Reverse Split klingt, als könnte es in der Rhythmischen Sportgymnastik zuhause sein, ist aber eigentlich ein Begriff aus der Finanzwelt, der verwendet wird, um eine Kapitalmaßnahme bei Aktien oder beispielsweise auch bei ETFs zu beschreiben: die Aktienzusammenlegung – also das Gegenteil eines Aktiensplits, eines Forward Stock Split.
Was ist ein Reverse Split?
Ein Reverse Split ist eine Kapitalmaßnahme, bei der ein Unternehmen mehrere Aktien zu einer einzigen Aktie mit einem höheren Nennwert zusammenlegt. Dabei verringert sich die Anzahl der ausgegebenen Aktien, während der Gesamtwert des Aktienbesitzes für die Anleger gleich bleibt. Diese Maßnahme wird häufig durchgeführt, um den Kurs der Aktie optisch zu erhöhen, was das Unternehmen für potenzielle Investoren attraktiver machen kann. Wichtig ist dabei, dass weder das Grundkapital der Aktiengesellschaft noch der prozentuale Anteil eines Aktionärs am Unternehmen verändert wird.
Reverse Split Beispielrechnung
Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen führt einen Reverse Split im Verhältnis 2:1 durch. Wenn ein Anleger vor dieser Maßnahme zehn Aktien im Wert von jeweils 200 Euro besitzt, werden diese zehn Aktien zu fünf Aktien mit einem Wert von jeweils 400 Euro zusammengelegt. Der Gesamtwert bleibt mit 2000 Euro gleich, nur die Anzahl der Aktien hat sich verringert. Das Unternehmen hat dadurch einen höheren Aktienkurs, ohne dass sich der prozentuale Anteil der Aktionäre oder der Gesamtwert der Aktien verändert.
Warum führen Unternehmen einen Revere Split durch?
Unternehmen führen einen Reverse Split in der Regel durch, um den Kurs ihrer Aktie zu erhöhen und diese attraktiver für potenzielle Investoren erscheinen zu lassen. Ein höherer Aktienkurs kann das Vertrauen in die finanzielle Stabilität des Unternehmens stärken und das Interesse von institutionellen Anlegern wecken, die möglicherweise nur in Aktien mit einem bestimmten Mindestkurs investieren. Außerdem kann ein Reverse Split helfen, die Notierungsvorschriften einer Börse einzuhalten, wenn der Kurs der Aktie zu niedrig geworden ist. Dabei bleibt der Gesamtwert der Aktien und der prozentuale Anteil der Aktionäre unverändert.
Was heißt Reverse Split auf Deutsch?
Der deutsche Begriff für „Reverse Split“ lautet „Aktienzusammenlegung“. Dieser Begriff beschreibt die Maßnahme, bei der mehrere Aktien zu einer einzigen Aktie mit einem höheren Nennwert zusammengefasst werden. Aber auch in Deutschland wird oft der englische Begriff „Reverse Split“ verwendet. Gerade in Finanzmedien und unter Anlegern ist dieser Begriff gebräuchlich, da er prägnant ist und auch international verstanden wird. Der deutsche Begriff „Aktienzusammenlegung“ wird zwar auch verwendet, aber in der Praxis seltener genutzt.
Ist ein Reverse Split gut oder schlecht?
Ob ein Reverse Split gut oder schlecht ist, hängt von der Perspektive ab. Für die Aktionäre selbst ist er zunächst neutral, da sich der Gesamtwert ihrer Aktien und ihr prozentualer Anteil am Unternehmen nicht ändern. Ein höherer Aktienkurs nach dem Reverse Split kann jedoch das Vertrauen in das Unternehmen stärken und neue Investoren anlocken. Auf der anderen Seite kann ein Reverse Split auch als Hinweis darauf gewertet werden, dass der Aktienkurs zuvor zu niedrig war oder das Unternehmen Schwierigkeiten hatte. Daher sollte man immer auch die Hintergründe der Maßnahme und die finanzielle Lage des Unternehmens im Blick behalten.
Reverse Split Vorteile
Ein Reverse Split kann mehrere Vorteile haben. Zum einen wirkt der Aktienkurs nach der Maßnahme optisch höher, was das Unternehmen für neue Investoren attraktiver machen kann. Zum anderen kann ein höherer Kurs helfen, bestimmte Börsenanforderungen wie Mindestkurse zu erfüllen und so eine drohende Delistung von der Börse zu vermeiden. Außerdem kann ein Reverse Split dazu beitragen, dass das Unternehmen als finanziell stabiler wahrgenommen wird. Diese Faktoren zusammen können das Vertrauen von Investoren stärken und die Handelsfähigkeit der Aktie verbessern.
Reverse Split Nachteile
Ein Nachteil eines Reverse Splits liegt vor allem in der möglichen Signalwirkung: Anleger könnten ihn als Hinweis darauf verstehen, dass das Unternehmen zuvor einen niedrigen Aktienkurs hatte oder mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Zudem kann die Durchführung eines Reverse Splits aufwendig sein, da er von der Hauptversammlung beschlossen werden muss und rechtliche sowie organisatorische Schritte erfordert. Auch wenn der prozentuale Anteil der Aktionäre gleich bleibt, könnte der optisch höhere Kurs nach dem Reverse Split potenziell weniger Kurswachstumsspielraum suggerieren.
Welches Unternehmen hat einen Reverse Split durchgeführt?
Das Unternehmen Canopy Growth hat zum Beispiel am 20. Dezember 2023 eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:10 durchgeführt. Das bedeutet, dass zehn bestehende Aktien zu einer neuen Aktie zusammengelegt wurden. Diese Maßnahme wurde ergriffen, um den Aktienkurs zu erhöhen und den Anforderungen der Nasdaq hinsichtlich des Mindestkurses von 1 US-Dollar pro Aktie zu entsprechen. Dies ist ein häufiges Beispiel dafür, warum Unternehmen einen Reverse Split durchführen.
Natürlich gibt es aber auch viele weiten Beispiele aus vielen Branchen, wie der Tech oder KI-Branche, aber auch in der Rohöl- oder Erdgasbranche finden sich etliche Beispiele.



