Die wichtigsten Punkte
Uber wagt einen neuen Anlauf mit Drohnenlieferungen. Gemeinsam mit dem israelischen Unternehmen Flytrex sollen bis Ende 2025 erste Bestellungen über Uber Eats per Drohne in ausgewählten US-Städten ausgeliefert werden. Flytrex bringt dabei seine Erfahrung aus mehr als 200 000 Lieferungen in den USA ein und zählt zu den wenigen Firmen, die von der US-Luftfahrtbehörde FAA eine Genehmigung für Flüge außerhalb der Sichtlinie des Piloten haben. Uber beteiligt sich zusätzlich finanziell an Flytrex, betont jedoch, dass es sich um eine kleine, nicht wesentliche Beteiligung handelt. Ziel sei es laut Uber, Lieferungen schneller, effizienter und nachhaltiger zu machen – und Uber so langfristig im hart umkämpften Liefermarkt zu stärken.
Ubers Plan mit den Drohnen
Uber und Flytrex wollen die Stärken beider Unternehmen kombinieren: Uber bringt seine große Plattform und das Millionenpublikum der Uber-Eats-App mit, während Flytrex die Technik und Genehmigungen für Drohneneinsätze liefert. Kundinnen und Kunden sollen künftig wie gewohnt über die Uber-Eats-App bestellen können. Statt ein Kurier auf dem Fahrrad oder im Auto übernimmt dann aber eine Drohne die Lieferung. Das bedeutet: Die Drohne holt die Bestellung beim Restaurant ab, fliegt autonom zum Kunden und lässt das Essen an einem festgelegten Abwurfpunkt – zum Beispiel im Garten oder auf einer sicheren Fläche – herunter.
Flytrex: Der Partner mit Erfahrung
Flytrex wurde 2013 gegründet und hat sich früh auf Drohnenlogistik spezialisiert. Das Unternehmen ist in den USA bereits in mehreren Bundesstaaten aktiv, darunter Texas und North Carolina, wo es Essenslieferungen per Drohne für verschiedene Restaurants und Partner anbietet. Nach eigenen Angaben hat Flytrex über 200 000 Lieferungen erfolgreich abgeschlossen. Besonders wichtig: Flytrex zählt zu den wenigen Anbietern, die von der FAA eine Sondergenehmigung für sogenannte BVLOS-Flüge haben – also Flüge, bei denen die Drohne auch außerhalb der Sichtweite des Piloten gesteuert wird. Diese Genehmigung ist entscheidend, um Drohnenflüge wirtschaftlich skalieren zu können, da so nicht für jede Lieferung ein Pilot die Drohne direkt im Blick behalten muss. Flytrex-Vorsitzender Noam Bardin sieht in autonomen Drohnen „die Zukunft der Essenslieferung – schnell, günstig und hands-free“.
Start in den USA: Wo die Drohnen zuerst fliegen
Noch ist nicht bekannt, in welchen Städten Uber und Flytrex den Startschuss geben. Klar ist aber, dass es zunächst Testmärkte in den USA sein werden. Branchenbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass die bereits von Flytrex bedienten Regionen Texas und North Carolina dazugehören, da dort die nötige Infrastruktur und Genehmigungen bereits vorhanden sind.
Uber selbst spricht davon, bis Ende 2025 die ersten Lieferungen durchzuführen. Damit setzt das Unternehmen bewusst auf eine schrittweise Einführung, bei der Erfahrungen gesammelt und Sicherheitsfragen geklärt werden können. Die Partner betonen, dass der Service von Anfang an vollständig in die Uber-Eats-App integriert sein soll, sodass Kundinnen und Kunden keinen Unterschied zur klassischen Bestellung bemerken – außer, dass das Essen eben aus der Luft kommt.
Sicherheit und Regulierung
Der Einsatz von Drohnen im Alltag wirft viele Fragen auf: Was passiert, wenn eine Drohne abstürzt? Wie wird der Luftraum geregelt, wenn mehrere Anbieter gleichzeitig fliegen? Hier kommt die FAA, die US-Luftfahrtbehörde, ins Spiel. Sie hat in den vergangenen Jahren die Regeln für Drohneneinsätze schrittweise geöffnet. Besonders wichtig ist die Möglichkeit der BVLOS-Flüge, denn nur so sind große Liefernetze mit Drohnen denkbar. TechCrunch verweist darauf, dass die US-Regulierung inzwischen deutlich lockerer geworden ist und Drohnenfirmen damit mehr Spielraum haben, neue Konzepte zu testen. Dennoch bleiben Themen wie Datenschutz, Sicherheit über Wohngebieten und Lärmbelastung offen und müssen in den kommenden Jahren gelöst werden, bevor Drohnenlieferungen in großem Maßstab starten können.
Konkurrenz und Wettbewerb
Uber ist mit seiner Drohnen-Offensive nicht allein. Mehrere große Tech- und Handelsunternehmen arbeiten bereits an ähnlichen Projekten. Alphabet-Tochter Wing liefert in Australien, Finnland und den USA testweise aus und kooperiert dort unter anderem mit DoorDash. Walmart arbeitet sowohl mit Wing als auch mit Zipline, die sich ursprünglich auf Lieferungen für Krankenhäuser spezialisiert hatten. Auch Amazon testet mit seinem Prime-Air-Programm seit Jahren Drohnenlieferungen. Flytrex selbst arbeitet bereits mit DoorDash zusammen. Der Markt für Drohnenlogistik gilt als wachstumsstark, aber auch hart umkämpft. Ubers Rückkehr zeigt, dass das Unternehmen sich Chancen ausrechnet, in diesem Wettbewerb langfristig mitzuspielen.
Rückkehr nach gescheitertem Versuch
Ubers Engagement in der Drohnenlogistik ist nicht neu. Schon 2019 hatte das Unternehmen erste Versuche mit Drohnenlieferungen gestartet. Damals stieß man jedoch auf strenge regulatorische Hürden und stellte die Aktivitäten wieder ein. Die damalige Luftfahrtsparte Uber Elevate wurde später an den Flugtaxi-Anbieter Joby verkauft. Nun kehrt Uber zurück – allerdings nicht mehr mit einer eigenen Drohnenflotte, sondern mit einem spezialisierten Partner. Die finanzielle Beteiligung an Flytrex gilt als „nicht wesentlich“, zeigt aber, dass Uber ein strategisches Interesse an der Technologie hat.
Ausblick: Was Kundinnen und Kunden erwartet
Noch bleiben viele Fragen offen: Wo genau starten die Drohnen? Wie hoch werden die Lieferkosten sein? Welche Art von Bestellungen eignen sich besonders für den Drohnentransport? Uber betont, dass es langfristig ein multimodales Liefernetzwerk aufbauen will, bei dem Autos, Fahrräder, Roboter und Drohnen nebeneinander existieren. Für Kundinnen und Kunden könnte das bedeuten, dass Lieferungen in Zukunft schneller erfolgen und gleichzeitig weniger Emissionen verursachen. Auch kleinere Orte könnten durch Drohnen besser versorgt werden, da die Anfahrt per Auto oder Roller oft teurer und zeitaufwändiger ist.



