unternehmen, das im letzten Jahr bei einer Finanzierungsrunde mit etwa $66 Milliarden bewertet wurde, plant aktuell, an die Londoner Börse zu gehen. Dazu reichte Shein Anfang Juni vertrauliche Unterlagen bei der britischen Börsenaufsicht ein, so zwei Quellen, die den Prozess für eine mögliche Londoner Notierung des Online-Fast-Fashion-Händlers verfolgten. Ursprünglich hatte das Unternehmen geplant, mit Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley als Konsortialführer in den USA an die Börse zu gehen, hat diesen Plan aber inzwischen aufgegeben. Die nordamerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC (United States Securities and Exchange Commission) hatte auf den Antrag auf Börsenzulassung nicht geantwortet, was aus Kreisen der nordamerikanischen Regierung als Zurückhaltung aufgrund möglicher politischer Implikationen interpretiert wurde. Sollten die britischen Behörden FCA und CSRC nun grünes Licht geben, könnte Shein öffentlich eine Absichtserklärung für einen Börsengang an der Londoner Börse abgeben. Dies würde den normalerweise vierwöchigen Prozess der Vorbereitung und Preisfestsetzung vor der Zulassung zum Handel einleiten.

Mit der Einführung des neuen Billig-Bereichs zeigt Amazon, dass man bereit ist, den Wettbewerb mit Temu und Shein anzunehmen. Reuters beschrieb den Schritt als „Amazons aggressivste Antwort auf das Wachstum von Schnäppchen-Websites“. Der Markt nahm die Nachricht positiv auf, die Amazon-Aktie legte am Mittwoch zeitweise um 4% zu. Wir analysieren die Aktie sowohl in unserem US-Titans-Paket als auch in unserem TECH33-Paket.

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