“Blue Jay“: Amazon bringt Multitasking-Roboter und Hightech-Brille
#Technologie

“Blue Jay“: Amazon bringt Multitasking-Roboter und Hightech-Brille

Author

Esma Sakalli

Die wichtigsten Punkte 

Amazon hat mit Blue Jay ein Robotersystem vorgestellt, das Kommissionieren, Sortieren und Konsolidieren in einem Schritt vereint, sowie mit Project Eluna eine KI, die Logistikprozesse in Echtzeit optimiert. Beide Technologien sollen Effizienz und Arbeitssicherheit erhöhen. Kritiker warnen vor Jobverlusten, Amazon betont Weiterbildung und neue Rollen. Tests laufen in South Carolina und Tennessee – ein Wendepunkt in Amazons Automatisierungsstrategie.

Präzision in Bewegung

Mit Blue Jay hat Amazon am 22. Oktober 2025 ein Robotersystem vorgestellt, das mehrere komplexe Lageraufgaben gleichzeitig bewältigt. Das System kombiniert bisher getrennte Arbeitsschritte wie Kommissionieren, Sortieren und Konsolidieren in einer einzigen Einheit. Kern des Konzepts sind mehrere Roboterarme, die an einem laufbandähnlichen Trägersystem hängen. Ihre Sauggreifer können Objekte unterschiedlicher Form und Größe präzise erfassen – eine Funktion, die bisher nur durch verschiedene Stationen realisiert werden konnte. Amazon testet Blue Jay derzeit in einem Fulfillment-Center in South Carolina.

Erste Ergebnisse zeigen, dass der Roboter rund 75 Prozent der eingelagerten Artikeltypen selbstständig handhaben kann. Unterstützt wird die Entwicklung durch digitale Zwillinge, die Simulationen in Echtzeit ermöglichen und die Testphase auf wenige Monate verkürzt haben. Blue Jay steht damit für eine neue Generation industrieller Robotik, die Effizienz, Platzersparnis und Arbeitsergonomie in einem System vereint.

Künstliche Intelligenz im Takt der Förderbänder

Parallel zur Robotik präsentierte Amazon das KI-System Project Eluna. Es handelt sich um eine agentenbasierte Plattform, die in Echtzeit Daten aus den Logistikprozessen analysiert, Engpässe erkennt und Handlungsempfehlungen ausspricht, noch bevor Störungen auftreten. Eluna geht damit weit über klassische Dashboard-Systeme hinaus, die bislang nur rückblickende Informationen liefern konnten. In einem Testzentrum in Tennessee unterstützt die KI bereits Betriebsleiter bei der Personalplanung und Prozessoptimierung.

Amazons Project Eluna analysiert Logistikdaten in Echtzeit, erkennt Engpässe frühzeitig und unterstützt Führungskräfte mit automatischen Handlungsempfehlungen.

Ziel ist es, Führungskräfte zu entlasten und operative Entscheidungen auf eine datengestützte Basis zu stellen. Amazon betont, dass Eluna nicht den Menschen ersetzt, sondern Entscheidungsräume erweitert. Gemeinsam mit Blue Jay bildet das System die Grundlage von Amazons Strategie Physical AI – lernfähige, physisch agierende Technologien, die reale Arbeitsumgebungen verbessern und zugleich produktiver machen.

Wenn Maschinen den Takt der Arbeit bestimmen

Die Einführung von Blue Jay und Eluna erfolgt inmitten einer breiten gesellschaftlichen Diskussion über Automatisierung und Beschäftigung. Laut einer Recherche der New York Times könnte Amazon durch fortschreitende Robotisierung bis 2027 auf über 160 000 Neueinstellungen in den USA verzichten – eine Zahl, die der Konzern entschieden zurückweist. Amazon betont, Automatisierung diene in erster Linie der Arbeitssicherheit und der Weiterqualifizierung seiner Mitarbeitenden. Programme wie Career Choice oder neue Ausbildungswege in Mechatronik und Robotik sollen Beschäftigte auf technische Rollen vorbereiten.

Zugleich investierte das Unternehmen laut einer Studie von Oxford Economics über 1.5 Billionen US-Dollar in US-Standorte, was lokale Arbeitsmärkte stärkte und Löhne erhöhte. Mit Blue Jay und Eluna zeichnet sich dennoch ein Wendepunkt ab: Amazon zeigt, wie eng die Zukunft menschlicher Arbeit mit künstlicher Intelligenz und Robotik verflochten sein wird – präzise, datengetrieben und unwiderruflich automatisiert.

Author

Esma Sakalli

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.