Apple hat am Montag in einer rund zweistündigen Präsentation auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) gleich mehrere Software-Änderungen vorgestellt, die Marktbeobachter und Kunden lange erwartet hatten. Zum einen enthüllte der Konzern sein KI-System mit dem Namen Apple Intelligence. Zum anderen wurde das neue iPhone-Betriebssystem iOS 18 vorgestellt. Dieses wird über zahlreiche neue Funktionen verfügen, die einerseits im Zusammenhang mit Apple Intelligence stehen, andererseits aber auch weitere Veränderungen der Nutzerumgebung mit sich bringen. Laut Apple soll das Betriebssystem, das ab Herbst für die breite Öffentlichkeit verfügbar sein wird, das iPhone persönlicher, kompetenter und intelligenter als je zuvor machen. Doch was erwartet die rund eine Milliarde iPhone-Nutzer konkret?
Apples KI-Offensive
Schon Wochen vor der WWDC hatten Tech-Experten vermutet, dass Apple mit der nächsten iOS-Version ins KI-Rennen der Smartphone-Hersteller einsteigen würde. Schließlich hatte Konkurrent Samsung erst kürzlich ein großes KI-Update angekündigt. Und auch Google gab bekannt, bei seinen Pixel-Modellen verstärkt auf den hauseigenen Chatbot Gemini zu setzen. Mit Apple Intelligence will nun auch Apple auf Künstliche Intelligenz setzen. Dahinter verbirgt sich ein Bündel von Funktionen, die allesamt sogenannte generative KI auf Basis großer Sprachmodelle (LLMs) nutzen, wie man sie beispielsweise von ChatGPT kennt. Die KI soll Sprache und Bilder verstehen und generieren, Aktionen in Apps ausführen sowie alltägliche Aufgaben vereinfachen und beschleunigen. Apple hebt besonders die Sicherheits- und Datenschutzaspekte hervor, indem viele der KI-Prozesse durch Private Cloud Compute direkt auf dem Gerät ablaufen. Somit soll höhere Rechenkapazitäten in der Cloud ermöglicht werden, ohne die Privatsphäre zu gefährden.
Siri 2.0?
Apples Sprachassistent Siri wird mit der Einführung von Large Language Models (LLM) in iOS 18 einige Änderungen erfahren. Siri soll in Zukunft eine natürlichere, inhaltlich relevantere und persönlichere Kommunikation ermöglichen. So ist beabsichtigt, dass Siri künftig tiefer in das System eingreifen, mit dem Kalender und den E-Mails des Nutzers interagieren und diese Informationen sinnvoll verknüpfen kann. Darüber hinaus soll ein ChatGPT-Zugang in die Sprachassistenz integriert werden, der komplexe Aufgaben wie das Zusammenfassen von Artikeln oder das Bearbeiten von Fotos direkt in den lokalen Apps ermöglichen soll. Als Siri 2011 auf den Markt kam, gab es keine vergleichbare Sprachassistenz, die Fragen nach dem Wetter, Aktienkursen oder Restaurants in der Nähe beantworten konnte. Doch das Modell hatte seine Grenzen. Viele Fragen wurden nicht verstanden oder nur mit Internetlinks beantwortet. Als Amazon Jahre später Alexa und Google seinen Sprachassistenten Gemini auf den Markt brachten, geriet Siri schnell ins Hintertreffen. Marktbeobachter erwarteten daher schon länger eine Überarbeitung des Modells.
Anpassbarer Homescreen
Neben den KI-Funktionen bietet das Update den iPhone-Nutzern neue Möglichkeiten zur Anpassung des Homescreens, des Sperrbildschirms und des Kontrollzentrums. Apps und Widgets können nun in jedem freien Bereich des Homescreens angeordnet werden und sind nicht mehr an ein Raster gebunden. Außerdem erhalten die App-Icons und Widgets einen neuen Look mit einem Dark-Effekt oder können individuell eingefärbt werden. Außerdem können sie vergrößert werden. Das Kontrollzentrum erhält ein neues Design und soll einen schnellen Zugriff auf Gruppen mit den am häufigsten genutzten Bedienelementen wie Medienwiedergabe, Heimsteuerung und Konnektivität ermöglichen. Die mangelnde Flexibilität bei der Anpassung von iPhones war in den vergangenen Jahren immer wieder ein Punkt, über den sich Nutzer beschwert hatten.
iMessages und SMS per Satellit
Ein weiteres Feature ist der satellitengestützte Nachrichtendienst, der es Nutzern ermöglicht, in Funklöchern fernab von Mobilfunknetzen und WLANs per Textnachricht zu kommunizieren. Dieses Feature wurde von Apple bisher auf Notfallmeldungen beschränkt. Apple betont in diesem Zusammenhang, dass iMessages (also Nachrichten über Apples nativen Messaging-Dienst) auch über diese Verbindung durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt bleiben. Das Versenden von Fotos und Videos per Satellit wird vorerst nicht möglich sein. Emojis und Tapbacks dagegen schon. Zum Start soll das Satelliten-Messaging nur auf dem Gebiet der USA verfügbar sein. Das war aber auch schon beim Satelliten-Notruf der Fall, den Apple nach der Einführung schnell auf andere Regionen ausweitete, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Börse reagierte auf die KI-Ankündigungen mit einem Tagesplus der Apple-Aktie von 5 Prozent und beförderte sie somit auf ein neues Allzeithoch. Dass Apple sein langjähriges Auto-Projekt vor einigen Wochen dem KI-Fortschritt opferte, scheint also schon Wirkung zu zeigen. Wir analysieren das Apple-Wertpapier sowohl im Rahmen unseres US-Titans als auch unseres TECH33-Pakets.


