„Chinas Nvidia": Warum Chip-Senkrechtstarter Cambricon vor sich selbst warnt
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„Chinas Nvidia": Warum Chip-Senkrechtstarter Cambricon vor sich selbst warnt

Author

Esma Sakalli

Die wichtigsten Punkte 

Cambricon Technologies steigt 2025 rasant zum chinesischen Rivalen von Nvidia auf: Der Umsatz wächst um über 4000 Prozent, die Regierung fördert heimische Chips. Mit eigenen KI-Beschleunigern wie der MLU370 und steigender Nachfrage nach Alternativen zu US-Hardware wird Cambricon zum Symbol von Chinas technologischer Unabhängigkeit, trotz Rückstand bei Software und Fertigung.

Chinas Chip-Champion: Cambricon will Nvidia Konkurrenz machen

In der globalen Chipindustrie bahnt sich eine neue Machtverschiebung an. Während der US-Gigant Nvidia den Markt für KI-Prozessoren dominiert, tritt in China ein ehrgeiziger Herausforderer auf den Plan: Cambricon Technologies. Das Unternehmen, das 2016 aus einem Forschungsprojekt der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hervorging, erlebt 2025 einen Aufstieg, der selbst in der schnelllebigen Tech-Branche selten ist.

In der ersten Hälfte des Jahres stieg der Umsatz um über 4000 Prozent auf rund 2.88 Milliarden Yuan – umgerechnet etwa 403 Millionen US-Dollar. Der Gewinn kletterte auf ein Rekordniveau von 1.04 Milliarden Yuan. Dieser Boom treibt den Aktienkurs auf historische Höhen: Innerhalb weniger Monate legte die Marktkapitalisierung um über 40 Milliarden US-Dollar zu, inzwischen wird Cambricon mit rund 80 Milliarden bewertet.  Ein Erfolg, der nicht nur auf technologische Stärke, sondern auch auf politische Dynamik zurückzuführen ist – denn Peking drängt heimische Firmen zunehmend dazu, auf chinesische Chips zu setzen, um die Abhängigkeit von US-Hardware zu verringern.

Vom Laborprojekt zum Symbol nationaler Unabhängigkeit

Cambricons Geschichte liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für Chinas Strategie technologischer Eigenständigkeit. Das Unternehmen entwickelte ursprünglich Neural Processing Units für Huawei, bevor es sich mit eigenen Machine Learning Units (MLU) selbstständig machte. Der erste Beschleunigerchip kam 2018 auf den Markt, doch erst die jüngste Generation, die MLU370, brachte den Durchbruch. Mit Chiplet-Designs, LPDDR5-Speicher und eigenen Hochgeschwindigkeitsverbindungen schließt Cambricon langsam zur westlichen Konkurrenz auf.

Cambricon stieg vom Huawei-Zulieferer zum führenden KI-Chiphersteller Chinas auf und profitierte vom Nvidia-Exportstopp sowie der starken Nachfrage nach heimischer Technologie.

Dass Nvidia 2024 den Verkauf seines H20-Chips an China vorübergehend einstellen musste, erwies sich für Cambricon als Geschenk: Die Nachfrage nach heimischen Lösungen explodierte. Parallel kündigte das KI-Unternehmen Deepseek an, künftig seine Modelle auf Cambricons Hardware zu optimieren – ein Signal, das den Kurs des chinesischen Herstellers erneut um 20 Prozent steigen ließ. Inzwischen ist Cambricon mehr wert als der traditionsreiche Getränkekonzern Kweichow Moutai, der jahrelang als Chinas wertvollstes Unternehmen galt.

Zwischen Aufbruch und technologischem Rückstand

Trotz aller Euphorie bleibt die Herausforderung enorm. Cambricons Technologie ist leistungsfähig, doch noch weit von Nvidias Niveau entfernt. Vor allem im Softwarebereich fehlen ausgereifte Entwicklungsplattformen wie Nvidias CUDA-Ökosystem, das weltweit als Standard gilt. Auch die US-Exportkontrollen setzen Grenzen: China hat keinen Zugang zu den modernsten Chipfertigungstechniken, was langfristig Innovationen ausbremsen könnte.

Dennoch arbeitet Cambricon an der nächsten Generation von Hardware und Software, um diesen Rückstand zu verringern. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens steht somit exemplarisch für den Wettlauf um technologische Souveränität. Cambricon verkörpert Pekings Vision, eine eigenständige, von westlicher Technologie unabhängige KI-Infrastruktur aufzubauen – und zeigt, dass Chinas Industrie längst nicht mehr nur aufholt, sondern beginnt, eigene Standards zu setzen. Ob daraus eine echte Konkurrenz zu Nvidia erwächst, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – doch die Richtung ist klar: Chinas Chip-Revolution hat begonnen.

FAQ

Wem gehört Cambricon?
Cambricon ist mehrheitlich ein öffentliches Unternehmen, dessen Aktien an der Shanghai Stock Exchange gehandelt werden. Ein Teil der Anteile befindet sich im Besitz von staatlich verbundenen Investoren und privaten Großaktionären, darunter chinesische Technologie- und Investmentfirmen. Damit gilt Cambricon als teilweise staatlich beeinflusstes Unternehmen, das aber unabhängig operiert.

Was macht Cambricon Technologies?
Cambricon entwickelt Prozessorchips für künstliche Intelligenz (KI). Das Unternehmen entwirft sowohl Hardware als auch Software, die speziell für maschinelles Lernen und Datenverarbeitung optimiert ist. Seine Chips werden in Rechenzentren, Servern, Cloud-Systemen und intelligenten Endgeräten eingesetzt. Ziel ist es, eine heimische Alternative zu US-Herstellern wie Nvidia oder AMD zu bieten und Chinas technologische Unabhängigkeit im Halbleiterbereich zu stärken.

Ist Cambricon ein öffentliches Unternehmen?
Ja, Cambricon ist ein börsennotiertes Unternehmen. Die Firma wird unter der Kennung 688256 an der Shanghai Stock Exchange gehandelt. Der Börsengang erfolgte im Jahr 2020. Seitdem können institutionelle und private Anleger Aktien des Unternehmens erwerben, was Cambricon zu einem der wichtigsten öffentlich gehandelten KI-Chiphersteller Chinas macht.

Kann man Aktien von Cambricon kaufen?
Ja, man kann Cambricon-Aktien kaufen – sie sind an der Shanghai Stock Exchange notiert. Für Anleger außerhalb Chinas ist der direkte Kauf jedoch nur über spezialisierte Broker möglich, die Zugang zu chinesischen A-Aktien bieten. Alternativ kann indirekt über Fonds oder Finanzprodukte investiert werden, die chinesische Technologiewerte enthalten. Der Aktienkurs von Cambricon hat sich seit Anfang 2025 stark entwickelt und spiegelt die wachsende Bedeutung des Unternehmens in Chinas KI-Industrie wider.

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Esma Sakalli

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